EXPO REAL 2026: Zwischen Stromanschluss, Wohnraummangel und geopolitischer Unsicherheit
Am Montag beginnt in München die EXPO REAL, Deutschlands größte Immobilienmesse. Vom 5. bis 7. Oktober 2026 treffen sich dort Unternehmen, Investoren, Entwickler, Finanzierer und Politik – auch wenn die Branche derzeit nicht gerade mit Leichtigkeit unterwegs ist. Die Messegesellschaft berichtet seit mehreren Jahren von Rekordergebnissen, zugleich bleibt die Stimmung laut Trendindex zurückhaltender, als es die Marktentwicklung vermuten lässt.
Rund 1.780 Aussteller werden erwartet, voraussichtlich zwei Prozent mehr als zuletzt. Die Zahl der Besucher dürfte erneut bei etwa 42.000 liegen. Die Ausstellungsfläche ist seit Jahren stabil. Europa ist dabei der größte Markt unter den Ausstellern: Weniger deutsche Teilnehmer werden durch internationale Aussteller und Kunden ausgeglichen. Auch ausländische Investoren, darunter arabische Staatsfonds, interessieren sich weiterhin für Immobilien in Deutschland und Europa.
Infrastruktur rückt ins Zentrum
Neu ist nicht, dass Immobilien und Infrastruktur zusammen gedacht werden. Neu ist, wie viel Raum dieses Zusammenspiel auf der Messe bekommt. Energie, digitale Netze und Mobilität stehen im Fokus. 71 Prozent der befragten Investoren, Entwickler und Finanzierer halten es laut Trendindex für notwendig, Infrastruktur bei Immobilienprojekten stärker zu berücksichtigen.
Infrastruktur wird zunächst als Sonderschau mit begleitendem Konferenzprogramm präsentiert. Erstmals erhält sie außerdem ein eigenes Forum. In den kommenden Jahren sollen Infrastrukturunternehmen die Ausstellungsfläche ergänzen. Infrastrukturimmobilien wie Logistikhallen und Rechenzentren gehören ohnehin schon zum Geschäft vieler Immobilienunternehmen. Die EXPO REAL erweitert ihr Angebot damit neben Gewerbe- und Wohnimmobilien um investierbare Infrastruktur.
Ein Beispiel für die neue Mischung liefert die Veranstaltung InfrastructureNow am 6. Oktober 2026 von 11:00 bis 11:50 Uhr in Halle A3, Stand 420. Unter dem Titel „Kriege, Krisen, KI und Karten: Konjunktur- und Kapitalmarktausblick“ spricht Gertrud Rosa Traud von Helaba die Keynote, anschließend ist eine Diskussion vorgesehen. Auch Rechenzentren zeigen, wohin die Reise geht: 69 Prozent der Befragten erwarten eine höhere Nachfrage, nicht zuletzt wegen des steigenden Rechenbedarfs durch künstliche Intelligenz. Für den Bau entscheidet aber oft eine ziemlich nüchterne Frage: Ist überhaupt ein ausreichender Stromanschluss vorhanden?
Wohnungsbau zwischen Hoffnung und Bremsklötzen
Das Transaktionsvolumen für Immobilienkäufe in Deutschland stieg im ersten Halbjahr 2026 um 13 Prozent auf mehr als 16 Milliarden Euro. Im Wohnungsbau kommt davon allerdings weniger an, als man sich wünschen würde. Der Wohnungsbau bleibt hinter den Erwartungen zurück; Büroimmobilien und Einzelhandel stehen ebenfalls unter Druck. Kritisiert werden vor allem Bürokratie und hohe Baukosten.
Über Baukosten lässt sich politisch sprechen, aber nicht alles politisch wegzaubern: Grundstücks-, Arbeits- und Materialkosten spielen ebenfalls eine Rolle. Bei der EXPO REAL kommen deshalb Immobilienwirtschaft und Politik zusammen. Erwartet werden unter anderem Oberbürgermeister, Landtagsabgeordnete, Landesminister und Bundesbauministerin Verena Hubertz. Genehmigungsverfahren und politische Rahmenbedingungen stehen auf der Tagesordnung.
Als Möglichkeiten für mehr Wohnraum gelten die Umwandlung von Büros und serielles Bauen. In München gibt es erste Initiativen zur Umwandlung von Büroflächen. Das passt zum Flexible Housing Forum, das am 5. Oktober 2026 von 14:00 bis 15:20 Uhr in Halle B3, Stand 420, tagt. Dort geht es um die Attraktivität der Innenstädte; die Keynote hält Andreas Kaapke von der Dualen Hochschule Baden-Württemberg. Eine Sonderausstellung zeigt zukunftsweisende Wohnkonzepte.
Auch das Thema Arbeitskräfte und Wohnraum bekommt einen eigenen Platz: „Wohnraum als Schlüssel für Wachstum: Arbeitskräftebedarf, Zuwanderung und regionale Engpässe“ lautet eine weitere angekündigte Veranstaltung. Als Keynote ist Mathias Günther vom Pestel Institut vorgesehen.
Geopolitik zieht in die Messehallen ein
Geopolitische Krisen und die damit verbundene Unsicherheit prägen derzeit die internationalen Immobilienmärkte. Das Konferenzprogramm widmet diesen Fragen deshalb besondere Aufmerksamkeit. An drei Messetagen sind mehr als 200 Panels mit über 650 Sprecherinnen und Sprechern geplant. Wolfgang Ischinger, langjähriger Leiter der Münchner Sicherheitskonferenz, ist als Redner vorgesehen.
Zur Eröffnung am 5. Oktober um 11:00 Uhr diskutieren internationale Investoren die Attraktivität Europas als Immobilienstandort: Martin Towns von M&G Real Estate Ltd., Michael Neal von Savills Investment Management, Brad Gries von LaSalle Investment Management und David Green-Morgan von ANREV. Es geht um Europas Standortqualität, bestehende Anforderungen und den notwendigen Handlungsbedarf.
Um 12:20 Uhr gibt Prof. Dr. Moritz Schularick, Präsident des Kiel Instituts für Weltwirtschaft, einen Überblick über globale wirtschaftliche Entwicklungen und ihre Auswirkungen auf Deutschland. Auf dem Programm stehen die Stärken und Schwächen des deutschen Immobilienstandorts, notwendige politische Reformen und die mögliche Folge, dass geopolitische Krisen zu einer dauerhaften Rahmenbedingung für Wirtschaft und Gesellschaft werden.
Am zweiten Messetag spricht Wolfgang Ischinger um 11:00 Uhr auf dem Investment Forum über „Geopolitische Risiken: Über Sicherheit in unsicheren Zeiten“. Weltweite Kriege und Konflikte, strategische Rivalitäten zwischen Großmächten und verschobene globale Machtachsen bilden den Hintergrund.
Ganz praktisch wird es am 5. Oktober 2026 auf der Grand Plaza Stage von 11:00 bis 11:50 Uhr in Halle B3, Stand 230. Diskutiert wird dort die Bedeutung der Verteidigungsindustrie für die Immobilienwirtschaft, unter anderem mit Dr. Alexander Götz aus dem Bundesministerium der Verteidigung. Moderiert wird die Runde von Thomas Beyerle.
Viele Foren, ein angespannter Markt
Zusätzlich gibt es elf weitere Foren, Bühnen und Konferenzen. Die Grand Plaza Stage ist als Marktplatz des Handels in Halle B3 angelegt, das Transform & Beyond Forum widmet sich Zukunftsthemen der Immobilienbranche. Bei der Asian Investment Conference sind Teil 1 und 2 angekündigt, mit einer Keynote von David Green-Morgan von ANREV. Das Investment Forum and Conference findet am 6. Oktober 2026 von 14:00 bis 17:00 Uhr in Halle B3, Raum B21, statt. Für den 7. Oktober 2026 ist außerdem das Investment Forum von 11:00 bis 11:50 Uhr in Halle B3, Stand 530, vermerkt.
Der persönliche Kontakt bleibt trotz Digitalisierung und immer mehr Videokonferenzen wichtig – gerade bei komplexen Projekten und hochtechnologischen Produkten. Eine Messe soll für die Geschäfte der Kunden nützlich sein und digitale Technologien mit persönlichen Erlebnissen verbinden. Zwischen Bildschirm, Stromanschluss und Handschlag also. Klingt simpel, ist es aber offenbar nicht.
Die zurückhaltende Stimmung kommt nicht aus dem Nichts. Das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) veröffentlichte erste Ergebnisse des Expertenpanels Immobilienmarkt zur Jahreswende 2024/25. Die befragten Immobilienmarktexpertinnen und -experten bewerteten die Konjunkturlage weiterhin als sehr verhalten. In allen untersuchten Segmenten überwog die Einschätzung, dass sich die Lage gegenüber dem ersten Halbjahr 2024 verschlechtert hatte.
Besonders negativ fiel die Bewertung in den Bereichen Wohnen, Einzelhandel und Büro aus. Dort scheint die Talsohle jedoch überwunden; zuletzt verbesserte sich die Stimmung leicht. Die Logistikbranche beurteilte ihre Lage insgesamt etwas weniger negativ, liegt beim Stimmungsniveau aber weiterhin deutlich unter den Spitzenwerten bis 2021 und befindet sich zum dritten Mal in Folge in einem Abwärtstrend.
Die Veröffentlichung behandelt den gesamtwirtschaftlichen Rahmen und den Übergang von der Konjunktur- zur Strukturkrise, das weiterhin krisenhafte Konjunkturniveau sowie den Trendausblick mit erwarteten Wachstumsimpulsen vor allem aus dem Bestand. Herausgeber ist das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBSR). Der Titel lautet „Immobilien-Konjunkturtrends 2025. Erste Ergebnisse des BBSR-Expertenpanel Immobilienmarkt 2024“, Erscheinungsort und -jahr sind Bonn, 2025. Die DOI lautet: https://doi.org/
