Wer in Hannover eine Wohnung sucht, braucht derzeit vor allem Geduld – und ein gut gefülltes Konto. In der Stadt und der Region entstehen deutlich weniger Wohnungen als noch vor einigen Jahren. 2025 wurden rund 1.830 Wohnungen fertiggestellt, etwa 1.860 neue Wohnungen erhielten eine Baugenehmigung. Beide Werte waren die niedrigsten der vergangenen zehn Jahre.

Die Region sagt es offen: Es wird zu wenig gebaut, während der Bedarf an Wohnraum hoch bleibt. Zwischen Genehmigung und Fertigstellung liegen allerdings oft Jahre. Für Wohnungssuchende dürfte das Angebot deshalb zunächst knapp bleiben. Und die angespannte Lage ist längst auf dem Mietzettel angekommen.

Neubau wird spürbar teurer

Bei Neubauten lag die Spitzenmiete 2026 bei etwa 18,70 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter. 2025 waren es noch 18 Euro. Auch der Durchschnitt zog an: von 14,20 auf 14,70 Euro pro Quadratmeter. Eine 70-Quadratmeter-Wohnung kostet damit rund 1.030 Euro Kaltmiete im Monat – ohne Nebenkosten. Im Spitzenbereich werden für dieselbe Größe knapp 1.310 Euro fällig.

Auch bei Wiedervermietungen geht es nach oben. Die durchschnittliche Angebotsmiete liegt bei etwa 11,10 Euro pro Quadratmeter, die Spitzenmiete bei 14,70 Euro. Laut Immobilienmarktbericht liegt der Grund vor allem im knappen Wohnungsangebot. Der freie Markt reagiert da ziemlich gnadenlos.

Anders sieht es bei neuen Eigentumswohnungen aus. Der durchschnittliche Preis liegt bei etwa 5.300 Euro pro Quadratmeter, der Spitzenpreis bei rund 6.500 Euro. Gegenüber dem Vorjahr veränderten sich beide Werte kaum. Nach den Preisveränderungen der vergangenen Jahre scheinen sich die Kaufpreise also stabilisiert zu haben; ein weiterer kräftiger Anstieg blieb aus.

Mehr Genehmigungen, aber noch kein Durchatmen

Im ersten Halbjahr 2026 wurden etwas mehr Wohnungen genehmigt als im Vorjahreszeitraum. Ob daraus eine nachhaltige Erholung des Wohnungsbaus entsteht, ist offen. Hohe Baukosten und schwierige Finanzierungsbedingungen bremsen den Markt weiterhin.

Als Gegenmaßnahmen gelten schnellere Genehmigungen, einfachere Baustandards und neue Fördermöglichkeiten. Selbst wenn das rasch klappt, kommen zusätzliche Genehmigungen nicht sofort als fertige Wohnungen auf den Markt. Für Menschen, die jetzt suchen, hilft das nur bedingt.

Der Blick über Hannover hinaus zeigt, warum die Lage so vertrackt ist. Nach Angaben des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen hatten sich die Rahmenbedingungen bis Juni 2025 gegenüber den besonders schwierigen Jahren 2022 und 2023 verbessert. Hypothekenzinsen lagen unter dem Höchststand vom November 2023, Leitzinssenkungen der Europäischen Zentralbank konnten zusätzliche konjunkturelle Impulse geben, und der Anstieg der Baupreise hatte sich deutlich verlangsamt. Seit April 2024 wurden wieder mehr Hypothekendarlehen abgeschlossen; die Immobilienpreise erholten sich seit Mitte 2024. Im ersten Quartal 2025 stiegen die Baugenehmigungen gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 3,4 Prozent.

Das klingt zunächst nach Rückenwind, kommt aber mit Verzögerung auf der Baustelle an. 2023 hatte der Wohnungsbau laut DIW Berlin mit 57 Prozent den größten Anteil am gesamten Bauvolumen, vor Wirtschaftsbau und öffentlichem Bau. Sein Anteil ging gegenüber den Vorjahren leicht zurück, lag aber noch deutlich über dem Wert von 2009 mit 52,6 Prozent.

Der lange Schatten des Bauüberhangs

Bei den Baufertigstellungen werden Wohnungen in Wohngebäuden ebenso erfasst wie Wohnungen in Nichtwohngebäuden, etwa in landwirtschaftlichen Betriebs- oder Warenlagergebäuden. Anfang der 2000er Jahre wurden jährlich 200.000 bis 300.000 Wohnungen fertiggestellt. Nach der Finanzkrise sank die Zahl zeitweise auf etwas mehr als 150.000 Wohnungen pro Jahr, bis sich der Wohnungsbau bis 2016 wieder erholte. Bis 2023 wurden durchschnittlich fast 300.000 Wohnungen jährlich fertiggestellt.

Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine verschlechterte ab 2022 die Rahmenbedingungen für die Bauwirtschaft. Gesunkene Baugenehmigungen führten 2024 zu rund 250.000 fertiggestellten Wohnungen. Der Bauüberhang – also genehmigte, aber noch nicht fertiggestellte Wohnungen – begrenzte den Rückgang der Fertigstellungen in den Jahren 2023 und 2024. Ende 2024 umfasste er bundesweit 759.743 Wohnungen. 330.000 davon befanden sich bereits im Bau, mehr als die Hälfte war unter Dach oder im Rohbau. Dieser Überhang dürfte weiterhin stabilisierend wirken.

Bei den Mieten zeigt sich der regionale Unterschied sehr deutlich. In wachsenden Ballungsräumen sind sie höher, in weniger nachgefragten Regionen niedriger. Das gilt für Bestandsmietverhältnisse ebenso wie für Erst- und Wiedervermietungen. Die Bundesregierung unterstützt bezahlbares Wohnen mit verschiedenen Maßnahmen; die Mietregulierung soll kurzfristig auch in angespannten Wohnungsmärkten bezahlbares Wohnen ermöglichen.

Auch der soziale Wohnungsbau hat zugelegt. 2024 förderten die Länder knapp 62.000 Wohneinheiten, rund 51 Prozent mehr als 2022. Die Förderbewilligungen stiegen beim Neubau von Sozialmietwohnungen um 19 Prozent, bei der Modernisierung von Mietwohnungen um 18 Prozent, beim selbstgenutzten Wohneigentum um 61 Prozent und bei Wohnheimplätzen für Studierende und Auszubildende um 399 Prozent.

Nach vorläufiger Finanzplanung stellte der Bund von 2022 bis 2028 insgesamt 21,65 Milliarden Euro bereit. Damit konnten die Länder ihre Förderprogramme trotz gestiegener Zinsen und Baukosten ausweiten oder attraktiver gestalten. Ende 2024 gab es in Deutschland rund 1,05 Millionen Sozialmietwohnungen. Der Rückgang des Bestands wurde gegenüber den Jahren vor 2020 deutlich verlangsamt; in sieben Ländern stieg die Zahl 2024 sogar.

Hannovers Immobilienmarkt bleibt breiter als der Wohnungsbau

Während bei Wohnungen viele Interessenten vor leeren oder zu teuren Angeboten stehen, zeigen andere Marktsegmente erste Stabilisierungstendenzen. Bei Logistikimmobilien wurden 2024 insgesamt 130.000 Quadratmeter umgesetzt, im ersten Halbjahr 2025 bereits 85.000 Quadratmeter. Die Durchschnittsmiete lag bei 5,10 Euro pro Quadratmeter.

Logistik war 2024 mit knapp 50 Prozent Anteil die stärkste Anlageklasse am Investmentmarkt. Der Investmentumsatz erreichte rund 200 Millionen Euro. Kurzfristig bremst zwar die schwache Konjunktur die Entwicklung. Hannover gilt dennoch weiterhin als robuster und zukunftsfähiger Logistikstandort – die Lastwagen rollen schließlich nicht nach Stimmungslage.

Auch der Hotelmarkt setzte seine Erholung 2024 fort. In Stadt und Region Hannover wurden 4,03 Millionen Übernachtungen gezählt, davon 2,38 Millionen in der Stadt Hannover – ein neuer Höchstwert. Der Erlös pro verfügbarem Zimmer lag bei 66 Euro, die Zimmerauslastung bei 62,5 Prozent. Das Bettenangebot liegt wieder über dem Niveau vor der Krise.

In Hannover gibt es insgesamt 114 Hotels mit 16.350 Betten. Seit 2020 wurden zehn neue Hotels mit insgesamt 1.600 Zimmern eröffnet. Seit Mitte 2024 nahm die Aktivität am Investmentmarkt durch mehrere Transaktionen zu, an denen auch internationale Hotelketten beteiligt waren. Großveranstaltungen, Leitmessen und neue Hotelprojekte prägen die Standortentwicklung. Internationale Hotelmarken bringen zusätzlich Kapital und Reichweite.

In der Innenstadt verschieben sich die Gewichte. Der Einzelhandel befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel; neben dem Handel gewinnen Wohnen, Gastronomie, Kultur und Aufenthaltsqualität an Bedeutung. Umbauprojekte sowie Ansiedlungen internationaler Marken und neuer Gastronomieformate verändern das Angebot. Für die weitere Entwicklung braucht es neue und attraktive Nutzungskonzepte. Der Einzelhandelsumsatz in der Region Hannover soll 2025 voraussichtlich auf 8,73 Milliarden Euro steigen.

Leerstand neben Wohnungsmangel

Bundesweit standen zum Zensus-Stichtag 15. Mai 2022 gut 1,9 Millionen Wohnungen leer. Das entsprach 4,5 Prozent der Wohnungen in Gebäuden mit Wohnraum. In Westdeutschland waren 1,3 Millionen Wohnungen beziehungsweise 4 Prozent leer, in Ostdeutschland gut 576.000 Wohnungen beziehungsweise 6,4 Prozent.

Das ist kein Widerspruch, der sich mit einem schnellen Satz auflösen lässt: Leerstand findet sich vor allem in