Wenn es draußen kühler wird, suchen Wanzen in Bonn und der Region gern ein warmes Plätzchen. Im Herbst verirren sie sich deshalb immer wieder in Wohnungen – meist nicht aus Absicht und schon gar nicht, weil es dort besonders sauber oder unsauber wäre. Häuser wirken auf die Tiere wie Felsen: Mauerritzen und natürliche Felsen wären eigentlich ihre typischen Winterquartiere.

Unter zehn Grad kommen Wanzen schlecht zurecht. Im November, wenn es dauerhaft kalt wird, werden sie inaktiv; bei Regen sind sie ebenfalls weniger unterwegs. Lange, trockene Sommer können die Population erhöhen. Ob die Zahl der Wanzen in Nordrhein-Westfalen langfristig tatsächlich zunimmt, lässt sich laut dem Nabu-Experten Karl-Heinz Jelinek bislang allerdings nicht sicher feststellen.

Welche Wanzen in Wohnungen auftauchen

In Deutschland gibt es laut Nabu rund 1000 Wanzenarten. Das Umweltbundesamt nennt etwa 900 Arten; sie gehören zur Unterordnung der Heteroptera. Die meisten leben von Pflanzensaft, wenige – etwa Bettwanzen – saugen Blut. Wanzen kommen in fast allen Lebensräumen vor, manche haben sich sogar an das Wasser angepasst, darunter Rückenschwimmer und Wasserläufer.

Häufig in Wohnungen anzutreffen ist die Graue Gartenwanze. Sie wird 14 bis 16 Millimeter lang, ist graugelb bis grau gefärbt und unregelmäßig gepunktet. Die Grüne Stinkwanze misst 12 bis 14 Millimeter, ist breit und oval, grün und dunkel punktiert. Im Herbst kann sie sich braun oder rotbraun färben, nach der Überwinterung wird sie wieder grün. Im Sommer ist sie hellgrün, lebt bevorzugt in Wäldern und auf Wiesen, kommt aber auch in Gärten vor und saugt an verschiedenen Pflanzen, besonders an reifen Beeren.

Alle Wanzen besitzen stechend-saugende Mundwerkzeuge. Ihr mehrteiliger Rüssel liegt meist unter dem Körper und ist nach hinten geklappt. Das klingt martialischer, als es ist: Die meisten Arten sind für Menschen ungefährlich und richten in Wohnungen im Allgemeinen keinen Schaden an.

Auch die Feuerwanze ist vielen Menschen bekannt. Sie wird etwa 9 bis 12 Millimeter lang, hat lange Fühler, einen schwarzen Kopf und einen flachen Hinterleib mit auffälliger, variabler rotschwarzer Zeichnung. Bodennah lebt sie gern an Linden, Rosskastanien, Akazien, Malven und Hibiskus. Im Herbst zieht sie sich unter Laub oder in den Boden zurück und sammelt sich dort oft in größeren Gruppen; an warmen Frühlingstagen kommen die Tiere wieder hervor. Auf dem Speiseplan stehen abgefallene Samen, Pflanzensäfte sowie die Säfte toter und lebender Tiere, darunter Milben, Blattläuse und andere Feuerwanzen.

Seit einigen Jahren tritt in Deutschland gelegentlich die Lindenwanze auf. Sie stammt ursprünglich aus dem Mittelmeerraum und ist infolge des Klimawandels inzwischen auch hier verbreitet. Mit bis zu 6 Millimetern bleibt sie klein, trägt einen schwarzen Kopf, rötliche Flügeldecken und eine silbrig-weiße hintere Flügelmembran. Häufig wird sie gemeinsam mit Feuerwanzen gefunden. Im Frühjahr und Herbst kann sie, vor allem an Winterlinden, in sehr großer Zahl auftreten – dann sitzen die Tiere auch an Hausfassaden und auf Balkonen oder suchen im Herbst den Weg in Wohnungen. Als Schädling gilt sie nicht.

Gelegentlich kommt die Gemeine Bodenwanze im Winter sogar mit Brennholz ins Haus. Sie wird bis zu 8 Millimeter lang und hat einen schlanken Körper, vier lange Fühlerglieder sowie kontrastreich schwarz, weiß und rotbraun gefärbte Flügeldecken und einen Halsschild mit typischem schwarzem Dreieck. Mit dem Hausbockkäfer wird sie manchmal verwechselt. Der ist mit bis zu 11 Millimetern größer, hat 11-gliedrige Fühler und ist schwarzbraun gefärbt.

Der Geruch ist die eigentliche Überraschung

Wanzen kommunizieren über Duftstoffe. Werden sie bedroht oder geraten sie unter Stress, sondern sie ein unangenehm riechendes Warnsekret ab. Bei der Gemeinen Bodenwanze ist dieses Sekret süßlich-unangenehm und soll unter anderem Vögel abschrecken. Feuerwanzen, Grüne Stinkwanzen und Gemeine Bodenwanzen sind keine menschlichen Parasiten, übertragen keine Krankheiten und stellen keine Gefahr dar.

Darum sollte man die Tiere nicht einfach zerquetschen. Auch Klebefallen sind ungeeignet, ebenso der Staubsauger: Darin geraten Wanzen unter Stress und können das Gerät durch ihr Sekret in eine kleine „Stinkbombe“ verwandeln. Das ist ein Geruch, den man nicht unbedingt im Wohnzimmer braucht.

Eine Ausnahme bilden Bettwanzen. Sie saugen nachts Blut und verstecken sich tagsüber etwa in Matratzen oder unter Tapeten. In Deutschland gelten sie als nahezu ausgerottet, werden aber durch Reisen immer wieder aus Osteuropa oder Asien eingeschleppt. Besonders häufig treten sie in Wohnheimen, Krankenhäusern und Hotels auf. Kleine schwarze Punkte an Bettrahmen oder Tapeten können auf Wanzenkot hinweisen. Bei einem Befall ist oft ein Kammerjäger erforderlich.

Die übrigen Wanzen gehören nicht ins gleiche Schreckensfach. Pflanzensaftsaugende Arten können zwar zahlreich auftreten, verursachen normalerweise aber keine nennenswerten Schäden an Pflanzen oder Zimmerpflanzen. Auch Lindenwanzen sind für Menschen ungefährlich. Insektizide sind deshalb weder im Haus noch im Freien angebracht.

Was gegen Wanzen in der Wohnung hilft

Normale Wanzen lassen sich vorsichtig mit einem Glas und einem Stück Pappe einfangen und nach draußen bringen. Papier oder ähnliche Hilfsmittel funktionieren ebenfalls. Bei Tieren auf Zimmerpflanzen heißt es: abschütteln, mit einem Glas aufnehmen und hinaussetzen. Gummihandschuhe können dabei die Hände schützen.

Vorbeugen lässt sich mit einfachen Handgriffen. Fenster und Türen sollten besonders abends geschlossen bleiben, Löcher und Ritzen in Hauswänden werden am besten verschlossen. Fliegengitter halten viele Tiere draußen. Obstschalen sollten auch bei kühleren Temperaturen abgedeckt werden.

Als Hausmittel werden Mischungen aus Essig, Wasser und Spülmittel sowie Neemöl empfohlen. Für eine Neemöl-Mischung kommt ein Teelöffel Neemöl auf 250 Milliliter warmes Wasser. Aufgetragen wird sie an typischen Aufenthaltsorten wie Fensterbänken und Türrahmen. Auch stark riechende Mittel wie Nelken, Ammoniak und Wacholder sollen Wanzen vertreiben.

Im Herbst darf es dann trotzdem einmal summen, rascheln oder an der Scheibe krabbeln. Die Tiere suchen Wärme unabhängig vom Sauberkeitszustand der Wohnung – und verschwinden meist wieder, wenn die kalte Jahreszeit sie in die Winterruhe schickt.