Schlüsselübergabe mit Erinnerungen: Geskes Bar in Can Picafort wechselt 2027 den Betreiber
In Can Picafort steht ein Betreiberwechsel bevor, der mehr ist als eine nüchterne Geschäftsübergabe. Sabine und Stephan Geske eröffneten im Mai 2024 nahe dem Strand die „Geskes Bar“. Für das Paar war das Lokal ein Auswanderer- und Herzensprojekt – mit Stammgästen, aus denen enge Freundschaften wurden. Der Satz über der Bar lautete: „Komm als Gast und geh als Freund.“
Stephan starb im Juli 2025. Sabine, damals 65 Jahre alt, führte die Bar zunächst bis zum Jahresende allein weiter. Ende 2025 fasste sie dann den Entschluss, zum Jahreswechsel 2026/2027 abzugeben. Das Jahr 2026 möchte sie noch vollständig absolvieren und sich von den Gästen verabschieden.
Ein Abschied mit Schlüsselübergabe
Allein zu arbeiten, war trotz der Hilfe von Freunden auf Dauer kaum zu schaffen. Nach einem Sturm kippten drei Strohschirme um, dazu kamen Stromausfälle und verstopfte Wasserhähne. Weil die Bar so klein ist, belieferten viele Lieferanten das Lokal nicht. Sabine musste Waren selbst in größeren Mengen einkaufen und transportieren. Gerade dabei fehlte ihr die Unterstützung ihres Mannes.
Bei der Suche nach einer Nachfolge hielt sie Ausschau nach deutschen Betreibern, denn die „Geskes Bar“ ist die einzige deutsche Bar vor Ort. Gefunden hat sie ein deutsches Paar, das noch nicht auf Mallorca lebt, aber schon länger nach einem passenden Ort für seine Niederlassung suchte. Beide waren zuvor keine Gäste der Bar. Sie besichtigten das Lokal und entschieden sich wegen der Einrichtung und der Atmosphäre für die Übernahme.
Der Name bleibt: „Geskes Bar“ ist in der Gegend bekannt. Die Verträge wurden bereits im Juli 2026 unterzeichnet, die Eröffnung unter neuer Leitung ist für den 1. Januar 2027 geplant. Sabine hat den Nachfolgern ihre Unterstützung angeboten. Bei der traditionellen Silvesterparty, ihrem letzten Event als Betreiberin, sollen sie dabei sein; eine offizielle Schlüsselübergabe ist vorgesehen.
Bis dahin öffnet die Bar derzeit täglich außer mittwochs und sonntags von 19 bis 1 Uhr. Im November bleibt sie geschlossen. Ab dem 1. Dezember will Sabine wieder aufsperren – voraussichtlich an drei Tagen pro Woche sowie sonntags ab Mittag mit Kaffee und Kuchen.
Ab Januar 2027 möchte sie ihre Rente genießen und Mallorca mit dem Auto erkunden. Wohnen bleibt sie auf der Insel: in der Wohnung über der Bar, die Sabine und Stephan nach dem Umzug aus Deutschland angemietet hatten.
Vom Gaucho zur Wohnzimmeratmosphäre
Ende 2023 kündigten Sabine und Stephan ihre Arbeitsstellen und zogen mit 63 Jahren von Hamburg nach Mallorca. Das ehemalige Lokal des Steakrestaurants „Gaucho“ bauten und renovierten sie mehrere Monate lang, bevor die Bar eröffnen konnte.
Live-Musik und weitere Veranstaltungen zogen rund 80 Prozent deutschsprachige Gäste an – Residenten ebenso wie Urlauber. Zu den Künstlern gehörten unter anderem Desiree Hansen und Alex Engel. Sabine und Stephan wollten eine „Wohnzimmeratmosphäre“ schaffen: einen Treffpunkt, an dem man sitzen bleibt, Zeit verbringt und sich nicht allein fühlt.
Stephan hatte dabei offenbar ein gutes Gespür für die leisen Momente. Häufig vermittelte er zwischen Gästen, die sich noch nicht kannten. Auch im Winter organisierte er gemeinsam mit Sabine Veranstaltungen, etwa Adventsevents. Seit seinem Tod steht ein Foto von Stephan in der Bar. Davor brennt dauerhaft ein Licht.
Neue Betreiber in El Arenal
Auch in El Arenal haben deutsche Mallorca-Auswanderer ein Lokal übernommen. Die abgebrannte Bar „Why not“ wurde nach jahrelangem Leerstand unter dem Namen „Star Lounge“ wiedereröffnet. Betreiber sind Susanne Angela Erbe, 61, und ihr Sohn Benny, 27, aus Heilbronn. Der Betrieb wurde in der vergangenen Woche aufgenommen, während die umfassende Renovierung noch weiterläuft.
Die Bar war im Mai 2022 nahe dem Balneario 0 in Brand geraten. Vor rund einem Jahr stieß Erbe online auf die Pachtanzeige – zunächst ohne zu wissen, dass es sich um die sogenannte „Kegelbrüder“-Bar handelte. Mutter und Sohn besichtigten das Lokal auf Mallorca. Im Juni des vergangenen Jahres entschieden sich beide für die Auswanderung und begannen mit den Umbauten.
Unter anderem wurde die Terrasse erneuert. Die vollständige Renovierung zog sich über längere Zeit hin. Nun stehen schwäbische Gerichte auf der Karte: Maultaschen, Kartoffel- und Wurstsalat sowie Schnitzel nach Familienrezepten. In Deutschland hatten Mutter und Sohn bereits im Familienbetrieb zusammengearbeitet.
Auf zwei Terrassen und im Innenraum finden rund 60 Gäste Platz. Fußballspiele und andere Sportveranstaltungen laufen im Fernsehen. Das Publikum kommt laut den Betreibern unter anderem aus Deutschland, Frankreich, England, Finnland und Schweden. Die „Star Lounge“ liegt in der zweiten Meereslinie nahe dem Balneario 0 und ist Dienstag bis Sonntag von 10 bis 22 Uhr geöffnet; montags ist Ruhetag.
Der Name „Kegelbrüder“ erinnert allerdings an den Brandfall. Ende Januar erhob die Staatsanwaltschaft Anklage gegen acht deutsche Urlauber aus dem Münsterland. Vorgeworfen werden vorsätzliche Brandstiftung und leichte Körperverletzung. Die Männer sollen am 20. Mai 2022 von ihrem Hotelbalkon in El Arenal brennende Zigaretten und Alkohol auf das Schilfdach der Terrasse der „Why not Mallorca“ geworfen haben. Das Dach geriet dadurch in Brand.
Beschädigt wurden außerdem ein Bordell, eine Privatwohnung und Teile des angrenzenden Hotels. Mehrere Menschen erlitten leichte Verletzungen, weshalb auch Körperverletzung angeklagt ist. Rund zwei Monate nach dem Brand kamen die Männer aus der Untersuchungshaft frei.
Zwischen Fernsehbild und Inselalltag
Wie sichtbar deutsche Lokale und Auswanderergeschichten auf Mallorca inzwischen sind, zeigt auch die Jubiläumsfolge von „Goodbye Deutschland“. Die Serie feiert 20 Jahre Auswanderergeschichten und stellt dabei Mallorca in den Mittelpunkt. Genannt werden bekannte Gesichter wie die Familien Robens, Remus, Jerofke, Jerkel und Katzenberger.
Die Rückschau zeigt die Insel nicht nur mit Sonne und Meer, sondern auch mit Alltag, Reparaturen, Bürokratie, Sprachproblemen, Neuanfängen und Nachbarschaften. Als Erinnerungsorte tauchen der Passeig Mallorca, die Plaça Major und die Rambla auf.
Für Lokale kann Fernsehen spürbare Folgen haben: Fans besuchen Bars und Restaurants, die sie aus der Serie kennen. Das bringt zusätzliche Gäste, erhöht aber zugleich den Druck. Neuankömmlingen vermitteln die Geschichten vor allem, dass Vorbereitung, realistische Erwartungen und offene Gespräche wichtig sind – gerade dann, wenn die erste Euphorie verflogen ist und irgendwo ein Wasserhahn verstopft.
Veröffentlicht wurde der Beitrag am 13. August 2026. Zum gemeinsamen Anschauen bieten sich ein Freitagabend, ein paar Getränke und ein Ort mit Fußballübertragung an. In Can Picafort dürfte die Silvesterparty in der „Geskes Bar“ ohnehin voller Erinnerungen sein.
