In Deutschland kommt wieder etwas Bewegung in den Wohnungsbau. Im August wurden 20.600 Wohnungen genehmigt – 6,8 Prozent mehr als im August des Vorjahres. Damit setzte sich der Aufwärtstrend fort, der bereits im ersten Halbjahr zu beobachten war.

Von Januar bis Juni stiegen die Genehmigungen um gut 15 Prozent. Das war der stärkste Zuwachs in einem ersten Halbjahr seit 2016. Von Januar bis August wurden in neuen und bestehenden Gebäuden insgesamt 169.400 Wohnungen genehmigt. Das entspricht einem Plus von 18.300 Wohnungen beziehungsweise gut 12 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Mehr Genehmigungen, aber noch keine Entwarnung

Auf Neubauten entfielen 137.500 Wohnungen, ein Anstieg von 12,7 Prozent. Die Genehmigungszahlen legten bei Ein-, Zwei- und Mehrfamilienhäusern zu. Den größten Zuwachs gab es bei den Mehrfamilienhäusern: Dort stiegen die Genehmigungen gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 14,5 Prozent.

Auch der Blick auf das Gesamtjahr 2025 zeigt eine Aufwärtsbewegung. In Deutschland wurde der Neubau von rund 238.063 Wohnungen in Wohn- und Nichtwohngebäuden genehmigt. Gegenüber 2024 bedeutet das ein Plus von rund 10,8 Prozent. Erstmals seit 2021 nahmen die Baugenehmigungen damit wieder zu. 2024 war die Zahl der genehmigten Wohnungen auf den niedrigsten Stand der vergangenen zehn Jahre gefallen.

Die meisten Wohnungen wurden weiterhin in Bayern genehmigt, gefolgt von Nordrhein-Westfalen. Das hilft allerdings dort nur bedingt, wo der Mangel am stärksten spürbar ist: Der Wohnungsbau ging in den vergangenen Jahren stark zurück, insbesondere in Großstädten fehlt Wohnraum.

Fertigstellungen bleiben das Problem

Zwischen Genehmigung und fertiger Wohnung liegt bekanntlich mehr als ein Formularstapel. Im vergangenen Jahr sank die Zahl der fertiggestellten Wohnungen auf den niedrigsten Stand seit 2012. Insgesamt wurden 206.600 Wohnungen fertiggestellt – 18 Prozent weniger als im Vorjahr. Für 2024 werden zudem rund 8.000 weniger fertiggestellte Wohnungen als im Vorjahr genannt.

Das politische Ziel, jährlich 400.000 neue Wohnungen zu bauen, wurde in den vergangenen Jahren nicht erreicht. Der Abstand ist beträchtlich, und auf Baustellen zählen am Ende nicht die grünen Häkchen in einer Statistik, sondern Wohnungen mit Türen, Fenstern und funktionierender Heizung.

Die Baubranche war von Wirtschaftskrise und Inflation betroffen. Hohe Zinsen, gestiegene Baukosten, Lieferengpässe und teures Baumaterial ließen viele Bauvorhaben schrumpfen oder ganz verschwinden. Im europäischen Vergleich zählt Deutschland beim Neubau von Wohnungen zu den Ländern mit den höchsten Kosten. Das merkt man nicht nur in Kalkulationen, sondern auch an Baustellen, auf denen Maschinen stillstehen und Entscheidungen vertagt werden.

Politik setzt auf Tempo und Förderung

Das Ifo-Institut stellte zuletzt eine Verbesserung des Geschäftsklimas in der Baubranche fest. Die Stimmung hellt sich also etwas auf, während die Rahmenbedingungen widersprüchlich bleiben: Höhere Energiepreise infolge des Irankriegs und gestiegene Zinsen belasten die Bauherren weiterhin.

Schätzungen zufolge fehlen in Deutschland mehr als eine Million Wohnungen. Die Bundesregierung will den Wohnungsbau deshalb mit dem sogenannten Bau-Turbo fördern. Schnellere Genehmigungen sollen den Bau zusätzlicher Wohnungen ermöglichen. Das Bundesbauministerium stockte zuletzt außerdem die Neubauförderung für Häuser mit dem Energiestandard EH55 auf.

Ob aus dem Genehmigungsplus bald mehr fertige Wohnungen werden, hängt damit an mehreren Stellschrauben zugleich: an den Zinsen, den Materialpreisen, der Finanzierung, verfügbaren Handwerksbetrieben und an der Geschwindigkeit der Verfahren. Ein bisschen Rückenwind ist da. Aber bis zum fertigen Schlüsselbund bleibt es ein ordentliches Stück Weg.

Quelle 1: Spiegel
Quelle 2: Statista