Für Studierende wird die Wohnungssuche in Deutschland zum nächsten Rechenexempel. Der Studentenwohnreport 2026 untersucht bereits zum achten Mal die Wohnkosten an 38 Hochschulstandorten. Das Ergebnis: Die Wohnungsnot bleibt, die Preise bleiben hoch – auch wenn sich der Anstieg etwas verlangsamt hat.

Im ersten Halbjahr 2026 gab es keine Entlastung auf dem deutschen Wohnungsmarkt für Studierende. Qualitätsbereinigt lagen die Mieten durchschnittlich 2,6 Prozent über dem Vorjahreszeitraum. Über drei Jahre betrachtet betrug der durchschnittliche jährliche Anstieg 4,0 Prozent, insgesamt also rund 4 Prozent. In vielen Großstädten gingen die Mieten zwar zurück, doch das ändert am hohen Niveau wenig.

380 Euro reichen fast nirgends

Die BAföG-Wohnkostenpauschale von derzeit 380 Euro deckt die Miete einer studentischen Musterwohnung nur in Chemnitz vollständig. Die Musterwohnung umfasst 30 Quadratmeter; zusätzlich verglich der Report ein hypothetisches 20-Quadratmeter-WG-Zimmer. Chemnitz war mit rund 280 Euro monatlich der günstigste Standort, ein WG-Zimmer kostete dort rund 220 Euro.

Am anderen Ende steht München. Dort werden für die 30-Quadratmeter-Wohnung rund 880 Euro im Monat fällig, für das Muster-WG-Zimmer sogar rund 850 Euro. München bleibt damit erneut der teuerste Hochschulstandort. Berlin, Frankfurt und Köln sowie Hamburg und Heidelberg folgen bei den Musterwohnungen mit etwa 700 bis 720 Euro monatlich.

Für Nordrhein-Westfalen nennt der Report konkretere Zahlen: In Köln kostet die Musterwohnung 714 Euro, das WG-Zimmer 672 Euro. Düsseldorf kommt auf 613 beziehungsweise 563 Euro, Bonn auf 582 beziehungsweise 514 Euro. Bochum liegt bei 448 Euro für die Wohnung und 386 Euro für das Zimmer. Damit bleibt Bochum im NRW-Vergleich der günstigste der genannten Standorte.

Die kleinen Wohnungen verteuerten sich besonders stark. Unterkünfte mit weniger als 40 Quadratmetern wurden binnen eines Jahres um 3,5 Prozent teurer, WG-Zimmer um 2,3 Prozent und möblierte Wohnungen auf Zeit um 2,0 Prozent. In Köln und Düsseldorf stiegen die Mieten für kleine Wohnungen weniger stark, während Bochum einen deutlichen Preissprung verzeichnete.

Umland statt Innenstadt

Viele Studierende weichen wegen der hohen Kosten in Großstädten zunehmend ins Umland aus. Das klingt auf dem Papier vernünftig, bedeutet im Alltag aber oft längere Wege, volle Züge und weniger Zeit zwischen Seminar, Nebenjob und Lernen. Gerade für Menschen mit knappem Budget ist das kein kleiner Tausch.

Laut Statistischem Bundesamt gaben Studierende mit eigener Haushaltsführung 2025 durchschnittlich rund 54 Prozent ihres verfügbaren Haushaltseinkommens für das Wohnen aus. Das war mehr als doppelt so viel wie im Durchschnitt der Gesamtbevölkerung. 65 Prozent dieser Studierenden galten nach der Eurostat-Definition als durch Wohnkosten überbelastet.

Wohnheime können den Druck nur begrenzt auffangen. Nur etwa jeder zwanzigste Studierende erhält einen Wohnheimplatz, die Wartelisten sind lang. Wer dort anruft, kennt das Spiel: freundlich bleiben, Unterlagen bereithalten, hoffen – und trotzdem weiter suchen.

Zu wenig Neubau, mehr Nachfrage

Der Studentenwohnreport untersuchte auch die Bautätigkeit an den 38 Hochschulstandorten. Zwar wird an beliebten Hochschulstandorten überdurchschnittlich viel gebaut, vielerorts reicht das aber nicht aus, um die Wohnraumknappheit zu verringern. Das Angebot für Studierende bleibt knapp.

Die Fertigstellungszahlen im Wohnungsbau sind rückläufig. 2026 werden voraussichtlich rund 200.000 Wohnungen gebaut. Nach Einschätzung des Immobilienökonomen Michael Voigtländer vom Institut der deutschen Wirtschaft wären jährlich 310.000 bis 320.000 neue Wohnungen erforderlich.

Voigtländer zufolge bleibt das Mietniveau trotz der abgeschwächten Preisentwicklung hoch. Bezahlbare kleine Wohnungen fehlen weiterhin. Gleichzeitig dürfte die Zahl der Studierenden in den kommenden Jahren steigen und laut einer Prognose der Sonderauswertung bis 2040 über dem heutigen Niveau liegen. Der Nachfragedruck auf günstigen Wohnraum nimmt damit eher zu, statt sich in Luft aufzulösen.

Die höchsten durchschnittlichen Mietsteigerungen der vergangenen drei Jahre gab es in Hamburg und Saarbrücken mit jeweils 5,8 Prozent pro Jahr. Bochum folgte mit 5,5 Prozent pro Jahr. Gerade dort zeigt sich, wie schnell ein bislang vergleichsweise günstiger Standort unter Druck geraten kann.

BAföG-Erhöhung kommt später

Zum Sommersemester 2027 soll die BAföG-Wohnkostenpauschale von 380 auf 440 Euro steigen. Ursprünglich war die Erhöhung zum Beginn des kommenden Wintersemesters geplant, sie verzögerte sich jedoch wegen Finanzierungsdebatten innerhalb der Koalition. Für BAföG-Empfängerinnen und -Empfänger, die nicht bei ihren Eltern wohnen, bringt das künftig mehr Spielraum – in München oder Köln wird die Lücke damit trotzdem nicht verschwinden.

MLP-Vorstandsvorsitzender Uwe Schroeder-Wildberg weist auf die Bedeutung starker Hochschulstandorte für Wirtschaftswachstum und Wettbewerbsfähigkeit hin. Hohe Wohnkosten könnten allerdings dazu führen, dass Studierende ihren Studienort nach der Bezahlbarkeit und nicht nach den fachlichen Perspektiven auswählen. Dann entscheidet am Ende nicht das Wunschfach über den Studienort, sondern die Frage, ob am Monatsende noch etwas übrig bleibt.