Umfrage zeigt: 73 Prozent lehnen Enteignung großer Wohnungsbaugesellschaften ab
In vielen deutschen Großstädten sind die Mieten kaum noch bezahlbar. Besonders in Berlin spitzt sich die Lage zu: Der Wohnungsmarkt ist angespannt, die Mieten steigen, und deshalb wird erneut über die Enteignung großer Wohnungsbaugesellschaften diskutiert.
Eine Forsa-Umfrage im Auftrag von „Stern“ und RTL zeigt allerdings, dass eine deutliche Mehrheit diesen Weg nicht für geeignet hält. 73 Prozent der Befragten sehen in der Enteignung großer Wohnungsbaugesellschaften kein taugliches Mittel gegen hohe Mieten. 24 Prozent halten sie für geeignet, 3 Prozent antworteten mit „weiß nicht“.
Klare Unterschiede zwischen den Parteianhängern
Für die Umfrage wurden am 24. und 25. September 2026 insgesamt 1.009 Deutsche befragt. Die genaue Frage lautete: „Halten Sie die Enteignung großer Wohnungsbaugesellschaften für ein geeignetes Mittel, um hohe Mieten in Großstädten zu bekämpfen?“
Eine Mehrheit der Anhänger der Linkspartei hält Enteignungen demnach für ein geeignetes Mittel. Bei CDU und AfD fällt die Ablehnung besonders deutlich aus: 88 Prozent der CDU-Anhänger und 92 Prozent der AfD-Anhänger sehen darin keine geeignete Lösung.
„Vergesellschaftung“ statt Enteignung
Die Linke spricht bewusst nicht von Enteignung, sondern von „Vergesellschaftung“ großer Immobilienkonzerne wie Vonovia. Die Begriffe meinen rechtlich und politisch nicht dasselbe.
Bei einer Enteignung entzieht der Staat privates Eigentum, etwa Grundstücke für den Straßenbau. Bei einer Vergesellschaftung sollen große Wirtschaftsgüter wie Wohnungen dauerhaft dem privaten Profitstreben entzogen und in demokratisch kontrolliertes Gemeineigentum überführt werden.
Nach ihrem Wahlerfolg in Berlin erwägt die Linke die Vergesellschaftung von rund 220.000 Berliner Wohnungen. Ob eine solche Maßnahme die Mieten tatsächlich senken könnte, ist unter Experten umstritten. Auf dem Papier klingt der Eingriff nach einem großen Hebel; in der Praxis hängen daran viele offene Fragen.
Wohnungsbau bleibt der zweite, große Streitpunkt
Unabhängig vom Etikett bleibt der Wohnungsmangel bestehen. Zur Behebung seien umfangreiche Neubauten erforderlich, nicht nur in Berlin. Es braucht also mehr Wohnungen – und zwar in einer Größenordnung, die über einzelne politische Beschlüsse hinausgeht.
Während in den Städten weiter über Eigentum, Kontrolle und bezahlbare Mieten gerungen wird, bleibt für viele Wohnungssuchende vor allem die monatliche Rechnung greifbar. Die Zahlen der Umfrage liefern dazu ein klares Stimmungsbild: Enteignungen lehnt die Mehrheit ab, der Druck auf dem Wohnungsmarkt aber bleibt.
