Im August wurden in Deutschland knapp 21.000 neue Wohnungen genehmigt. Das waren fast 7 % mehr als im August des Vorjahres. Nach Monaten mit reichlich Gegenwind klingt das zunächst nach einem kleinen, aber wichtigen Signal – noch ist daraus allerdings kein Wendepunkt abzulesen.

Bauministerin Hubertz kündigte an, dass eine bundeseigene Wohnungsbaugesellschaft im kommenden Jahr starten soll. Sie soll den Wohnungsbau weiter fördern. Für Städte und Gemeinden, in denen Wohnungen seit Jahren knapp sind, kommt diese Nachricht zur rechten Zeit.

Mehr Genehmigungen, aber weiterhin große Lücke

In Deutschland herrscht Wohnungsknappheit, besonders in Großstädten. Die Lage droht sich weiter zu verschärfen. Das Ziel der Ampel-Koalition, jährlich 400.000 neue Wohnungen zu schaffen, wurde verfehlt: 2024 wurden rund 216.000 Wohnungen fertiggestellt – knapp 14 % weniger als 2023.

Der Rückgang hat mehrere Ursachen. Gestiegene Energiepreise, Inflation, Lieferengpässe und teureres Baumaterial trieben die Baupreise nach oben. Die Baugenehmigungen für neue Wohngebäude sanken auf den niedrigsten Stand der vergangenen 30 Jahre. Dabei gelten sie als wichtiger Indikator für die Entwicklung des Wohnungsmangels.

Seit Mitte der 1990er-Jahre ist die Zahl der Baugenehmigungen in Deutschland stark zurückgegangen. Mehr als zwei Drittel entfielen auf private Haushalte. 2023 wurden insgesamt etwa 216.000 neue Wohnungen genehmigt. Sinkende Genehmigungszahlen bedeuten meist auch weniger Aufträge im Wohnungsbau; steigende Baukosten haben in den vergangenen Jahren zusätzlich zum Rückgang des Genehmigungsvolumens beigetragen.

Wohnungsbau unter Kostendruck

Gemessen am Umsatz bleibt der Wohnungsbau eine wichtige Sparte des deutschen Bauhauptgewerbes. Zuletzt entfiel knapp ein Drittel des Gesamtumsatzes auf diesen Bereich. Der Umsatz sank 2024 gegenüber dem Vorjahr jedoch auf rund 51 Milliarden Euro. Bis 2022 war er kontinuierlich gestiegen, seitdem geht er jährlich zurück. Auch die Auftragseingänge gingen in den vergangenen zwei Jahren stark zurück.

Als wesentlicher Grund gilt der Nachfrageeinbruch infolge hoher Neubaupreise für Wohngebäude. Zuletzt lagen die Preise knapp 3 % über dem Vorjahresniveau. 2022 war der Höchststand erreicht, mit einer Steigerung von bis zu 16 %. Für viele Bauwillige wurde die Rechnung damit schlicht zu lang – und der Traum vom eigenen Haus rückte weiter weg.

Besonders stark sank die Zahl der Einfamilienhäuser: 2024 wurden nur noch knapp halb so viele gebaut wie 2022. Gleichzeitig stiegen die Investitionen in den Wohnungsbau weiter und lagen 2024 bei rund 281 Milliarden Euro. Mehr als 60 % der gesamten Bauinvestitionen flossen damit in den Wohnungsbau. Viel Geld also, aber es kommt nicht automatisch dort an, wo die dringendsten Wohnungen gebraucht werden.

Bund will Tempo machen

Die neue Bundesregierung plant, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen und den Bau von Miet- und Sozialwohnungen voranzutreiben. Verkürzte Genehmigungsfristen durch den sogenannten „Bau-Turbo“ sollen den Wohnungsbau erleichtern und der Wohnungsknappheit entgegenwirken.

Ob die angekündigte bundeseigene Wohnungsbaugesellschaft im kommenden Jahr tatsächlich spürbar mehr Wohnungen auf den Weg bringt, wird sich erst zeigen. Der jüngste Anstieg bei den Genehmigungen macht immerhin ein wenig Mut. Mehr als ein vorsichtiges Aufatmen ist es am 16.10.2026 aber noch nicht.

Die zugrunde liegende Einordnung zum Wohnungsbau wurde am 17. Dezember 2025 von René Muschter veröffentlicht.