100.000 Konzertfans, eine Ringbahn-Sperrung: Berlins Olympiastadion vor der Abreiseprobe
Am Samstagabend, 11. Juli 2026, wird es rund um das Berliner Olympiastadion eng. Die Toten Hosen spielen dort, während in der nur etwa 1,5 Kilometer entfernten Waldbühne die Pet Shop Boys auftreten. Rund 100.000 Konzertbesucher könnten nach dem Ende beider Veranstaltungen gleichzeitig abreisen – und dann wird aus Konzertstimmung ziemlich schnell Gedränge.
Beide Spielstätten hängen an derselben Verkehrsinfrastruktur. Ausgerechnet an diesem Wochenende fällt außerdem die Berliner Ringbahn wegen Bauarbeiten aus. Wer nach dem letzten Lied einfach zur nächsten Bahn schlendert, könnte also länger unterwegs sein als gedacht. Der Bereich rund um Olympiastadion, Waldbühne und die Bahnhöfe dürfte sich in eine ziemlich volle Mischung aus Menschen, Schweiß, Gesprächen und wartenden Zügen verwandeln.
Warum die Abreise so lange dauern kann
Ein S-Bahn-Vollzug der Baureihe 481 mit acht Wagen bietet regulär Platz für etwa 1.180 Personen: 376 Sitzplätze und 800 Stehplätze. Unter sehr beengten Bedingungen könnten ungefähr 1.500 Menschen in einen solchen Zug passen. Eine U-Bahn nimmt rund 660 Fahrgäste mit.
Selbst bei einem Zehn-Minuten-Takt von S2, S3/S9 und U2 würde es rechnerisch etwa 3 Stunden und 35 Minuten dauern, bis alle Konzertbesucher in eine Bahn eingestiegen sind. Endet ein Konzert um 23 Uhr, könnte der letzte Fahrgast demnach erst gegen 2:35 Uhr einen Zug erreichen. Das ist keine Verspätung im klassischen Sinn, sondern schlicht die Menge, die sich durch die vorhandenen Türen schieben muss.
Wer bei den Toten Hosen den größten Andrang vermeiden möchte, kann ein bis zwei Lieder vor dem Ende gehen. Laut dem Artikel beginnen die drei Zugaben mit „Freunde“, „Trink aus“ und „You’ll Never Walk Alone“. Bei den Pet Shop Boys wäre „It’s a Sin“ ein möglicher Zeitpunkt zum Aufbruch; als Zugaben werden „West End Girls“ und „Being Boring“ genannt.
Besucher der Waldbühne können außerdem zum etwa zehn Gehminuten entfernten S-Bahnhof Pichelsberg laufen. Der Bahnhof gilt als mögliche Ausweichmöglichkeit, dürfte allerdings ebenfalls viele Toten-Hosen-Fans aufnehmen. Eine andere Variante: nach dem Konzert noch im Stadion bleiben und die Abreise um etwa zwei Stunden verzögern. Nicht glamourös, aber manchmal ist ein später Snack besser als eine Stunde Schulter an Schulter.
Hinweise für den Konzertbesuch im Olympiastadion
Während der Veranstaltung ist ein geschultes Awareness-Team erreichbar. Der Meeting-Point liegt nahe dem Eingang Ost; außerdem ist das Team mobil und an weißen Westen erkennbar. Unterstützung gibt es bei Fragen, Unsicherheiten, Unterstützungsbedarf und kritischen Vorfällen. Die Hotline beziehungsweise WhatsApp-Nummer lautet 01573 879 5555.
Das Angebot richtet sich besonders an Menschen mit Schwerbehindertenausweis. Hilfe können aber auch Menschen ohne amtlichen oder medizinischen Nachweis sowie Personen mit temporären Beeinträchtigungen erhalten. Dafür ist die Adresse barrierefrei@dth.de vorgesehen. Schwangere ab dem 8. Schwangerschaftsmonat können mit entsprechendem Nachweis einen Platz in barrierefreien Aufenthaltsbereichen bekommen. Bei hohem Andrang ist dort möglicherweise keine Begleitperson zugelassen.
Menschen mit kurzfristigen Beeinträchtigungen durch Unfall, Therapie oder andere Ausnahmesituationen sollen sich erst in den zwei Wochen vor dem Konzert melden. Welche Lösung angeboten wird, richtet sich nach dem Bedarf und der erwarteten Auslastung. Eigene Hocker oder sonstige Sitzgelegenheiten dürfen nicht mitgebracht werden.
Besucherinnen mit sichtbaren oder unsichtbaren Behinderungen dürfen kostenlos eine Begleitperson mitnehmen. Bei Rollstuhl- oder Schwerbehindertentickets mit Merkzeichen B wurde das kostenfreie Begleiterticket direkt hinzugebucht. Die Kategorien „Rollstuhlticket“ und „mit B im Ausweis“ sind allerdings ausverkauft. Rollstuhlfahrerinnen mit regulärem Vorverkaufsticket sollen sich vorab an barrierefrei@dth.de wenden. Die kostenlose Begleitperson ist nur bei entsprechenden Rollstuhl- oder Merkzeichen-B-Tickets vorgesehen; ein separater Einlass von Begleitpersonen ist nicht möglich.
Anreise, Einlass und Wege vor Ort
Barrierefrei mit dem öffentlichen Nahverkehr erreichbar sind der U-Bahnhof Olympiastadion und der S-Bahnhof Olympiastadion. Beide Stationen verfügen über Aufzüge. Ob diese aktuell nutzbar sind, lässt sich unter https://www.brokenlifts.org/ prüfen.
Der barrierefreie Einlass befindet sich am Osttor und ist ausgeschildert. Er kann von Rollstuhlfahrenden sowie von Menschen mit anderen, auch temporären, Beeinträchtigungen genutzt werden. Bei Gruppen dürfen alle Freund*innen diesen Eingang verwenden. Kostenlosen Zutritt erhält dort allerdings nur die Begleitperson; alle anderen brauchen ein reguläres Ticket.
Die Wege zum und um das Olympiastadion können wegen Kopfsteinpflaster, Steigungen und Stufen schwierig sein. Das Awareness-Team am Meeting-Point hilft bei der Orientierung und kennt die barrierefreien Bereiche. Auch Personal und ausgewiesene Anlaufstellen können bei Barrieren oder Unterstützungsbedarf kontaktiert werden. Der Stadioninnenraum ist wegen der baulichen Gegebenheiten und fehlender Evakuierungsmöglichkeit nicht für Rollstuhlfahrende zugänglich.
In der Nähe des barrierefreien Einlasses am Osttor/Olympischen Platz liegt der Parkplatz PO4. Die Zufahrt erfolgt über Trakehner Allee 6, 14053 Berlin. Dort gibt es kostenlose Behindertenparkplätze. Der blaue Parkausweis muss hinter die Windschutzscheibe gelegt oder ein Ausweis mit Merkzeichen B bei der Einfahrt vorgezeigt werden; auch das Konzertticket ist zur Kontrolle bereitzuhalten. Der Fahrzeughalter muss nicht selbst behindert sein. Parkplätze gibt es viele, sie sind aber nur begrenzt verfügbar – eine Garantie besteht nicht.
Mehrere barrierefreie Toiletten mit Wasserspülung befinden sich auf dem Gelände. In Block QR liegt eine barrierefreie Toilette mit Pflegeliege, die als „Toilette für alle“ bezeichnet wird. Auch Menschen mit unsichtbaren Behinderungen dürfen die barrierefreien Toiletten nutzen. Wer sich Erklärungen ersparen möchte, kann am Meeting-Point ein entsprechendes Bändchen abholen. Starke Verunreinigungen sollen dem Awareness-Team gemeldet werden.
Medikamente, Assistenzhunde und Sitzplätze
Medikamente und Hilfsmittel sollen beim Einlass gegenüber der Security angegeben werden. Kühlpflichtige Medikamente müssen frühzeitig angemeldet werden, damit Kühlmöglichkeiten bereitgestellt werden können. Diabetes-Pens dürfen mitgebracht werden. Asthmasprays, Kopfschmerztabletten und Allergiemittel müssen nicht angemeldet werden. Für verschreibungspflichtige Medikamente nach dem Betäubungsmittelgesetz, etwa Cannabis oder Substitutionsmittel, ist eine ärztliche Verordnung mitzuführen. Für medizinische Versorgung steht das Sanitätszelt bereit.
Zertifizierte Assistenz- und Blindenführhunde sind zugelassen. Vor den Bühnen dürfen sie sich aus Sicherheitsgründen jedoch nicht aufhalten. Assistenzhunde sollen vorab unter barrierefrei@dth.de angemeldet werden.
Rollstuhlplätze befinden sich im inneren Umgang der Ostkurve in den Blöcken Q, R, S und T sowie in Block N. Vorrangig zugänglich sind diese Bereiche mit einem bereits ausverkauften Rollstuhlticket. Wer den Platz verlässt, hat keinen Anspruch auf einen dauerhaft freigehaltenen Sitzplatz. Bei Kapazitätsengpässen ist nur eine Begleitperson zugelassen. Awareness-Team und Ordnungsdienst sind dort durchgehend anwesend.
Beim Konzert werden dynamische Lichteffekte eingesetzt, darunter bewegtes Licht und Stroboskope. Wer darauf gesundheitlich oder mental problematisch reagiert, soll sich bei Beschwerden an das Personal wenden. Die VIP-Bereiche sind barrierefrei, sofern sie sich nur auf einer Ebene befinden; zusätzlich stehen Fahrstühle zur Verfügung.
Für die Abreise bleibt damit eine einfache, wenn auch nicht besonders bequeme Rechnung: frühzeitig gehen, nach dem Konzert warten oder sich auf lange Schlangen einstellen. Rund um das Olympiastadion wird es in dieser Julinacht jedenfalls nicht leise und schon gar nicht leer.
