In Schwaben sollen 22 neue Regionalzug-Haltestellen entstehen. Doch bei vielen Projekten ist noch offen, wann dort tatsächlich der erste Zug hält. Parallel verzögert sich die Sanierung und Modernisierung von rund 50 bestehenden Bahnhöfen teilweise. Grundlage der Angaben sind Unterlagen der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG), die den bayerischen Regionalverkehr organisiert und finanziert.

Auch beim Geld bleibt Bewegung: Bis Ende 2025 hatte DB InfraGO 446 Millionen Euro an Bundesmitteln für Bahnhofsinvestitionen weder abgerufen noch verbaut. Das Geld verfällt nicht. Die Deutsche Bahn kündigt zugleich schnellere Planungs- und Bauprozesse an. Für Streckenaus- und Neubauten stehen beim Bund allerdings weniger Mittel zur Verfügung, weil die Sanierung des bestehenden Schienennetzes Vorrang hat. Staatssekretär Ulrich Lange (CSU) bestätigte diese Priorität bei einer Diskussion im Bayerischen Fernsehen.

Staudenbahn soll wieder Züge bekommen

Ein großes Vorhaben ist die Nördliche Staudenbahn zwischen Gessertshausen und Langenneufnach. Die 13,3 Kilometer lange Strecke soll sechs Bahnhöfe erhalten. Nach jahrzehntelanger Unterbrechung wäre dort wieder Personenverkehr möglich – mit elektrischen Regionalzügen im Stundentakt, sieben Tage pro Woche, von frühmorgens bis in die Nacht.

Bis zu 140 km/h schnell sollen die Züge fahren. Die Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm (SWU) wollen das Projekt betreiben und rechnen mit einem Baustart 2027. Vorgesehen sind unter anderem großzügige Bahnsteige und ein neues elektronisches Stellwerk. Wann der Zugbetrieb losgeht, hängt jedoch vom Genehmigungs- und Finanzierungsverfahren ab. Papier ist geduldig, Fahrgäste eher weniger.

Weitere Schwerpunkte liegen in der Region Memmingen mit sechs Stationen, in der Region Lindau mit fünf sowie in der Region Kaufbeuren mit zwei Haltestellen. Dazu kommen Senden-Nord, Füssen-West und Sonthofen-Rieden.

Nur zwei Termine sind bislang konkret

Konkrete Inbetriebnahmetermine nennt die Bahn bisher nur für Lindau-Aeschach, dort ist das Ende 2027 vorgesehen, und für Kaufbeuren-Haken mit einem geplanten Start Ende 2029. Bei anderen Vorhaben stehen in den BEG-Unterlagen Formulierungen wie „offen“, „nächster Schritt Kosten-Nutzen-Untersuchung“ oder „Planungen zu den Stationen laufen“.

Das betrifft auch die sechs geplanten Bahnhöfe in der Region Memmingen an der Strecke Richtung Ulm und Tannheim. Als entscheidende Faktoren nennt die DB den weiteren Planungsverlauf und das Genehmigungsverfahren. Langfristig soll die gesamte Strecke Ulm–Memmingen–Kempten ausgebaut und elektrifiziert werden. Den Ausbau der Zweigstrecke Senden–Weißenhorn wollen – wie bei der Staudenbahn – die Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm übernehmen.

Kommunale Unternehmen haben bei vergleichbaren Projekten in anderen Bundesländern teilweise günstiger und schneller gebaut als die Deutsche Bahn. Das dürfte den Druck erhöhen, neue Wege zumindest ernsthaft anzuschauen.

Bahnhöfe, Dächer und Tunnel im Rückstand

Für die Sanierung bestehender Stationen setzt die DB auf ein geplantes „Infrastruktur-Zukunftsgesetz“. Barrierefreie Umbauten von Bahnsteigen sollen ohne aufwendiges Planrechtsverfahren möglich werden. Auch die Erneuerung von Dächer, Tunneln und Laufwegen soll dadurch schneller vorankommen.

Der Bedarf ist groß: Bayerns Schienennetz ist mehr als 6.000 Kilometer lang, die Züge fahren heute meist im Stundentakt, vielerorts im Halbstundentakt und in Ballungsräumen noch häufiger. An Spitzentagen sind bis zu 9.000 Züge unterwegs und bedienen mehr als 1.000 Bahnhöfe. Immer mehr Menschen wollen in Bayern mit der Bahn fahren, zugleich transportieren Unternehmen zunehmend Güter auf der Schiene.

Die Nachfrage trifft auf ein vielfach überlastetes und sanierungsbedürftiges System. Geplant sind daher grundlegende Sanierungen wichtiger Strecken, standardisierte Bauzeiten sowie Digitalisierung, Neu- und Ausbau. Mehr Personen- und Güterverkehr soll auf die Schiene verlagert werden, verlässlichere Verbindungen inklusive.

Baustellen prägen den Bahnbetrieb

Wie aufwendig das ist, zeigen die aktuellen Meldungen zur Korridorsanierung. Im Rahmen der Restarbeiten der Korridorsanierung Nürnberg–Regensburg sind im Oktober nachts lärmintensive Arbeiten geplant. Bei Osterhofen wird eine Moorstelle auf der Strecke Obertraubling–Passau saniert. Der Untergrund wird bis zu zwölf Meter tief stabilisiert, wobei regional entwickeltes Know-how zum Einsatz kommt. Ziel ist eine höhere Zuverlässigkeit für Reisende und den Güterverkehr.

Zwischen Obertraubling und Passau finden vom 5. bis 11. Oktober lärmintensive Nachtarbeiten statt. In Baustellennähe sind erhöhtes Lärmaufkommen und zusätzlicher Baustellenverkehr möglich. Vor den Bauarbeiten wird der Baugrund außerdem auf mögliche Kampfmittel aus dem Zweiten Weltkrieg untersucht.

Für den Ersatzverkehr auf den Linien RE 50 und RB 51 werden zusätzliche Busfahrten angeboten. Der Ersatzverkehr wird als insgesamt stabil beschrieben; Fahr- und Übergangszeiten wurden für die letzte Bauphase angepasst. Ein DB-Infomobil informiert vom 19. bis 29. Oktober vor Ort über Bauarbeiten und Ersatzverkehre während der Korridorsanierung zwischen Rosenheim und Salzburg.

Die Zahlen zum Bahnnetz Bayern, Stand 2024, zeigen die Größenordnung: 6.041 Kilometer Streckenlänge, 4.750 Brücken, 75 Tunnel, 580 Stellwerke, 10.015 Weichen und 1.024 Bahnhöfe. Im Regionalverkehr waren 362 Millionen Reisende unterwegs, außerdem wurden 14 Millionen Tonnen Güter befördert. Und irgendwo wartet schon der nächste Bahnsteig auf seinen ersten Zug.