Ruhrgebiet drei Wochen im Gleisumbau: Duisburg–Essen und Duisburg–Oberhausen gesperrt
Ab Freitagabend wird es auf der Schiene im westlichen Ruhrgebiet eng: Die Deutsche Bahn sperrt die Strecken Duisburg–Essen und Duisburg–Oberhausen. Beginn ist am Freitag, 9. Oktober 2026, um 21.00 Uhr; die Sperrung dauert bis zum 30. Oktober. Betroffen sind Regional- und Fernverkehr, mit Folgen bis nach Düsseldorf und Köln. Umleitungen, Zugausfälle und Ersatzbusse gehören in diesen drei Wochen zum Fahrplan.
Für Pendler zwischen Duisburg, Mülheim und Essen ist das keine völlig neue Nachricht. Dort fahren bereits seit Anfang September Ersatzbusse. Wer zwischen Düsseldorf und Essen unterwegs ist, soll nach Empfehlung der Bahn die S-Bahn-Linie 6 nehmen, die eine alternative Route fährt. Wegen zusätzlicher Auswirkungen auf die Verbindungen zwischen Düsseldorf und Duisburg lohnt sich der Blick in die Online-Auskunft vor der Abfahrt – gerade dann, wenn der Termin nicht ausgerechnet im Regen mit schwerem Gepäck stattfinden soll.
Zwei Bauphasen, ein dicht gepacktes Programm
DB InfraGO bündelt die Arbeiten auf der Hauptstrecke im Ruhrgebiet in zwei Phasen: vom 4. September bis 9. Oktober 2026 und vom 9. Oktober bis 30. Oktober 2026. Im Mittelpunkt stehen die Verbindungen zwischen Duisburg, Essen, Oberhausen und Düsseldorf. Die zweite Sperrung fällt mit Arbeiten der Autobahn GmbH am Autobahnkreuz Kaiserberg zusammen. Das Kreuz führt in Duisburg über acht Bahngleise; zugleich wird die Bahnstrecke für den Rhein-Ruhr-Express, kurz RRX, ausgebaut.
In der ersten Bauphase wurde zwischen Mülheim Hauptbahnhof und Mülheim West die Oberleitungsanlage auf rund 2,5 Kilometern erneuert. Rund zwölf Kilometer Fahrdraht werden installiert. Ein Teil der Anlage geht anschließend in Betrieb, der zweite Teil folgt 2027. Dafür sind rund 12,5 Millionen Euro vorgesehen. In Mülheim-Heißen begannen außerdem Vorarbeiten für eine neue Weichenverbindung, darunter Kampfmittelsondierungen für neue Oberleitungsmasten und Signale. Die Hauptarbeiten sind für 2027 vorgesehen; das Investitionsvolumen liegt bei rund 11 Millionen Euro.
Parallel arbeitet die Autobahn GmbH an der Hardenbergbrücke an der A 40 zwischen Mülheim und Essen. Alle Arbeiten in nur einen Sperrzeitraum zu legen, war laut DB wegen der baulogistischen Abläufe nicht möglich. Dafür bleiben die Sperrabschnitte für den Schienenersatzverkehr kürzer. Während der ersten Bauphase kann der Bereich beispielsweise zwischen Dortmund und Düsseldorf über Oberhausen umfahren werden.
Brücken, Bahnsteige und Schallschutz
Die zweite Sperrung nutzt die DB für weitere Infrastrukturmaßnahmen. Die dritte Eisenbahnbrücke zwischen Mülheim-Styrum und Duisburg, die über den Ruhrkanal führt, wird modernisiert. Die Stahlbrücke soll auf rund 130 Meter verbreitert werden. Im Herbst werden 24 neue Bohrpfähle gesetzt und erste Brückenteile neben dem bestehenden Bauwerk gefertigt. Rückbau und Einschub der modernisierten Brücke sind für Herbst 2027 geplant. Die Investition beträgt rund 23 Millionen Euro.
An der Brücke „Ruhr“ in Mülheim werden Rollenlager ausgetauscht. Im Düsseldorfer Flughafenbahnhof stehen sieben Weichen zur Erneuerung an. Am Duisburger Hauptbahnhof gehen die Arbeiten am Hallendach und an der Bahnsteigüberdachung von Bahnsteig 5, Gleis 10/11, weiter. Der gesamte Bahnsteig 5 wird dafür gesperrt. Zusätzlich werden Oberleitungsanlagen im Bahnhofsvorfeld angepasst, während die Modernisierung von Bahnsteig 2, Gleis 3/4, fortgesetzt wird.
Auch der RRX-Ausbau in Düsseldorf läuft weiter: In Düsseldorf-Lichtenbroich steht eine rund 900 Meter lange Schallschutzwand. Sie besteht aus hochschallabsorbierenden Leichtmetallelementen und ist bis zu sechs Meter hoch. Während der Sperrung werden die restlichen Arbeiten im Gleisbereich abgeschlossen.
In Duisburg-Duissern fehlen an der Eisenbahnüberführung über die Schweizer Straße noch Aluminiumelemente; außerdem werden dort Restarbeiten erledigt. Deshalb ist die Schweizer Straße vom 10. bis 15. Oktober gesperrt, Umleitungen werden ausgeschildert. Zwischen Mülheim und Essen-West laufen Vorbereitungen für neue Schallschutzwände, unter anderem Vegetationsarbeiten in Mülheim-Styrum.
Fernzüge fahren weiträumig – oder gar nicht
Die Auswirkungen treffen auch den Fernverkehr. Züge von Köln und Düsseldorf nach Hannover und Berlin werden über Wuppertal umgeleitet, einige Fernverbindungen fallen vollständig aus. In Duisburg und Oberhausen halten während der Bauarbeiten bis auf wenige Ausnahmen keine Fernzüge. Wer aus dem Ruhrgebiet nach Frankfurt oder Süddeutschland möchte, muss zunächst Regionalzüge oder Ersatzbusse nutzen.
In der ersten Bauphase, vom 4. September, 21 Uhr, bis 9. Oktober, 21 Uhr, bestehen zwischen Köln beziehungsweise Düsseldorf und Berlin mindestens zweistündliche Direktverbindungen. Essen, Bochum und Dortmund bleiben stündlich direkt mit Berlin verbunden. Zwischen Düsseldorf Flughafen und Duisburg gibt es in Richtung Berlin nur Umsteigeverbindungen. Verbindungen nach Nord-, Ost- und Süddeutschland werden überwiegend umgeleitet oder entfallen teilweise. Im Duisburger Hauptbahnhof halten nur einzelne Fernverkehrszüge in Tagesrandlagen.
Vom 9. Oktober, 21 Uhr, bis 30. Oktober, 21 Uhr, fahren ICE-Verbindungen von und nach Berlin weiterhin stündlich bis beziehungsweise ab Essen. Düsseldorf bleibt zweistündlich direkt mit Berlin verbunden; die Züge nehmen über Wuppertal und Hagen statt über Köln ihren Weg. Köln ist mindestens zweistündlich direkt an Berlin angebunden, Essen und Bochum behalten ihre Direktverbindungen. In andere Richtungen bestehen Umsteigeverbindungen über Dortmund oder Gelsenkirchen. In Duisburg und Oberhausen entfallen – abgesehen von einzelnen Nacht- und Tagesrandverbindungen – die Fernverkehrshalte.
Busse statt Bahn auf vielen Linien
Im Regionalverkehr sind je nach Bauphase zahlreiche Linien betroffen. In der ersten Phase geht es um RE 1, RE 2, RE 3, RE 6, RE 11, RE 42, RE 44, RE 49, RB 32, RB 33, RB 35, S 1 und S 3. Linien werden teilweise umgeleitet, Halte entfallen oder Verbindungen fallen abschnittsweise aus.
Schnellbusse für RE 1, RE 2 und RE 6 fahren zwischen Duisburg und Essen mit Halt in Mülheim; nachts geht es weiter bis Dortmund. Für S 1 und S 3 verkehren Busse zwischen Oberhausen beziehungsweise Duisburg und Essen West mit allen Zwischenhalten. Bei RE 49 fahren Schnellbusse ohne Zwischenhalt zwischen Oberhausen und Essen.
In der zweiten Phase, vom 9. Oktober, 21 Uhr, bis 30. Oktober, 21 Uhr, sind RE 1, RE 2, RE 3, RE 5, RE 6, RE 11, RE 19, RE 42, RE 44, RB 32, RB 33, RB 35 und S 1 betroffen. Einige Linien werden etwa über Oberhausen umgeleitet, andere fallen abschnittsweise aus.
Zwischen Essen und Duisburg fahren tagsüber Schnellbusse im 5-Minuten-Takt, mit Halt in Mülheim. Zwischen Oberhausen-Sterkrade beziehungsweise Oberhausen und Duisburg sind tagsüber Busse im 10-Minuten-Takt unterwegs. Zwischen Mülheim-Styrum und Duisburg verkehren Busse entsprechend dem Takt der ausfallenden S 1. In Essen, Mülheim, Oberhausen und Duisburg unterstützt Personal die Fahrgäste an den Hauptbahnhöfen.
Fahrplanänderungen gibt es unter anderem im DB Navigator, auf bahn.de/service/fahrplaene sowie in den elektronischen Auskunftsmedien. Die Linien RE 1, 2, 3, 5, 6, 11, 19, 42 und 44 sowie mehrere Regionalbahnen und die S-Bahn-Linie 1 gehören damit – je nach Zeitraum – zu den Verbindungen, bei denen ein kurzer Kontrollblick mehr als nur Zeit sparen kann.
RRX-Ausbau mit neuen Plänen
Der Bahnbau hängt mit einem größeren Vorhaben zusammen. Am 11. September 2026 legte die DB InfraGO AG überarbeitete Planunterlagen für den RRX-Planfeststellungsabschnitt 3.2 vor. Er reicht von Düsseldorf-Angermund bis zum Haltepunkt Duisburg-Schlenk. Die Unterlagen sind vom 14. September bis einschließlich 13.
