Auf der Ammergaubahn zwischen Murnau und Oberammergau soll der Zugverkehr voraussichtlich ab Mitte Dezember 2026 wieder rollen. Seit Ende Juni ist die Strecke gesperrt – ein beschädigter Bahndamm hat den Betrieb ausgebremst.

Eine lange Hitzeperiode trocknete den Damm stark aus. In der Folge senkte er sich an mehreren Stellen ab. Für Fahrgäste bedeutet das derzeit: Bus statt Bahn. DB Regio setzt bis zur Wiederaufnahme weiterhin Ersatzbusse ein; Abfahrtszeiten und aktuelle Hinweise stehen auf der Internetseite der Deutschen Bahn sowie unter verkehrslage.bahnhof.de/de/state/Bayern.

Stopfmaschinen sollen das Gleis wieder ins Lot bringen

DB InfraGO beginnt in der kommenden Woche mit den Instandsetzungsarbeiten. Die entsprechende Information stammt vom 16. Oktober 2026, 11:00 Uhr, aus Murnau. Zunächst musste allerdings eine Fachfirma mit geeigneten Stopfmaschinen gefunden werden. Die Maschinenkapazitäten sind im Herbst bundesweit stark nachgefragt und weitgehend ausgelastet – ohne diese Spezialgeräte geht auf der Baustelle wenig.

Hauptsächlich wird der Schotter unter den Gleisen verdichtet und neu ausgerichtet. So sollen die Gleise wieder gerade, stabil und sicher befahrbar werden. Zusätzlich werden in den kommenden Wochen teilweise der Gleisoberbau erneuert und der Untergrund ausgebessert. Ziel ist, die ursprüngliche Gleislage wiederherzustellen und das Gleis dauerhaft zu stabilisieren. Nach aktuellem Stand soll die Strecke Mitte Dezember wieder befahrbar sein.

Mit den Arbeiten im Jahr 2026 ist die Erneuerung der Ammergaubahn allerdings noch nicht abgeschlossen. Für 2027 plant die DB die Modernisierung weiterer, bislang nicht grundlegend erneuerter Streckenabschnitte. Schon 2024 war ein rund zehn Kilometer langer Abschnitt umfassend erneuert worden – knapp 50 Prozent der Gesamtstrecke. Nach Angaben der DB ist dieser Bereich seitdem stabil.

Millionenprogramm im Werdenfelsnetz

Seit 2022 investierte die Deutsche Bahn im Rahmen ihres Infrastrukturprogramms für Werdenfels und das Oberland einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag. Modernisiert wurde unter anderem auf den Strecken Tutzing–Garmisch-Partenkirchen, Garmisch-Partenkirchen–Griesen, Garmisch-Partenkirchen–Mittenwald und der Ammerseebahn. Aktuell laufen Arbeiten an der Pfaffenwinkelbahn.

Auch in den kommenden Wochen bleibt im Netz einiges los: Vom 11. bis 19. November stehen Gleisbauarbeiten auf der Kochelseebahn an, am 21. und 22. November sind Weichenarbeiten in Murnau vorgesehen. Für Reisende ist das nicht gerade die bequemste Jahreszeit für Baustellenfahrpläne, aber die Informationen zum Ersatzverkehr werden laufend unter verkehrslage.bahnhof.de/de/state/Bayern veröffentlicht.

Hitze als neue Herausforderung für die Infrastruktur

Der abgesenkte Bahndamm zeigt, wie direkt Extremwetter inzwischen in den Bahnbau hineinwirkt. Bei DB InfraGO kümmert sich das Naturgefahrenmanagement deshalb nicht nur um Hitzeprävention, sondern auch um Sturmrisikomanagement, Wintermanagement sowie die Widerstandsfähigkeit gegenüber Starkregen und Hochwasser.

Zur Sturmschadensprävention arbeitet DB InfraGO im vom Deutschen Zentrum für Schienenverkehrsforschung (DZSF) koordinierten Forschungsvorhaben „RailVitaliTree“ mit. Entstehen soll ein Vitalitätsmonitor, der Veränderungen der Baumvitalität im Gleisumfeld mithilfe hochaufgelöster Satellitendaten erfasst. An etwa zwölf Standorten in Deutschland laufen dafür Jahresringanalysen zum Baumwachstum, dendroökologische Studien, mikroklimatische Messungen und Drohnenbefliegungen. Untersucht werden Faktoren, die Bäume an Gleisen schwächen können; daraus sollen Maßnahmen gegen Astbrüche und Baumstürze entstehen. Erste Proben wurden 2024 entnommen, außerdem installierte das Projekt zwei Wetterstationen. Die Ergebnisse werden Ende 2026 erwartet.

Auch die Leit- und Sicherungstechnik steht im Blick. DB Systemtechnik und DB InfraGO statteten 2024 knapp 100 Achszählpunkte mit Temperaturloggern aus. Die Geräte messen bis Ende 2025 die Temperaturschwankungen in den Innengehäusen. Dabei wird geprüft, ob Lufttemperatur und weitere Standortfaktoren mit der Innentemperatur zusammenhängen. Nach dem Abgleich mit prognostizierten Temperaturspitzen soll feststehen, welche der 2022 und 2023 getesteten Schutztechnologien für welche Standorte geeignet sind. Hintergrund sind länger andauernde und intensivere Hitzewellen.

Climate Proofing und angenehmere Bahnhöfe

Bei Neu- und Ausbauprojekten wird die Anpassung an den Klimawandel stärker mitgedacht. Seit Juli 2024 ist für Infrastrukturprojekte von gemeinsamem europäischem Interesse ein verpflichtendes Climate Proofing vorgeschrieben. Es betrachtet Klimaschutz und Klimaresilienz gemeinsam. Der DB-Konzern hatte bereits 2023 freiwillig Climate-Proofing-Analysen für ausgewählte Großprojekte durchgeführt, darunter die Strecken Karlsruhe–Basel und Hamburg–Lübeck–Puttgarden.

Analysiert wurden 25 klimarelevante Gefahren, unter anderem Hitzewellen und Starkregen, und ihre möglichen Auswirkungen auf Projektbestandteile wie Fahrwege und Gebäude bis zum Jahr 2100. Für erkannte Risiken entstanden spezifische Anpassungspläne. Seit 2024 unterstützen dafür qualifizierte Gutachterbüros die Climate-Proofing-Prüfungen künftiger Projekte.

Auch Bahnhofsumfelder sollen klimaresilienter werden. DB InfraGO will gemeinsam mit Kommunen lebenswerte und klimaangepasste öffentliche Plätze schaffen – mit mehr Komfort und Sicherheit für Reisende und einer höheren Widerstandsfähigkeit gegenüber Extremwetter. 2024 wurden Bahnhöfe und Haltepunkte auf ihre Anfälligkeit gegenüber Hitze, Starkregen, Wind und Kälte untersucht. In ersten Pilotprojekten erprobte die Bahn unter anderem klimaangepasste Bepflanzungen und versickerungsfähige Böden. Das soll nebenbei die Biodiversität und die Aufenthaltsqualität verbessern.

Unterstützt hat DB InfraGO 2024 erneut das BMDV-Expertennetzwerk: mit Daten und Fachwissen in mehreren Projekten, an denen verschiedene Verkehrsträger und Bundesbehörden beteiligt sind. An der Ammergaubahn wird derweil erst einmal weiter gebaut – und bis Mitte Dezember bleibt der Bus das Verkehrsmittel der Wahl.