Wer spontan mit dem Fernzug loswill, kann seit dem 9. Mai 2026 bei der Deutschen Bahn besonders günstig unterwegs sein. Der „Super Sparpreis Last Minute“ startet in der 2. Klasse bei 6,99 Euro – für ICE- und IC/EC-Verbindungen innerhalb Deutschlands. Mit einer BahnCard 25 oder 50 gibt es 25 Prozent Rabatt, der Einstiegspreis sinkt damit auf 5,24 Euro.

Die Tickets werden samstags und sonntags für die jeweils folgende Woche freigeschaltet, also für Fahrten von Montag bis Sonntag. Das Angebot richtet sich an Menschen, die kurzfristig planen können und beim Reisetag nicht allzu wählerisch sind. Wer auf ein ganz bestimmtes Datum angewiesen ist oder eine flexible Rückgabe braucht, sollte eher den Flexpreis prüfen.

Günstig, aber nicht jederzeit und überall

Die zunächst von Mai bis September geplante Testphase wird verlängert. Eine Bahn-Sprecherin bestätigte, dass die DB eine positive Bilanz gezogen hat. Nach Angaben von DB-Vorstand Personenfernverkehr Michael Peterson hat das Angebot mehr als eine Million Reisende erreicht. Die Tickets sollen mindestens bis Ende Dezember 2026 erhältlich sein.

Der Haken steckt – wie so oft – in den Kontingenten. Die günstigsten Plätze sind begrenzt, der Tarif gilt nur nach Verfügbarkeit, und nicht jede Verbindung kostet 6,99 Euro. Angeboten werden Inlandsverbindungen mit ICE, IC und EC; Nahverkehr kann je nach Verbindung zubuchbar sein. Ziel der Aktion ist vor allem, kurzfristig freie Plätze in Fernverkehrszügen besser auszulasten.

Früher wurden Fahrkarten durch das klassische Yield-Management in der Regel teurer, je näher der Reisetermin rückte. Gleichzeitig rollten viele Züge mit freien Plätzen durch Deutschland. Der „Super Sparpreis Last Minute“ dreht dieses Prinzip zumindest für einen Teil der verfügbaren Plätze um.

So funktioniert die Buchung

Am Samstag oder Sonntag werden auf bahn.de oder in der App DB Navigator Start, Ziel und ein Reisetag der folgenden Woche eingegeben. In den Suchergebnissen sind passende Verbindungen mit einem Kronen-Symbol und dem Hinweis „Aktion“ gekennzeichnet. Verbindung auswählen, Ticket kaufen und digital speichern – ein Ausdruck ist nicht erforderlich.

Auch Online-Vertriebspartner der DB können die Fahrkarten anbieten; erkennbar sind sie ebenfalls an einer „Aktion“-Krone. Ein Kauf im DB-Reisezentrum ist dagegen nicht möglich. Das Ticket hat Zugbindung: Wer den gebuchten Zug verpasst oder auf eine frühere beziehungsweise spätere Verbindung wechseln möchte, braucht ohne Kulanz einen neuen Fahrschein.

Umtausch und reguläre Stornierung sind ausgeschlossen. Möglich ist lediglich eine kostenlose Sofortstornierung innerhalb von drei Stunden nach der Buchung – vorausgesetzt, der erste Geltungstag hat noch nicht begonnen. Die Stornierung läuft über bahn.de oder den DB Navigator, der volle Betrag wird erstattet.

Wer gern am Fenster sitzt, muss dafür extra zahlen: Eine Sitzplatzreservierung ist nicht inklusive und kann ab 5,50 Euro separat gebucht werden. Auch der Zugang zur DB Lounge gehört nicht zu diesem Ticket.

Familien kommen unter Umständen erstaunlich günstig weg

Kinder bis einschließlich fünf Jahre fahren kostenlos und müssen bei der Buchung nicht angegeben werden. Kinder von sechs bis 14 Jahren reisen ebenfalls gratis, wenn sie von einer Person ab 15 Jahren begleitet werden und bei der Buchung eingetragen sind. Pro Fahrkarte können bis zu vier begleitete Kinder mitgenommen werden.

Nicht begleitete Kinder von sechs bis 14 Jahren erhalten 50 Prozent Rabatt auf den Erwachsenenpreis. Für eine Familie mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern unter 14 Jahren kann der theoretische Gesamtpreis bei 13,98 Euro liegen – allerdings nur, wenn die 6,99-Euro-Kontingente noch verfügbar sind. Das ist der Moment, an dem man besser nicht erst nach dem Frühstück bucht.

Mehr Rabatte wegen schwächerer Auslastung

Die Last-Minute-Aktion steht nicht allein. Die DB plant weitere Rabattangebote, um ICE- und IC-Züge im Fernverkehr besser zu füllen. In den ersten vier Monaten des Jahres lag die Auslastung bei rund 44 Prozent. Das war etwas mehr als im Vorjahreszeitraum, blieb aber unter dem Jahresziel von 50 Prozent. Besonders im April ging die Nachfrage zurück.

Nach Angaben der Bahn verlängerten zahlreiche Baustellen die Fahrzeiten deutlich. Viele potenzielle Fahrgäste wichen deshalb auf andere Verkehrsmittel aus – verständlich, wenn aus einer überschaubaren Strecke plötzlich ein halber Tag unterwegs wird. Als weitere Gründe nennt das Management den Einsatz längerer Züge auf stark frequentierten Strecken und die üblicherweise niedrigere Auslastung in den ersten Monaten des Jahres.

Über anstehende Feiertage sollen zusätzliche Preisnachlässe Reisende in die Züge locken. Ab 15. Juni gibt es 20 Prozent Rabatt auf Flexpreisfahrkarten, wenn sie mehr als 28 Tage vor der Abfahrt gekauft werden. Kurzstreckenfahrkarten für Entfernungen von etwa 100 Kilometern sollen ab Mitte Juni ab 6,99 Euro erhältlich sein, mit BahnCard für 5,24 Euro.

Weitere Angebote richten sich an Reisende unter 27 Jahren, Seniorinnen und Senioren sowie Pendlerinnen und Pendler. BahnCard-50-Inhaber können bis zum 30. September eine weitere Person zu denselben Konditionen mitnehmen: Beide erhalten 50 Prozent Rabatt auf Flexpreise und 25 Prozent auf Sparpreise. Für die Strecke Frankfurt am Main–München nennt die DB eine mögliche Ersparnis von rund 120 Euro.

Bei den Flexpreisen werden außerdem die Ende 2024 geänderten Stornierungsbedingungen wieder zurückgenommen. Ab 15. Juni ist die kostenlose Stornierung erneut bis einen Tag vor dem ersten Geltungstag möglich. Zwischenzeitlich war die gebührenfreie Rückgabe nur bis acht Tage vor Reiseantritt erlaubt gewesen; danach fiel seit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2024 eine Gebühr von zehn Euro an. Die Rückkehr zu den früheren Bedingungen begründet die Bahn mit vielfachen Kundenwünschen. Der Fahrgastverband Pro Bahn hatte die bisherigen Regelungen kritisiert.

Ein Konzern mit langem Gleis

Die Deutsche Bahn AG entstand 1994 durch die Zusammenlegung von Deutscher Bundesbahn und Deutscher Reichsbahn. Heute betreibt sie in Deutschland ein Schienennetz von rund 33.000 Kilometern. Zuständig dafür ist DB InfraGO, ehemals DB Netz.

Organisiert ist die Deutsche Bahn als Aktiengesellschaft, vollständig im Eigentum der Bundesrepublik Deutschland. Über DB Schenker und DB Arriva war beziehungsweise ist der Konzern außerdem international in der Logistik und im Nahverkehr tätig. Der spontane 6,99-Euro-Fahrschein ist also nur ein kleiner Baustein in einem ziemlich weit verzweigten Bahngebäude – und manchmal findet man den günstigsten Einstieg eben am Wochenende auf dem Handy.