Rund 400 Bürgerinnen und Bürger, Betroffene und Politiker haben am Montag am Bahnhof Rhöndorf für einen vollständig barrierefreien Ausbau demonstriert. Ihr Ärger richtet sich gegen die Entscheidung der Deutschen Bahn, die geplante Personenunterführung und zwei Aufzüge vorerst nicht im Rahmen der laufenden Korridorsanierung zu bauen. „Jetzt und nicht irgendwann“ lautet die klare Forderung.

Die Bahn begründet die Verschiebung mit umfangreicheren Arbeiten an der Oberleitung, die bei vertieften Planungen festgestellt worden seien. Diese Arbeiten ließen sich nicht mehr in den bestehenden Bauablauf integrieren, ohne die für Dezember 2026 geplante Wiederinbetriebnahme der rechten Rheinstrecke zwischen Troisdorf und Wiesbaden zu gefährden. Ein verbindlicher Zeitraum für den späteren Bau der Unterführung und der Aufzüge steht bislang nicht fest.

Protest mit langer Vorgeschichte

Organisiert wurde die Demonstration vom Rhöndorfer Ratsvertreter Peter Profittlich gemeinsam mit Susanne Langguth und weiteren Bürgerinnen und Bürgern. Unterstützt wurde die Aktion vom Bürger- und Ortsverein Rhöndorf. Der Protest kommt nicht aus dem Nichts: Bereits vor 16 Jahren wurde für einen barrierefreien Bahnhof demonstriert. Der Petitionsausschuss des nordrhein-westfälischen Landtags hatte die Deutsche Bahn damals aufgefordert, bis 2018 einen behindertengerechten Zugang zu den Gleisen zu schaffen.

Auch Geld war zuletzt vorgesehen. 2025 erhielt DB InfraGO im Zusammenhang mit der Streckenmodernisierung einen Förderbescheid des Landes über 16,5 Millionen Euro. Darin war auch die Barrierefreiheit des Bahnhofs vorgesehen. Peter Profittlich forderte deshalb die vollständige Umsetzung des Ausbaus und Unterstützung durch Landes- und Bundespolitik.

Nach Angaben der Deutschen Bahn können die neue Personenunterführung und die beiden Aufzüge zum Mittelbahnsteig an den Gleisen 2 und 3 zunächst nicht gebaut werden. Die übrigen Modernisierungsarbeiten sollen dagegen planmäßig weiterlaufen: Beide Bahnsteige werden erneuert, Bahnsteig 1 erhält eine neue Rampe und soll ab Dezember stufenfrei zugänglich sein. Außerdem werden Reisendeninformation, Bahnsteigausstattung, Beleuchtung und Wegeleitung modernisiert.

„Für alle Menschen selbstständig nutzbar“

Bürgermeister Philipp Herzog erklärte, er könne die Enttäuschung nachvollziehen und sei selbst verärgert. Öffentliche Verkehrsmittel müssten für alle Menschen selbstständig nutzbar sein – für Rollstuhlfahrer, Menschen mit Rollator und Eltern mit Kinderwagen. Besonders verwies Herzog auf die Schülerinnen und Schüler des Nell-Breuning-Berufskollegs sowie auf die Bewohnerinnen und Bewohner des Hauses Rheinfrieden.

Die Stadt Bad Honnef will den weiteren Prozess eng begleiten und fordert von der Bahn schnell eine verlässliche Perspektive. Auch der Grünen-Verkehrspolitiker Martin Metz unterstützt die Forderung. Das NRW-Verkehrsministerium habe sich erneut an die Deutsche Bahn gewandt. Die DB InfraGO will die Öffentlichkeit informieren, sobald ein neuer Zeitplan vorliegt.

Der Landtagsabgeordnete Jonathan Grunwald kritisierte, dass ein ursprünglich vollständig barrierefreier Ausbau trotz öffentlicher Förderung nun nicht wie geplant umgesetzt werde. Nach seiner Darstellung soll zunächst nur der Bahnsteig in Richtung Köln barrierefrei erreichbar sein, während der Bahnsteig Richtung Koblenz barrierefrei bliebe – beziehungsweise gerade nicht barrierefrei erreichbar wäre. Eine Nachholung der fehlenden Arbeiten sei möglicherweise erst in fünf oder sechs Jahren möglich. Grunwald kündigte an, sich dafür einzusetzen, dass die vorgesehenen Fördermittel weiterhin für den barrierefreien Ausbau verwendet werden.

Eine Schülerin des Nell-Breuning-Berufskollegs schilderte, viele Schülerinnen und Schüler seien auf einen barrierefreien Bahnhof angewiesen. Einige könnten wegen der fehlenden Barrierefreiheit nicht selbstständig nach Köln fahren. Auch Eltern mit Kinderwagen sowie Menschen mit Rollstuhl oder Rollator seien von den Einschränkungen betroffen.

David Weber sprach für das Haus Rheinfrieden und das Nell-Breuning-Berufskolleg. Barrierefreiheit sei eine notwendige Voraussetzung für selbstständige Mobilität und Inklusion. Betroffene dürften nicht auf Umwege oder Sonderlösungen angewiesen sein.

Ältere Menschen und fehlende Antworten

Claudia Solzbacher vom Fachbeirat „Menschen im Alter“ verwies auf den hohen Anteil älterer Menschen in Bad Honnef. Sie forderte, die Entscheidung zu überprüfen und den Bahnhof vollständig barrierefrei auszubauen. Selbstständiges Bahnfahren sei für ältere Menschen und ihre Angehörigen wichtig, damit soziale Kontakte und gesellschaftliche Teilhabe erhalten bleiben.

Frau Holpert vom Fachbeirat Inklusion der Stadt Bad Honnef teilte mit, dass der Beirat DB InfraGO nach Bekanntwerden der Pläne angeschrieben habe – bislang allerdings ohne Antwort. Sie kritisierte, dass beim Bahnhof offenbar der Zeitplan Vorrang vor der Barrierefreiheit habe. Als mögliche Alternative zu Aufzügen regte sie an, auch den Bau von Rampen zu prüfen.

Die Demonstrierenden verlangen eine verbindliche Lösung und die Umsetzung der Personenunterführung sowie der Aufzüge noch während der laufenden Streckensanierung. Bis eine verbindliche Planung vorliegt, bleibt offen, wann der Bahnhof vollständig selbstständig nutzbar sein wird.

Neuer Mobilitätsknoten gewinnt an Bedeutung

Für Bad Honnef gewinnt vor diesem Hintergrund der geplante vollständig barrierefreie Haltepunkt am Mobilitätsknotenpunkt bei der Endhaltestelle zusätzlich an Bedeutung. Die Stadt erwartet dort einen modernen, barrierefreien Zugang, der den öffentlichen Nahverkehr attraktiver machen und insbesondere Menschen mit Mobilitätseinschränkungen zugutekommen soll.

Am Bahnhof Rhöndorf geht derweil der Teil der Arbeiten weiter, der bereits eingeplant ist. Eine Rampe soll Bahnsteig 1 stufenfrei erreichbar machen, während die entscheidende Verbindung zu den Gleisen 2 und 3 vertagt bleibt. Der Zugverkehr soll im Dezember 2026 wieder aufgenommen werden – wann die Unterführung und die Aufzüge folgen, ist am 12. Oktober 2026 weiterhin offen.