Bahnstrecke Bergedorf–Geesthacht: AKN startet Vorplanung für die Reaktivierung
Zwischen Hamburg-Bergedorf und Geesthacht soll wieder die Bahn fahren. Hamburg und Schleswig-Holstein planen, die 14 Kilometer lange Strecke zu reaktivieren. Dafür haben die beiden Landesregierungen das Eisenbahnverkehrs- und Infrastrukturunternehmen AKN mit der Vorplanung beauftragt. Grundlage ist eine positive Machbarkeitsstudie.
Die Rechnung für die Planung wird nach Streckenanteilen geteilt: Schleswig-Holstein übernimmt 59,5 Prozent, Hamburg 40,5 Prozent. Erst wenn die Vorplanung abgeschlossen ist, soll entschieden werden, ob es bis zur eigentlichen Bauplanung weitergeht. Einen möglichen Fertigstellungstermin gibt es bislang nicht.
Politischer Rückenwind – und ein alter Streit
Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) erklärte, beide Länder wollten die Verbindung schaffen. Vorgesehen ist die Reaktivierung außerdem im im Juli vorgelegten Landesweiten Nahverkehrsplan Schleswig-Holsteins für 2027 bis 2031.
Schleswig-Holsteins SPD-Chef Ulf Kämpfer begrüßte die Einigung zur Strecke Geesthacht–Bergedorf. Gleichzeitig kritisierte er, dass beim Ausbau der Bahnstrecke Pinneberg–Elmshorn offenbar kein Fortschritt erzielt worden sei. Der Engpass betrifft nach Kämpfers Angaben den Bahnverkehr von der Westküste sowie Verbindungen aus Richtung Kiel und Flensburg.
Auch FDP-Verkehrsexperte Bernd Buchholz sparte nicht mit Kritik. Die Landesregierungen hätten beim Ausbau Pinneberg–Elmshorn eine Chance vertan. Statt sich auf die Reaktivierung Bergedorf–Geesthacht zu verständigen, hätten sie nach seiner Ansicht eine Ausbauvariante zwischen Pinneberg und Elmshorn wählen sollen. Dort herrsche seit fünf Jahren Stillstand.
Ein Baustein im neuen Nahverkehrsplan
Der neue Landesweite Nahverkehrsplan, kurz LNVP, gilt für Schleswig-Holstein von 2027 bis 2031. Das Kabinett befasste sich am 7. Juli 2026 mit dem Plan; Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen und NAH.SH-Geschäftsführer Dr. Arne Beck stellten ihn am 10. Juli öffentlich vor. Mehr Nachfrage im Schienenpersonennahverkehr, ein zuverlässigeres Gesamtsystem, mehr Barrierefreiheit und ein besseres Nutzungserlebnis stehen auf der Liste.
Für mehr Platz sollen auf den Linien RB61 Hamburg–Itzehoe und RB71 Hamburg–Wrist Doppelstockzüge fahren. Auf der Linie RE1 Büchen–Hamburg sind längere Züge vorgesehen. In den Akkuzugnetzen, besonders auf RE72 Kiel–Flensburg, RE74 Kiel–Husum und RB84 Kiel–Lübeck, sollen zusätzliche Fahrzeuge und längere Züge eingesetzt werden. Zwischen Kiel und Hamburg werden Bahnsteige verlängert, damit bei Baustellen zwischen Neumünster und Hamburg Züge mit drei Einheiten fahren können.
Mehr Zuverlässigkeit soll der Ausbau der Strecke Neumünster–Bad Segeberg–Bad Oldesloe bringen. Geplant sind die Elektrifizierung, ein überwiegender Ausbau für bis zu 160 km/h und teilweise ein zweites Gleis. Die Strecke soll als Umleitungsstrecke zwischen Neumünster und Hamburg dienen. Dazu kommt die neue Linie RE78 Kiel–Neumünster–Bad Segeberg–Bad Oldesloe–Hamburg, die stündlich zusätzlich zwischen Kiel und Hamburg fahren soll. Schnelle Direktverbindungen Kiel–Bad Segeberg, Bad Segeberg–Hamburg und Bad Oldesloe–Kiel wären die Folge. Bei Störungen zwischen Hamburg und Kiel könnten weitere Züge über die Umleitungsstrecke rollen.
Viele Projekte rund um Hamburg
Im Hamburger Ballungsraum nennt der Plan außerdem die Fertigstellung der S-Bahn-Linie 5 als Direktverbindung Hamburg–Quickborn–Henstedt-Ulzburg–Kaltenkirchen. Die S-Bahn-Linie 4 Ost soll über Ahrensburg und Bargteheide nach Bad Oldesloe weitergebaut werden. In Ahrensburg West ist eine neue S-Bahn-Station mit Umstieg zur U-Bahn vorgesehen.
Der Knoten Elmshorn und die Strecke Elmshorn–Pinneberg sollen mit zwei zusätzlichen Gleisen ausgebaut werden. Geplant sind zudem die neuen Stationen Elmshorn Süd und Pinneberg Nord. In derselben Liste steht die Reaktivierung der Bahnstrecke Hamburg-Bergedorf–Geesthacht – jetzt also mit einem konkreten Auftrag für die Vorplanung.
An der Westküste soll es weitere Verbesserungen an Infrastruktur und Bahnangebot der Marschbahn geben. Nachdem die Strecken nach Büsum und Bad St. Peter-Ording durch Akkuzüge und Oberleitungsinselanlagen elektrifiziert wurden, soll nun die Marschbahn folgen. Vorher sollen im Raum Niebüll neue Stellwerke in Betrieb gehen. Außerdem ist der zweigleisige Ausbau zwischen Niebüll und Westerland geplant; beide Vorhaben sind Bundesprojekte.
Nach Abschluss der Elektrifizierung sollen die Linien RB61 und RB62 verbunden werden. Wrist, Burg (Dithmarschen), St. Michaelisdonn und Meldorf bekämen dadurch regelmäßige Direktverbindungen nach Hamburg, weitere Stationen sollen hinzukommen.
Regio-S-Bahn, Fehmarnbelt und neue Knoten
Für die Umlandverbindungen von Kiel und Lübeck werden die geplanten S-Bahn-Systeme als Regio-S-Bahn weiter konkretisiert. In Kiel sollen die Reaktivierung der Strecke Kiel–Schönberger Strand und ein neuer Pendelzug nach Preetz bis Ende 2027 Verbesserungen bringen.
Nach der Inbetriebnahme der Schienenanbindung der Festen Fehmarnbeltquerung, der FBQ, sind halbstündliche Direktverbindungen unter anderem zwischen Neustadt, Sierksdorf oder Bad Schwartau und Hamburg vorgesehen. Flensburg soll einen neu gestalteten Bahnknoten bekommen: mit einem Innenstadtbahnhof an der Hafenspitze, einem neuen Bahnhof in Flensburg-Weiche für Fern- und Regionalverkehr sowie weiteren Haltepunkten.
Schon vorher könnte Flensburg durch die geplante Flügelung des RE74 Kiel–Husum/Flensburg in Jübek eine zusätzliche stündliche Verbindung nach Kiel erhalten. Der Plan ist umfangreich – und an manchen Stellen liest er sich wie eine Einkaufsliste für ein sehr großes Bahnregal.
Der LNVP 2022–2026 sollte unter anderem die Folgen der Corona-Pandemie bewältigen und die Fahrgastnachfrage bis 2030 gegenüber 2019 um 20 Prozent steigern. Zwischen 2019 und 2025 stieg die Nachfrage bereits um fast 20 Prozent. Inzwischen sind 95 Prozent der Bahnstationen barrierefrei ausgebaut, unter anderem durch ein Programm von Land, NAH.SH und DB InfraGO.
55 Akkuzüge sind auf 40 Prozent der Bahnstrecken Schleswig-Holsteins im Einsatz. Das spart dem Land jährlich rund 10 Millionen Liter Diesel und 26.000 Tonnen CO₂. Weitere Akkuzüge sind geplant. Seit 2022 fahren alle Elektrozüge mit Ökostrom. Der Umstieg auf klimaneutraleren Elektrobetrieb soll mit der S-Bahn-Linie 5 nach Kaltenkirchen, der Umstellung des restlichen AKN-Netzes auf Akkuzüge, der Elektrifizierung der Marschbahn und der Elektrifizierung der Strecke Niebüll–Dagebüll weitergehen. Mit der Fertigstellung der FBQ-Schienenanbindung soll Schleswig-Holstein perspektivisch vollständig elektrifiziert sein.
Am Verfahren zum neuen Plan konnten sich viele beteiligen. Es begann im September 2025 mit einem ersten LNVP-Entwurf. Regionale Akteure aus Politik und Verwaltung, Fachpersonen sowie Bürgerinnen und Bürger waren eingebunden. Nach einem gemeinsamen Impulsforum konnten im Februar 2026 Stellungnahmen eingereicht werden. Land und NAH.SH prüften, bewerteten und beantworteten insgesamt 840 Anmerkungen. Viele Hinweise wurden in den Plan aufgenommen, Schwerpunkte waren der Ausbau des Knotens Lübeck und der weiteren Strecken nach Hamburg, die Bäderbahn sowie die Regio-S-Bahn Lübeck.
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