Wer heute, am 29. September 2026, mit der Bahn zwischen Berlin und Hannover unterwegs ist, braucht Geduld. Die Deutsche Bahn sperrt die Strecke wegen umfangreicher Sanierungsarbeiten für den Fernverkehr. Fernzüge werden über Braunschweig und Magdeburg umgeleitet; nach Angaben der Bahn verlängert sich die Fahrzeit um rund 80 Minuten.

Betroffen sind auch ICE-Verbindungen zwischen Berlin und Nordrhein-Westfalen. Im Regionalverkehr fallen mehrere Linien zeitweise aus oder fahren auf geänderten Strecken. Wo Züge nicht mehr durchkommen, setzt die Bahn Ersatzbusse ein – für Reisende heißt das: mehr Umsteigen, mehr Planen und im Zweifel ein ziemlich langer Tag.

Mehrere Bauphasen bis Dezember 2027

Die Sanierung der 221 Kilometer langen Strecke zwischen Berlin und Hannover beziehungsweise Lehrte bei Hannover läuft von Oktober 2026 bis Dezember 2027. Der Abschnitt Berlin-Spandau–Fallersleben bei Wolfsburg wird von Oktober bis Dezember 2026 sowie erneut von Oktober bis Dezember 2027 vollständig gesperrt. In diesen Zeiträumen werden Fernzüge zwischen Berlin und Hannover umgeleitet und halten abwechselnd in Braunschweig oder Magdeburg. Die Fahrzeit wächst dadurch je nach Verbindung um 60 bis 80 Minuten.

Auch internationale Reisende müssen sich umstellen: Züge zwischen Amsterdam und Berlin fahren über Hamburg. Dafür kommen etwa 70 Minuten zusätzliche Fahrzeit hinzu. Von Dezember 2026 bis Oktober 2027 fahren Fernzüge in Richtung Hannover über Wolfsburg; in Richtung Berlin geht es abwechselnd über Magdeburg oder Braunschweig.

Eine weitere vollständige Sperrung ist zwischen Februar und Juli 2027 zwischen Lehrte und Fallersleben geplant. Das Ersatzverkehrskonzept für die vollständige Sperrung Ende 2027 ist allerdings noch nicht abgeschlossen. Die Fahrpläne für die erste Bauphase bis 12. Dezember 2026 sollen seit Ende Juni im DB Navigator und in den Apps der Verkehrsverbünde abrufbar sein.

Regionalverkehr mit Umleitungen und Bussen

Regionalzüge sollen möglichst bis nahe an den gesperrten Abschnitt fahren. Wo kein Regionalverkehr möglich ist, richtet die Bahn einen umfangreichen Schienenersatzverkehr ein. Von Anfang Oktober bis Mitte Dezember 2026 fallen die Linien RE4 und RB21 abschnittsweise aus oder werden umgeleitet. Nach Ende der ersten Sperrung Mitte Dezember können RB21 und RE4 trotz der fortbestehenden Bauarbeiten wieder fahren.

Zentrale Angebote im Ersatzverkehr sind zwei Expressbuslinien: Stendal–Genthin sowie Stendal–Rathenow–Nauen. Sie sollen Anschlüsse an RE1, RE8 und RE2 bieten; weitere lokale Buslinien kommen hinzu. Die RB34 zwischen Stendal und Rathenow fährt bis Mitte Dezember weiterhin im Ersatzverkehr.

Die RB51 ist von den Bauarbeiten grundsätzlich nicht betroffen. Lediglich mittags kommt es zu einzelnen Fahrplanverschiebungen. Beim RE4 wiederum hängt die Änderung mit der Elektrifizierung der „Lehrter Stammbahn“ zwischen Rathenow und Stendal zusammen: Der Zug wird dorthin umgeleitet und übernimmt anschließend die Fahrten der RB34. Ein kleiner Fahrplanbaustein, der für Pendler trotzdem ordentlich ins Gewicht fallen kann.

Gleise, Weichen und Bahnhöfe werden erneuert

Auf der mehr als 220 Kilometer langen Strecke werden unter anderem Gleise, Weichen und Oberleitungen erneuert. Die Bahn nennt für das Vorhaben mehr als 175 Weichen, 260 Kilometer Gleise und 13 Kilometer Lärmschutzwände. Außerdem sollen 25 Bahnhöfe modernisiert und teilweise barrierefrei ausgebaut werden.

Täglich verkehren auf der Strecke mehr als 400 Züge des Nah- und Fernverkehrs sowie etwa 90 Güterzüge. Damit ist die Verbindung Berlin–Hannover nach Berlin–Hamburg die zweitlängste Bahnstrecke mit umfangreichen Bauarbeiten. Die Arbeiten sollen nach Angaben der Bahn bis Dezember 2027 dauern.

Hinter dem langen Baustellenkalender steckt ein größeres Konzept: Die Bahn saniert schrittweise stark belastete Schienenkorridore. Bis Mitte der 2030er-Jahre sollen rund 40 Strecken grundlegend erneuert werden. Längere Streckensperrungen sollen dabei Modernisierungen ermöglichen, die während des laufenden Betriebs kaum zu schaffen wären. Für die Menschen im Zug bleibt zunächst vor allem der Blick auf den Reiseplan – und die Frage, ob der Ersatzbus schon weg ist.