Baustellen-Aus: Leo Express stellt Zugverbindung über Thüringen nach Prag ein
Für Leo Express ist auf der Schiene zwischen Frankfurt am Main, Thüringen, Tschechien und Polen vorerst Schluss. Der tschechische Bahnanbieter stellt seine Fernverbindung über Eisenach, Gotha, Erfurt, Weimar und Apolda nach Prag und weiter bis Przemyśl bereits am Montag, 5. Oktober 2026, auf unbestimmte Zeit ein. Heute, am 3. Oktober 2026, bleiben damit nur noch zwei Betriebstage.
Die Verbindung war erst Ende Juni gestartet, nach Angaben des Unternehmens also etwas mehr als zwei Monate zuvor. Sie sollte Frankfurt, Tschechien und Przemyśl miteinander verbinden und wurde im September ausdrücklich als Angebot für Reisende aus Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt beworben. Angesprochen wurden unter anderem Menschen, die persönliche Erinnerungen an Reisen nach Tschechien haben und diese Orte nun mit ihren Kindern oder Enkeln besuchen möchten.
Baustellen bringen den Fahrplan ins Wanken
Als Grund nennt Leo Express umfangreiche und anhaltende Bauarbeiten sowie weitere geplante Streckensperrungen im deutschen Schienennetz. Sie beeinträchtigten die Stabilität des Fahrplans und den Zugverkehr erheblich. Täglich wechselnde Fahrpläne, Sperrungen, Umleitungen und zusätzliche Umleitungen seien auf Dauer nicht aufrechterhaltbar, erklärt das Unternehmen. Die Verbindung werde deshalb im Jahr 2026 nicht fortgeführt.
Auch auf polnischen Streckenabschnitten lief nicht alles von Beginn an auf der Schiene: Dort kamen zunächst Ersatzbusse zum Einsatz. Die Züge fuhren von Frankfurt über Eisenach, Gotha, Erfurt, Weimar und Apolda nach Tschechien und Polen. Ob und wann Leo Express die Strecke wieder bedient, ist derzeit unklar. Das Unternehmen verhandelt nach eigenen Angaben mit der Deutschen Bahn über künftige Verbindungen und Fahrplanzeiten.
Fahrgäste, die bereits Tickets für Verbindungen nach dem 5. Oktober gekauft haben, sollen vom Kundenservice beziehungsweise Kundenzentrum kontaktiert werden. Die Entschädigung erfolgt nach geltendem Recht.
Ein Jahr voller Umleitungen
Der Hintergrund ist größer als diese einzelne Verbindung. Die Deutsche Bahn modernisiert bundesweit das Schienennetz. Reisende müssen mit Großbaustellen, Streckensperrungen, Umleitungen, Ausfällen und Fahrplanänderungen rechnen. Bis 2036 sollen mehr als 40 wichtige Teilstrecken für mehrere Monate gesperrt und grundlegend saniert werden. Die Generalsanierung dauert voraussichtlich mindestens fünf Jahre länger als ursprünglich geplant.
Allein 2026 reiht sich eine Baustelle an die nächste: In Dresden wird vom 9. Februar bis 6. November ein Kreuzungsbauwerk am Hauptbahnhof neu gebaut; IC-Züge von und nach Chemnitz werden zwischen Dresden-Neustadt und Freiberg umgeleitet, der Halt Dresden Hauptbahnhof entfällt. In Berlin laufen vom 14. Juni bis 12. Dezember Arbeiten in zwei Phasen. Fernzüge halten dort am Hauptbahnhof nur im unterirdischen Teil, einige ICE-Verbindungen fallen aus. In der ersten Phase fahren mindestens stündliche ICE-Züge Berlin–NRW und Berlin–Frankfurt über Kassel, jeweils ohne Halt am Ostbahnhof. Züge nach Polen bleiben im Zweistundentakt, halten aber in Berlin-Gesundbrunnen statt am Haupt- oder Ostbahnhof.
In der zweiten Berliner Bauphase vom 2. Oktober bis 12. Dezember werden ICE-Züge Berlin–NRW zwischen Hannover und Berlin über Braunschweig umgeleitet; die Fahrzeit verlängert sich um 60–80 Minuten. Berlin-Spandau und Ostbahnhof entfallen als Halte. Direkte Verbindungen Berlin–Frankfurt über Kassel fallen weg, dafür fahren mindestens stündliche ICE-Züge über Erfurt. Die Polen-Verbindungen bleiben im Zweistundentakt und nutzen weiterhin Berlin-Gesundbrunnen.
Zwischen Regensburg, Passau und Wels verkehren vom 14. Juni bis 13. Dezember wegen der Generalsanierung monatelang keine Fernzüge. Passau, Plattling und Straubing entfallen vollständig, Regensburg wird eingeschränkt bedient. Umleitungen führen über Salzburg, Simbach am Inn und Mühldorf. Viele Züge zwischen Nürnberg beziehungsweise Regensburg und Wien fallen aus; direkte Verbindungen über Passau sind nicht möglich. Reservierungspflichtige Ersatzbusse fahren Passau–Nürnberg bis 31. Juli und Passau–Regensburg ab 1. August. Das Angebot München–Wien über Salzburg und Simbach am Inn wird ausgeweitet, ICE/RJ/EC-Züge zwischen München und Nürnberg beziehungsweise Wien brauchen bis zu 15 Minuten länger.
Auch die Strecke Köln–Wiesbaden bleibt vom 10. Juli bis 12. Dezember eine Geduldsprobe. Zwischen Troisdorf und Wiesbaden werden Gleise, Weichen, Oberleitungen, Brücken und mehrere Bahnhöfe erneuert. Güterzüge werden unter anderem über die linke Rheinstrecke umgeleitet. Zwischen Köln, Bonn, Koblenz und Mainz fährt nur noch ein ICE je Richtung und Stunde; weitere Fernzüge fallen teilweise aus, Remagen und Andernach werden nur vereinzelt bedient.
Erfurt, Norddeutschland und der Blick nach vorn
Für Thüringen besonders relevant waren die Brückenarbeiten in Erfurt vom 31. Juli bis 30. September. Zwischen Berlin, Erfurt, Nürnberg, Augsburg und München gab es weniger Fernverkehr; auf Berlin–Erfurt–Nürnberg–München fuhren etwa drei Viertel der regulären Züge, drei Züge je Richtung innerhalb von zwei Stunden. Die ICE-Linie 18 verkehrte nur zwischen Hamburg-Altona und Berlin. Büchen, Ludwigslust und Wittenberge wurden ersatzweise alle zwei Stunden von anderen Fernzügen bedient. Zwischen Nürnberg und München fuhren Ersatzzüge mit Halten in Donauwörth, Augsburg und München-Pasing, für Berlin-Reisende konnte ein zusätzlicher Umstieg in Nürnberg nötig werden.
Vom 4. bis 30. September führten Arbeiten an der Leit- und Sicherungstechnik zwischen Magdeburg und Berlin zu Umleitungen und Teilausfällen. Bei mehreren ICE- und IC-Verbindungen entfielen Halte in Brandenburg, Potsdam und Berlin-Wannsee, teilweise auch in Magdeburg, Braunschweig oder Berlin-Charlottenburg. IC-Züge von und nach Norddeich Mole wurden zunächst über Stendal und Berlin-Spandau umgeleitet, die Fahrzeit verlängerte sich um etwa 25 Minuten. Ab 19. beziehungsweise 20. September begannen oder endeten einzelne IC-Züge in Magdeburg. Das ICE-Zugpaar Berlin–Köln wurde überwiegend zwischen Potsdam und Braunschweig umgeleitet.
Auf Hannover–Göttingen sorgten Weichen- und Oberleitungsarbeiten vom 7. bis 26. September für mehrere Ausfälle. Die ICE-Linien 3 und 4 entfielen auf ihrem gesamten Laufweg. Zwischen Hamburg beziehungsweise Hannover und Frankfurt oder München blieben mindestens stündliche Verbindungen bestehen, auf Kassel–Gießen–Frankfurt fuhren aber nur einzelne Fernzüge. Die ICE-Linie 26 verkehrte nur zwischen Bremen und Hannover; dadurch entfielen unter anderem die Halte Göttingen, Kassel-Wilhelmshöhe, Marburg, Gießen, Frankfurt, Darmstadt, Heidelberg und Karlsruhe.
Vom 11. September bis 2. Oktober führten Gleis- und Brückenarbeiten zwischen Stralsund und Berlin zu Einschränkungen. Die ICE-Linie 15 wurde vom 14.–19. September zwischen Stralsund und Berlin umgeleitet; Eberswalde, Prenzlau, Anklam, Züssow und Greifswald entfielen als Halte, Ersatzhalt war Neustrelitz. Auch am 11. September sowie vom 20. September bis 2. Oktober wurden einzelne ICE-Züge umgeleitet. Greifswald erhielt insgesamt ein reduziertes Zugangebot.
Zwischen Jena und Gera entfielen vom 21. September bis 12. Dezember wegen Arbeiten an den Bahnsteigen die IC-Züge der Linie 51 Köln–Gera auf dem gesamten Laufweg. Die ICE-Züge der Linie 51 Köln–Leipzig verkehrten dagegen weiterhin ohne Einschränkungen.
Seit dem 2. Oktober bis zum 12. Dezember wird außerdem zwischen Hannover und Berlin an Gleisen, Oberleitungen sowie Leit- und Sicherungstechnik gearbeitet. In Wolfsburg entfallen alle Fernverkehrshalte. Auch Stendal, Helmstedt, Hildesheim, Köthen, Bremen und Berlin Ostbahnhof sind teilweise deutlich eingeschränkt. ICE-Züge zwischen NRW, Hannover und Berlin fahren mindestens stündlich, benötigen aber 60–80 Minuten länger. Zwischen Amsterdam und Berlin verkehren ICE-Züge alle vier Stunden, die Fahrzeit verlängert sich um etwa 70 Minuten. Ersatzhalte gibt es unter anderem in Braunschweig, Magdeburg, Potsdam, Wittenberge und Ludwigslust. Direkte ICE-Züge Frankfurt–Kass
