Wer dieser Tage in Südbaden mit der Bahn unterwegs ist, braucht Geduld – und manchmal einen ziemlich guten Plan. Die Schwarzwaldbahn ist ab Anfang Oktober etwa sechs Wochen lang zwischen Villingen und Donaueschingen unterbrochen. Für die Verbindung zwischen Konstanz und Karlsruhe bedeutet das: keine durchgehende Zugfahrt, längere Reisezeiten und ein eingerichteter Busersatzverkehr.

Parallel dazu wird auch die Gäubahn eingeschränkt. Von Montag, 12. Oktober, bis Freitag, 30. Oktober, fahren die IC-Züge nicht bis zum Stuttgarter Hauptbahnhof, sondern enden in Stuttgart-Vaihingen. Von dort geht es mit der S-Bahn weiter. Wer pünktlich ankommt und ohne Haken umsteigt, verliert ungefähr zehn Minuten – mindestens. Für eine Weiterfahrt mit dem ICE müssen Reisende in Stuttgart erneut von den S-Bahn-Gleisen zum Fernverkehr wechseln. Einzelne IC-Verbindungen, überwiegend am Abend, fahren weiterhin direkt von Singen nach Stuttgart.

Busse statt Züge auf mehreren Strecken

Betroffen sind außerdem der RE14a zwischen Rottweil und Stuttgart sowie der RE14b zwischen Freudenstadt und Stuttgart. Beide Linien beginnen und enden während der Sperrung in Stuttgart-Vaihingen. Die Deutsche Bahn nennt Arbeiten am neuen Digitalen Knoten Stuttgart im Rahmen von Stuttgart 21 und zusätzliche Instandhaltungsarbeiten als Gründe. Dass sich die Sperrungen mit der Unterbrechung der Schwarzwaldbahn überschneiden, macht die Sache für Fahrgäste nicht gerade leichter.

Auf der Gäubahn war die Lage bereits zuvor angespannt: Ab dem Abend des 19. September 2025 ist die Strecke zwischen Oberndorf und Rottweil wegen Brückenarbeiten gesperrt. Betroffen sind der Regionalexpress zwischen Stuttgart und Konstanz sowie der Intercity von Stuttgart über Singen nach Zürich. Als Ersatz fahren Busse. Ein Bahnsprecher bedauerte die parallele Sperrung und sagte, die Einschränkungen für Fahrgäste seien bekannt.

Auch auf der Schwarzwaldbahn rollten schon seit dem Wochenende vor dem 19. September keine Züge zwischen Villingen und Donaueschingen; bis Mitte Oktober war dort kein Zugverkehr vorgesehen. Grund waren der Neubau eines Bahnübergangs in Villingen und weitere Instandhaltungsarbeiten. Der Busersatzverkehr ist eingerichtet, die Fahrzeit verlängert sich. Gerade auf einer Strecke, bei der man sonst irgendwann einfach aus dem Fenster schaut und den Schwarzwald vorbeiziehen lässt, fühlt sich das Umsteigen mit Gepäck schnell zäh an.

Das schwierige Wochenende im Oktober

Am umfangreichsten werden die Einschränkungen von Freitag, 23. Oktober, bis Sonntag, 25. Oktober. Dann sind neben Gäubahn und Schwarzwaldbahn auch die Seehas-Züge unterbrochen. Der Seehas fährt in dieser Zeit nur zwischen Radolfzell und Konstanz.

Wer aus Konstanz etwa nach Berlin oder Hamburg möchte, muss mindestens dreimal, meist sogar noch häufiger umsteigen. Koffer, knappe Anschlüsse, volle Busse – da kommt einiges zusammen. Die Wege zwischen Bahnsteigen und Ersatzhaltestellen können dabei gefühlt länger werden als die eigentliche Strecke auf dem Papier.

Weitere Baustellen im Bahnland Baden-Württemberg

Die Unterbrechungen im Raum Villingen, Donaueschingen, Rottweil und Stuttgart stehen nicht allein. Im Bahnverkehr Baden-Württembergs führen größere Bauarbeiten im Jahr 2026 zu Schienenersatzverkehr, Verspätungen, Umleitungen und Zugausfällen.

Auf der Hochrheinbahn Basel–Erzingen laufen bis Ende 2027 Arbeiten zur Elektrifizierung der rund 75 Kilometer langen Strecke. Der Abschnitt zwischen Rheinfelden und Erzingen soll ab 26. April 2026 gesperrt werden. Waldshut–Erzingen soll im Frühjahr 2027 wieder freigegeben werden, Rheinfelden–Waldshut im Sommer 2027. Die Ausbaukosten wurden bisher mit 434 Millionen Euro veranschlagt.

Auf der Südbahn Friedrichshafen–Ravensburg wird die Strecke wegen der Erneuerung von drei Brücken vom 6. März abends bis 8. Juni 2026 zum Betriebsbeginn gesperrt. Währenddessen sind zusätzlich weitere Instandhaltungsarbeiten geplant.

Im Raum Stuttgart geht der Umbau des Bahnknotens weiter. Im Rahmen von Stuttgart 21 wird der Knoten digitalisiert; Fern-, Regional- und S-Bahn-Züge sollen künftig ausschließlich mit dem digitalen Zugsicherungssystem ETCS fahren. Neue klassische Lichtsignale werden nicht installiert. Zugleich wird die Modernisierung der S-Bahn-Stammstrecke zwischen Stuttgart Hauptbahnhof (tief) und Stuttgart-Vaihingen fortgesetzt.

Vom 20. Juli bis 11. September 2026 soll die Stammstrecke während der Sommerferien wegen Arbeiten an der Leit- und Sicherungstechnik gesperrt werden. Weitere Einschränkungen sind in Stuttgart-Bad Cannstatt, Stuttgart-Untertürkheim und auf den Fildern vorgesehen. Zwischen Ende Februar und Ende März 2026 kommt es zwischen Bad Cannstatt und Fellbach sowie zwischen Untertürkheim und weiteren Streckenabschnitten teilweise zu Fahrplanänderungen im S-Bahn-, Regional- und Fernverkehr. Weitere Arbeiten sind über Ostern im April sowie von Anfang Juni bis Anfang Juli 2026 geplant.

Zwischen Stuttgart-Rohr und Goldberg finden von Mitte Januar bis Ende Februar 2026 an sechs Wochenenden Arbeiten am Digitalen Knoten Stuttgart statt. Weitere Kabeltiefbauarbeiten auf den Fildern sind voraussichtlich im April sowie im Oktober und November 2026 vorgesehen. Das klingt nach vielen einzelnen Terminen – und genau so fühlt es sich für Pendler auch an: Kaum ist eine Baustelle aus dem Kalender verschwunden, taucht die nächste auf.

Auch Ulm bleibt nicht verschont. Wegen der Inbetriebnahme eines neuen elektronischen Stellwerks wird der Ulmer Hauptbahnhof vom 13. Januar 2026, 0 Uhr, bis 19. Januar 2026, 4 Uhr, nicht von Fernverkehrszügen angefahren. Eingeschränkter Regionalverkehr bleibt möglich. Weitere Sperrungen sollen angekündigt werden. Mehrere kürzere Sperrphasen konnten durch eine Optimierung des Stellwerkslayouts und der Inbetriebnahmeabläufe ermöglicht werden.

Auf der Brenzbahn Aalen–Heidenheim–Langenau–Ulm, einer wichtigen Verkehrsachse in Ostwürttemberg, wird in den Sommerferien 2026 die Eisenbahnbrücke bei Heidenheim erneuert. Dafür wird der Abschnitt zwischen Heidenheim und Herbrechtingen gesperrt. Die eingleisige, bislang nicht elektrifizierte Strecke soll langfristig elektrifiziert und ausgebaut werden.

Bis dahin heißt es auf vielen Wegen: Abfahrtszeiten prüfen, Umstiege nicht zu knapp planen und im Zweifel ein bisschen früher losfahren. Gerade wenn der Ersatzbus schon mit laufendem Motor wartet und am Bahnsteig mehrere Menschen gleichzeitig ihre Verbindung suchen, ist ein zusätzlicher Zeitpuffer kein Luxus.