Wer heute, am 13. Oktober 2026, in Niedersachsen in den Zug steigt, sollte den Kalender gut im Blick behalten. Die Deutsche Bahn stellt ihren Fahrplan am 13. Dezember 2026 um – und die Baustellen fahren gewissermaßen mit. Vor allem die Strecke Hannover–Berlin wird zum Geduldsspiel: Die Sanierung beginnt bereits am 2. Oktober 2026 und läuft bis Ende 2027, während der neue Fahrplan ab dem 13. Dezember gilt.

Für Reisende aus Niedersachsen verlängert sich die Fahrt zwischen Hannover und Berlin wegen der Umleitung über Magdeburg um bis zu 80 Minuten. In Braunschweig fallen die zweistündlichen Direktverbindungen nach Berlin und zurück weg. Zwischen Hannover, Osnabrück, Bad Bentheim und Amsterdam verkehren künftig nur noch zwei statt sieben ICE täglich. Bis zu vier weitere ICE je Richtung auf der Verbindung Berlin–Amsterdam über Bad Bentheim, Osnabrück Altstadt, Bremen und Hamburg brauchen etwa 60 Minuten länger.

Hannover–Berlin: ein Korridor unter der Baustellenlupe

Die Arbeiten sind umfangreich: Erneuert werden rund 216 Kilometer Gleise, dazu kommen der Austausch von Schwellen, Schotter und 149 Weichen. Geplant sind außerdem die Sanierung der festen Fahrbahn, die abschnittsweise Elektrifizierung der Lehrter Stammbahn, die Korridorsanierung zwischen Lehrte und Berlin sowie Arbeiten an Leit- und Sicherheitstechnik, Oberleitungen und Bahnhöfen.

Zwischen dem 13. Dezember 2026 und Dezember 2027 dauern die Bauarbeiten zwischen Hannover und Berlin. In Helmstedt entfallen 2027 sämtliche IC-Halte. Auch Stendal verliert im gesamten Jahr 2027 seine ICE-Halte, bleibt aber über IC-Verbindungen an das Fernverkehrsnetz angebunden. Ob Fernverkehrszüge künftig in Wolfsburg und Stendal halten können, prüft die Deutsche Bahn noch; Fahrplanänderungen sind deshalb möglich.

Schon vom 2. Oktober bis 12. Dezember 2026 halten in Wolfsburg keine Fernverkehrszüge. In Stendal und Helmstedt bleibt das Angebot stark eingeschränkt. Umleitungen, längere Fahrzeiten sowie Zug- und Haltausfälle sind in diesem Zeitraum eingeplant.

Die ICE-Linie 9 von Bonn über Köln nach Berlin fällt auf dem gesamten Laufweg aus. Betroffen sind unter anderem Bonn Hbf, Köln Hbf, Berlin-Spandau, Berlin Hbf und Berlin Südkreuz. Die ICE-Linie 10 zwischen Köln beziehungsweise Düsseldorf, Hamm, Hannover und Berlin wird zwischen Hannover und Berlin umgeleitet. Wolfsburg, Berlin-Spandau und Berlin Ostbahnhof entfallen als Halte, dafür hält der Zug stündlich in Braunschweig Hbf und zweistündlich in Potsdam Hbf. Die Fahrt Hannover–Berlin dauert 60 bis 70 Minuten länger, außerdem ändern sich die Fahrplanzeiten in Berlin.

Von der ICE-Linie 14 Aachen–Köln–Dortmund–Hannover–Berlin bleiben nur zwei Zugpaare über Münster zwischen Köln und Hannover übrig. Die Abschnitte Aachen–Köln und Hannover–Berlin entfallen, damit fallen zahlreiche Halte weg – unter anderem in Aachen, Dortmund, Bielefeld, an hannovernahen Bahnhöfen sowie in Berlin-Spandau, Berlin Hbf und Berlin Ostbahnhof.

Die ICE-Linie 16 Berlin–Hannover–Bremen fällt auf dem gesamten Laufweg aus. Berlin Südkreuz, Berlin Hbf, Berlin-Spandau, Hannover Hbf und Bremen Hbf sind damit unter anderem betroffen. Die ICE-Linie 19 über Bonn, Köln, Wuppertal, Bielefeld, Hannover und Berlin wird ebenfalls zwischen Hannover und Berlin umgeleitet. Berlin-Spandau und Berlin Ostbahnhof entfallen, in Magdeburg Hbf kommt ein zusätzlicher Halt hinzu. Die Fahrzeit wächst um rund 80 Minuten, Berliner Ankunfts- und Abfahrtszeiten ändern sich.

Auch Amsterdam-Reisende müssen genauer hinschauen. Bei der ICE-Linie 77 werden vier von sechs Verbindungen zwischen Osnabrück und Berlin umgeleitet. Osnabrück Hbf, Bünde und Hannover Hbf entfallen als Halte; zusätzliche Stopps gibt es in Wittenberge beziehungsweise Ludwigslust, Hamburg-Bergedorf, Hamburg-Harburg und Osnabrück Altstadt. Rund 70 Minuten mehr Fahrzeit stehen im Fahrplan. Zwei weitere Zugpaare sowie ein regulär in Hannover startendes oder endendes Zugpaar verkehren nur zwischen Amsterdam und Hannover; bei ihnen entfallen Berlin-Spandau, Berlin Hbf und Berlin Ostbahnhof.

Bei der ICE-Linie 3 Frankfurt–Berlin fallen zwei von drei Zugpaaren vollständig aus. Ein morgendlicher ICE-Sprinter fährt weiterhin nonstop von Berlin nach Frankfurt, Abfahrt Berlin Hbf um 8:01 Uhr. In der Gegenrichtung startet der nachmittägliche ICE-Sprinter nonstop in Frankfurt Hbf um 16:02 Uhr. Die ICE-Linie 12 aus der Schweiz über Mannheim, Frankfurt und Kassel nach Berlin wird zwischen Fulda und Berlin umgeleitet. Kassel-Wilhelmshöhe, Göttingen, Hildesheim, Braunschweig, Wolfsburg, Berlin-Spandau und Berlin Ostbahnhof entfallen; neu hinzu kommen Berlin Südkreuz, Erfurt Hbf und Halle (Saale) Hbf. Diese Fahrt wird sogar 10 bis 20 Minuten kürzer.

Die ICE-Linie 13 aus Karlsruhe beziehungsweise Heidelberg über Frankfurt und Kassel endet während der Einschränkungen in Braunschweig. Wolfsburg, Stendal, Berlin-Spandau, Berlin Hbf und Berlin Ostbahnhof fallen weg. Die IC-Linie 56 von Norddeich über Oldenburg, Bremen, Hannover, Magdeburg und Leipzig fährt nur zwischen Norddeich Mole und Hannover. Braunschweig, Helmstedt, Magdeburg, Köthen, Halle (Saale) und Leipzig werden nicht bedient.

Regionalverkehr und Fernzüge im Norden

Im Regionalverkehr fährt der RE 30 Hannover–Wolfsburg montags bis freitags stündlich von und nach Wolfsburg, am Wochenende nur bis Fallersleben. Zwischen Fallersleben und Wolfsburg übernimmt ein Schienenersatzverkehr. Vom 3. bis 5. Oktober fallen die Fahrten zwischen Wolfsburg und Gifhorn aus, Busse ersetzen die Züge. Verstärkerzüge verkehren ab dem 2. Oktober nur zwischen Hannover und Gifhorn.

Der RE 50 Wolfsburg–Hildesheim fährt nur im Stundentakt. Montag bis Freitag geht es stündlich von und nach Wolfsburg, am Wochenende ebenfalls nur bis Fallersleben, mit Schienenersatzverkehr bis Wolfsburg. RE 60 zwischen Rheine und Braunschweig sowie RE 70 zwischen Minden und Braunschweig fahren ebenfalls nur noch im Stundentakt.

Die IC-Verbindung Norddeich Mole–Hannover–Leipzig bleibt wegen der Auslastung der Umleitungsstrecke ganzjährig auf den Abschnitt zwischen Ostfriesland und Hannover begrenzt. Zwischen Osnabrück und Hannover fahren vom 10. Juli bis 15. Oktober 2027 wegen Bauarbeiten keine ICE.

Es gibt aber auch angenehmere Nachrichten. Zwischen Hamburg beziehungsweise Hannover und München verkehren dreimal täglich ICE-Sprinter je Richtung. Die Fahrzeit beträgt fünf Stunden und 20 Minuten, gehalten wird nur in Hannover und Nürnberg. Wegen der hohen Nachfrage kommt ein neuer Nacht-ICE von Hamburg nach Stuttgart hinzu.

Zwischen Hamburg und Amsterdam fahren täglich vier direkte ICE, die ganzjährig auch in Bremen halten. Nach den Bauarbeiten gilt auf Hamburg–Berlin wieder ein Halbstundentakt mit Fahrzeiten von etwa 1:45 bis 2 Stunden. Ab 16. Oktober 2027 verlängert sich die Strecke wegen Bauarbeiten im Bahnhof Berlin-Spandau allerdings erneut um 35 bis 45 Minuten.

Bei den Sprintern zwischen Flensburg und Frankfurt am Main verschieben sich die Zeiten: In Flensburg geht es künftig um 14:16 Uhr los, in der Gegenrichtung kommt der Zug um 13:25 Uhr an. Die zweistündlichen IC-Verbindungen zwischen Flensburg beziehungsweise Schleswig-Holstein und den dänischen Städten Padborg und Fredericia entfallen. In Büchen halten künftig bis zu fünfmal täglich je Richtung Züge einer Shuttle-Linie zwischen Hamburg und Berlin.

Auf der internationalen Strecke Hamburg–Schleswig–Kopenhagen verkehren ab März 2027 täglich sieben ECE-Zugpaare. Bis zu drei saisonale Zugfahrten je Tag und Richtung halten dabei in Flensburg. Zwischen Dresden, Berlin und Warnemünde fährt wieder ein zweistündlicher Intercity; die Strecke wird fünfmal täglich bedient. Zusätzlich kommt eine tägliche ICE-Verbindung zwischen Rostock und Stuttgart zurück. Morgens gegen 6 Uhr fährt ein neuer ICE von Stralsund nach Hamburg, abends gibt es die Rückfahrt.

Die Insel Rügen ist wegen Umleitungen von Februar bis Mai sowie ab August schlechter erreichbar, die Fahrzeiten verlängern sich. In Greifswald ersetzen IC-Züge ab Dresden den ICE aus Frankfurt am Main.

Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen: Umwege mit neuen Direktzügen

Für Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen bringt der Fahrplanwechsel vor allem baustellenbedingte Verschiebungen. Zwischen Erfurt und Frankfurt wird vom 6. Februar bis 14. Mai sowie ab dem 14. August 2027 gebaut. ICE-Fahrten zwischen den Städten dauern dadurch etwa 45 Minuten länger; betroffen sind auch Verbindungen von Leipzig und Dresden. Die Auswirkungen der größten geplanten Baustellen sind bereits in der Fahrplanauskunft berücksichtigt.

Während der Bauzeiträume halten tagsüber wieder alle zwei Stunden ICE-Züge in Riesa. Außerhalb dieser Zeit bleibt das nur vereinzelt zu Randzeiten möglich. Hintergrund ist die zu kurze Wendezeit der Züge in Dresden für einen möglichst pünktlichen Betrieb.

Baubedingte Sperrungen führen außerdem dazu, dass die ICE-Linie Berlin–Schweiz über Halle und Erfurt umgeleitet wird. Dadurch gibt es 2027 von Halle und Erfurt zweistündliche Direktverbindungen nach Zürich, Chur und Interlaken. Auch Karlsruhe, Baden-Baden und Freiburg sind ohne Umstieg erreichbar. Die zwei täglichen Direktverbindungen von Leipzig und Erfurt nach Wien, die seit dem 7. Februar ausgefallen sind, kehren zurück: Ab dem 19. Dezember sind wieder Direktfahrten in die österreichische Hauptstadt möglich. Ursache für den bisherigen Ausfall war die Sanierung der Strecke Nürnberg–Regensburg–Passau.

Tickets, Ausland und ein günstigerer Familienausflug

Mit dem Fahrplanwechsel gibt es täglich mehr als 320 Zugfahrten von Deutschland ins Ausland oder umgekehrt – 20 mehr als bisher und rund 20 Prozent mehr als vor fünf Jahren. Mehr als 200 Städte in 14 Ländern sind direkt von Deutschland aus erreichbar. Über den DB Navigator lassen sich bereits Tickets für mehr als 10.000 europäische Reiseziele buchen, darunter Verbindungen von ÖBB, Trenitalia und Eurostar. Bis Ende 2026 sollen auch Tickets der niederländischen Bahn NS und der spanischen Bahn IRYO für innerländische Reisen buchbar werden.

Fahrkarten für den neuen Fahrplan sind ab 14. Oktober erhältlich; Tickets für Reisen nach dem Fahrplanwechsel werden damit ab Mittwoch buchbar. Die Preise im Fernverkehr steigen zunächst nicht und bleiben unverändert.

Das Familienticket, das im Sommer getestet wurde, wird dauerhaft angeboten. Bis zu fünf Personen können in der zweiten Klasse deutschlandweit für 99,99 Euro hin- und zurückreisen. Die genauere Ausgestaltung nennt zwei Erwachsene und bis zu drei Kinder; Hin- und Rückfahrt inklusive Sitzplatzreservierungen kosten 99 Euro. Buchungsstart ist der 26. Oktober, erster Reisetag der 1. November. Ein kleiner Zahlendreher zwischen den Angaben, aber die Richtung ist klar: Familien sollen einfacher und billiger gemeinsam loskommen.

Monatskarten ohne Abo im Fernverkehr werden ab dem 21. Oktober um 25 Prozent günstiger, auch für Schülerinnen und Schüler. Das Deutschlandticket wird dagegen 2027 teurer und kostet monatlich 66,80 statt 63 Euro. Auf den Bahnsteigen dürfte der Taschenrechner damit künftig öfter mitreisen.

Quelle: NDR, Kreiszeitung und Mitteldeutsche Zeitung.