NRW bekommt mehr ICEs – doch Baustellen bremsen den neuen Fahrplan aus
Auf Bahnreisende in Nordrhein-Westfalen kommen neue Verbindungen, veränderte Angebote und manche Streckenstreichung zu. Die Deutsche Bahn stellt ihren Fahrplan ab Dezember neu auf. Gültig ist der neue Fahrplan ab dem 13. Dezember 2026; Fahrkarten können ab Mittwoch, 14. Oktober 2026, gebucht werden. Zusätzlich müssen Reisende mit weiteren Baustellen und den daraus resultierenden Beeinträchtigungen rechnen.
Das klingt zunächst nach mehr Auswahl. Und die gibt es tatsächlich: In NRW entstehen neue Inlands- und Auslandsverbindungen. Andere Verbindungen werden geändert, wieder andere vollständig eingestellt. Wer im Dezember losmuss, sollte deshalb nicht einfach die alte Verbindung im Kopf behalten, sondern noch einmal in die Auskunft schauen – gerade im Bahnbau wird aus einem vertrauten Umstieg schnell eine längere Pause auf zugigem Bahnsteig.
Mehr Takt, neue Sprinter und internationale Ziele
Der Fernverkehr ist bereits mit dem Fahrplan 2026 ausgebaut worden. Seit dem 14. Dezember gilt ein erweitertes Angebot; trotz zusätzlicher Baustellen soll das Angebotsvolumen auf dem Rekordniveau des Vorjahres bleiben. 21 Städte sind künftig regelmäßig im 30-Minuten-Takt an den Fernverkehr angebunden – nahezu doppelt so viele wie bisher. Das entsprechende Hochgeschwindigkeitsnetz wächst von 900 auf 2.300 Kilometer. Davon profitieren unter anderem die Verbindungen zwischen Hamburg, Hannover und Kassel sowie zwischen Erfurt, Halle und Berlin.
Auf den schnellen Achsen kommen 14 zusätzliche ICE-Fahrten hinzu. Sie verstärken die Strecken Hamburg–Frankfurt und Berlin–München. Ein neuer Sprinter verbindet Berlin und Stuttgart über Nürnberg in rund 4 Stunden 45 Minuten – mehr als eine Stunde schneller als bisher. Nach dem Fahrplanwechsel wird diese Linie von einer auf drei tägliche Fahrten je Richtung ausgebaut. Deutschlandweit soll es ab Mitte Dezember rund 70 Sprinter-Fahrten täglich auf wichtigen Strecken geben.
Auch zwischen Hamburg und München ist ein Sprinter vorgesehen: drei Verbindungen täglich je Richtung, mit Halten nur in Hannover und Nürnberg. Die Fahrt dauert 5 Stunden 20 Minuten und damit 20 Minuten weniger als bisher. Lüneburg, Göttingen und Fulda werden bei diesen Fahrten nicht angefahren. Für Pendler ist das flott; wer dort einsteigen wollte, schaut hingegen in die Röhre.
International wächst das Angebot ebenfalls. Nach dem Fahrplanwechsel gibt es täglich mehr als 320 internationale Zugfahrten, unter anderem nach Frankreich, Italien und Österreich – 20 mehr als bisher und rund 20 Prozent mehr als vor fünf Jahren. Mehr als 200 Städte in 14 Ländern sollen direkt von Deutschland aus erreichbar sein. Rund 40 neue oder verlängerte grenzüberschreitende Fahrten pro Tag erweitern das Angebot in neun europäische Länder.
Eine neue Eurocity-Linie verbindet Leipzig mit Krakau, Anschlüsse bestehen unter anderem von und nach Frankfurt. Nordrhein-Westfalen bekommt mehr direkte ICE-Verbindungen in die Schweiz, darunter nach Zürich und Chur. Brig wird neu direkt aus Nordrhein-Westfalen sowie in Richtung Berlin angebunden. Ab Mai 2026 fährt außerdem ein durchgehender Zug von Prag über Dresden, Berlin und Hamburg nach Kopenhagen. Je nach Saison sind dadurch bis zu vier zusätzliche Züge täglich zwischen Hamburg und Kopenhagen unterwegs.
Für Hamburg–Kopenhagen ist ab März eine weitere Ausweitung angekündigt: sieben statt fünf Verbindungen täglich, ab 7 Uhr etwa im Zwei-Stunden-Takt. Stuttgart–Paris soll zwölf statt zehn Verbindungen erhalten, Frankfurt–Wien 14 statt zwölf. Im Sommer ist zudem eine neue Direktverbindung München–Mailand–Rom mit Trenitalia und der Österreichischen Bundesbahn geplant. Nach Mailand dauert die Fahrt etwa 6 Stunden 30 Minuten, nach Rom etwa 8 Stunden 30 Minuten.
Ab September 2026 gibt es vier tägliche ICE-Verbindungen zwischen Köln und Antwerpen über den Flughafen Brüssel. Der Flughafen Brüssel erhält damit erstmals Anschluss an das ICE-Netz. Über den DB Navigator sind bereits Tickets für mehr als 10.000 europäische Reiseziele buchbar, darunter Angebote der Österreichischen Bundesbahn, von Trenitalia und Eurostar.
Weniger Flügel, klarere Linien
Die DB will den ICE-Verkehr stärker systematisieren. Start- und Zielbahnhöfe, Zwischenhalte und Taktfolgen werden auf wichtigen Linien stärker vereinheitlicht. Nach Möglichkeit fährt jeweils dieselbe ICE-Baureihe. Zugteilungen und -zusammenführungen an Bahnhöfen, die sogenannten Flügelkonzepte, werden weitgehend reduziert. Das macht den Fahrplan übersichtlicher, verändert aber einzelne Direktverbindungen.
Kiel erhält statt vieler einzelner Verbindungen ein systematisches zweistündliches Angebot nach Hannover, Frankfurt und Stuttgart. Grundsätzlich hält die Bahn an Fernverkehrsanschlüssen außerhalb der großen Städte fest. Auf einigen schwach ausgelasteten Strecken sinkt das Angebot allerdings wegen hoher Kosten und geringer Nachfrage. Zwischen Leipzig und Nürnberg über Jena werden künftig je Richtung nur noch zwei tägliche Fahrten angeboten, bislang waren es fünf. Teilweise waren dort nur rund zehn Prozent der Sitzplätze belegt.
Der neue ICE L startet mit dem Fahrplanwechsel zunächst auf der Strecke Berlin–Köln. Ab 1. Mai 2026 soll er nach Abschluss der Generalsanierung Hamburg–Berlin bis Westerland fahren. Ab Mitte Juli ist der Einsatz auch auf Köln–Westerland, Frankfurt–Westerland und Dortmund–Oberstdorf vorgesehen. Auf diesen touristischen Strecken kommen damit barrierefrei zugängliche Fernzüge zum Einsatz. Zusätzlich bringen europäische Bahnen neue Züge auf Deutschland-Verbindungen: tschechische ComfortJets, dänische Talgo-Züge ab Hamburg und schweizerische Giruno-Züge.
Baustellen bleiben im Fahrplan sitzen
Die Generalsanierung der Strecke Hamburg–Berlin läuft bis Ende April 2026. Währenddessen wird der ICE-Verkehr umgeleitet. Vorgesehen sind bis zu 65 tägliche Fahrten, darunter 36 direkte Verbindungen im Stundentakt. Die Fahrzeit verlängert sich um etwa 45 Minuten.
Weitere Bauarbeiten stehen ebenfalls an: Von Februar bis Juli ist die Wupperstrecke zwischen Hagen und Köln betroffen, von Februar bis Dezember die Strecke Nürnberg–Passau. Zwischen Juli und Dezember wird an der rechten Rheinstrecke zwischen Köln und Frankfurt gearbeitet. Die geänderten Fahrpläne sind in den Auskunftssystemen hinterlegt.
Auch die rund 230 Kilometer lange Strecke zwischen Lehrte und Berlin wird erneuert und ist bis Dezember 2027 vollständig gesperrt. Dadurch verlängert sich die Fahrzeit zwischen Berlin und Hannover um 80 Minuten auf etwa 180 Minuten; einige Verbindungen entfallen oder fahren seltener. Weitere Sanierungen sind zwischen Rosenheim und Salzburg sowie zwischen Fulda und Hanau geplant. Umleitungen und geänderte Fahrzeiten sollen bereits in der Reiseauskunft angezeigt werden.
In der Fläche bleibt der Fahrplan laut Bahn weitgehend stabil, einzelne Verbindungen entfallen vor allem wegen Baustellen. Für Reisende heißt das: mehr schnelle Züge auf manchen Hauptachsen, dafür auf Umleitungsstrecken länger sitzen, länger warten, manchmal beides. Im September waren im Fernverkehr 52,4 Prozent der Züge pünktlich; als verspätet gilt ein Zug ab sechs Minuten Verspätung. Das Bahn-Ziel von mindestens 60 Prozent Pünktlichkeit im laufenden Jahr dürfte damit verfehlt werden. Bis Ende 2029 soll die Pünktlichkeitsquote mindestens 70 Prozent erreichen.
Tickets, Tarife und der Blick auf die Nachbarn
Die neuen Verbindungen sind seit dem 15. Oktober auf bahn.de und im DB Navigator abrufbar. Fahrkarten können bis zu zwölf Monate im Voraus gebucht werden. Nationale Tarife wie Super Sparpreis, Sparpreis und Flexpreis sind damit unter anderem für Weihnachten, Ostern, Pfingsten und die Schulferien erhältlich. Auslandstickets gibt es bis zu sechs Monate vor Reisebeginn. Verkauf und Informationen bieten bahn.de, der DB Navigator, DB-Reisezentren und DB-Agenturen.
Neben ÖBB- und SBB-Fahrkarten sind viele innerfranzösische TGV-Verbindungen und Eurostar-Fahrten direkt über bahn.de und den DB Navigator buchbar, etwa Frankfurt–London und Paris–Marseille. Auch die durch Deutschland fahrenden ÖBB-Nachtzüge sind über die digitalen DB-Vertriebskanäle erhältlich. Bis Ende 2026 sollen Tickets aller großen Bahnen der Nachbarländer direkt über bahn.de und den DB Navigator angeboten werden. Geplant sind außerdem Tickets der niederländischen Bahn NS und der spanischen Bahn Iryo für innerländische Reisen.
Grundlage ist der Datenaustauschstandard OSDM. Kundinnen und Kunden sehen direkt die Preise einschließlich ausländischer Sparangebote und können ihre Tickets im DB-Kundenkonto verwalten. Die Bahn will mit mehr internationalen Verbindungen und der neuen Sprinter-Linie zusätzliche Fahrgäste gewinnen. Die Ticketpreise steigen nicht: Bis Mai 2027 sollen Fahrgäste von Preiserhöhungen im Fernverkehr verschont bleiben.
