Bei der Deutschen Bahn bleibt die Lage im Fernverkehr angespannt: Im September 2026 kam fast jeder zweite Fernzug verspätet an. Die betriebliche Pünktlichkeitsquote lag bei 52,4 Prozent – dem zweitschlechtesten Monatswert des laufenden Jahres. Eine frühere Angabe, nach der es sich um den drittschlechtesten Wert gehandelt habe, wurde korrigiert.

Als verspätet gilt bei der Bahn eine Verzögerung von mindestens sechs Minuten. Zugausfälle fließen in diese Kennzahl nicht ein. Für Reisende sieht das Bild deshalb etwas anders aus: Die sogenannte Reisendenpünktlichkeit lag im September bei 58,6 Prozent. Sie berücksichtigt Zugausfälle und misst, wie viele Fahrgäste mit höchstens 14 Minuten und 59 Sekunden Verspätung am gebuchten Zielbahnhof ankamen.

Langsame ICE und eine lange Umleitung

Eine Ursache für die vielen Verzögerungen waren erneut zahlreiche Anlagenstörungen. Auf der Strecke zwischen Berlin und Wolfsburg mussten ICE-Züge wegen des schlechten Zustands der Gleise vielerorts langsamer fahren. Die DB InfraGO beginnt deshalb ab Oktober umfangreiche Sanierungsarbeiten auf dieser Hauptstrecke.

Der betroffene Korridor gehört zur Verbindung Hannover–Berlin. Seit Freitag, dem 2. Oktober 2026, ist die Strecke zwischen Berlin und Hannover wegen der Generalsanierung gesperrt. Die Arbeiten sollen bis Mitte Dezember 2027 dauern. Fernzüge fahren währenddessen über Braunschweig und Magdeburg; die Reisezeit zwischen Berlin und Hannover verlängert sich dadurch um etwa 80 Minuten.

Auch ICE-Verbindungen zwischen Berlin und Nordrhein-Westfalen sind betroffen. Von Berlin nach Düsseldorf dauert die Fahrt mindestens fünfeinhalb Stunden. Ursprünglich sollten Fernzüge ab Mitte Dezember über die parallel verlaufende Stammstrecke zwischen Lehrte und Berlin fahren. Die Elektrifizierung dieses Korridors verzögert sich jedoch erheblich und soll erst Ende 2027 abgeschlossen sein. Deshalb bleiben die langen Umleitungen auch im gesamten kommenden Jahr nötig.

Im Regionalverkehr verkehren zwischen Nauen und Stendal weiterhin Züge über Wittenberge. Für die Weiterfahrt von Stendal nach Wolfsburg müssen Fahrgäste Ersatzbusse nutzen. Informationen zu Linien und Takten stellt die Deutsche Bahn auf ihrer Internetseite bereit. Der Güterverkehr wird hauptsächlich über Braunschweig und Magdeburg geführt; ab Ende Januar des kommenden Jahres soll zusätzlich die Strecke Halle (Saale)–Eichenberg als Umleitung für Gütertransporte dienen.

Betonplatten, Stellwerke und viele Baustellen

Die Strecke Berlin–Hannover zählt laut Deutscher Bahn zu den wichtigsten Verbindungen zwischen Berlin und Nordrhein-Westfalen. Täglich sind dort mehr als 400 Züge des Nah- und Fernverkehrs sowie rund 90 Güterzüge unterwegs. Nun werden Gleise und Weichen, die Betonfahrbahn, Oberleitungen, Stellwerke und Bahnhöfe gebündelt erneuert oder modernisiert.

Rund um Stendal müssen mehr als 50 Kilometer Betonfahrbahn erneuert werden. Dafür werden Zehntausende Tonnen Betonplatten entfernt und neu verlegt. Bei einer festen Fahrbahn liegen die Gleise auf vorgefertigten Betonplatten statt auf Schotter und Schwellen. Das macht diesen Abschnitt besonders aufwendig und langwierig – ein ordentliches Stück Arbeit, bei dem die Maschinen wohl länger den Ton angeben werden als der Zugverkehr.

Bis Dezember 2027 sollen außerdem Hunderte Kilometer Gleise, Weichen und Oberleitungen sowie Lärmschutzwände erneuert werden. Die Deutsche Bahn plant im Rahmen der Generalsanierungen, bis weit in die 2030er-Jahre mehrere Dutzend stark befahrene Korridore zu modernisieren. Finanziert wird die Sanierung zahlreicher stark belasteter Strecken mit Bundesmitteln. Das Schienennetz soll dadurch Schritt für Schritt stabiler werden.

Das 60-Prozent-Ziel rückt weg

Bahnchefin Evelyn Palla hatte für das laufende Jahr eine Fernverkehrs-Pünktlichkeit von mindestens 60 Prozent als Ziel genannt. Nach dem Septemberwert ist absehbar, dass diese Marke verfehlt wird. Die Bahn nennt neben den Anlagenstörungen das hohe Baupensum an Verkehrsknoten und auf Hauptrouten als Belastung. Besonders stark wirkt sich das auf den langlaufenden Fernverkehr aus.

Die Zahlen für September zeigen den Abstand zwischen den Verkehrsarten: 87,4 Prozent aller DB-Personenverkehrszüge erreichten ihr Ziel pünktlich, im Fernverkehr waren es 52,4 Prozent, im Nahverkehr 88,2 Prozent. Die Regionalzug-Pünktlichkeit lag damit einen Prozentpunkt über dem Vorjahreswert. Rund 95 Prozent der Reisenden nutzen Regionalzüge.

Die Entwicklung im Jahr 2026 schwankte deutlich. Bei der betrieblichen Pünktlichkeit im Personenverkehr wurden im Januar 86,4 Prozent, im Februar 88,1 Prozent, im März 88,2 Prozent, im April 88,6 Prozent, im Mai 88,0 Prozent, im Juni 85,7 Prozent, im Juli 87,2 Prozent, im August 87,8 Prozent und im September 87,4 Prozent erreicht.

Im Fernverkehr lagen die Monatswerte bei 52,1 Prozent im Januar, 59,4 Prozent im Februar, 62,1 Prozent im März, 64,4 Prozent im April, 61,1 Prozent im Mai, 52,6 Prozent im Juni, 52,6 Prozent im Juli, 54,2 Prozent im August und 52,4 Prozent im September. Bei der Reisendenpünktlichkeit waren es 54,7 Prozent im Januar, 65,3 Prozent im Februar, 68,1 Prozent im März, 69,7 Prozent im April, 65,9 Prozent im Mai, 54,5 Prozent im Juni, 54,6 Prozent im Juli, 56,6 Prozent im August und 58,6 Prozent im September.

Für den Nahverkehr weist die Bahn 87,2 Prozent im Januar, 88,7 Prozent im Februar, 88,8 Prozent im März, 89,1 Prozent im April, 88,7 Prozent im Mai, 86,4 Prozent im Juni, 87,9 Prozent im Juli, 88,5 Prozent im August und 88,2 Prozent im September aus.

Was die Statistik tatsächlich misst

Die betriebliche Pünktlichkeit bezeichnet den Anteil der Halte, an denen ein Zug mit einer Verspätung von weniger als sechs Minuten ankommt. Die Reisendenpünktlichkeit betrachtet dagegen die Ankunft der Fahrgäste am gebuchten Zielbahnhof mit höchstens 14:59 Minuten Verspätung. Einbezogen werden unter anderem Anschlüsse, Zugausfälle, Ersatzzüge, Fahrplanänderungen und alternative Verbindungen.

Hinter den Monatswerten steckt eine große Datenmenge: Die Statistik umfasst mehr als 800.000 Fahrten von DB-Personenzügen, darunter über 20.000 Fernverkehrsfahrten und rund 780.000 Nahverkehrsfahrten einschließlich S-Bahnen. Für die Reisendenpünktlichkeit werden monatlich die Reisen von durchschnittlich mehr als 10 Millionen Fernverkehrsfahrgästen ausgewertet.

Die Septemberwerte sind vorläufig gekennzeichnet. Und während auf den Bahnsteigen weiter gewartet, umgestiegen und gelegentlich tief durchgeatmet wird, laufen entlang der Strecken die Bauarbeiten an – mit Betonplatten, neuen Oberleitungen und einer Umleitung, die noch lange bleiben wird.