Berlin–Hannover wird 14 Monate zur Großbaustelle der Deutschen Bahn
Heute, am 2.10.2026, sperrt die Deutsche Bahn die Strecke zwischen Berlin und Hannover für 14 Monate vollständig. Für Reisende bedeutet das: keine Durchfahrt, Umleitungen, Ersatzverbindungen und deutlich mehr Geduld. Eine der wichtigsten Fernverkehrsachsen Deutschlands wird zur Großbaustelle – und das nicht nur für ein paar Wochen.
Die Bahn nennt das Vorgehen „Korridorsanierung“. Das Konzept ist umstritten, weil eine komplette Sperrung den Betrieb zunächst massiv belastet. Gleichzeitig ist der Zustand des deutschen Schienennetzes marode. Verspätungen, Zugausfälle und Einschränkungen gehören für viele Fahrgäste längst zum Alltag. Im Fernverkehr lag die Pünktlichkeit im August bei etwa 54 Prozent. Fast die Hälfte der Fernverkehrszüge hatte damit mehr als sechs Minuten Verspätung.
Ein Schnitt, der wehtut
Bahnchefin Evelyn Palla sagt, die Versäumnisse der vergangenen 25 Jahre könnten nicht innerhalb von zwölf Monaten aufgeholt werden. Das klingt ernüchternd, ist aber der Kern des Problems: Während auf der Strecke zwischen Berlin und Hannover gebaggert, erneuert und gesperrt wird, müssen Reisende mit den Folgen leben. Der Ärger beginnt oft schon am Bahnsteig – mit einer Anzeige, die sich verändert, und einem Zug, der einfach nicht kommt.
Die Korridorsanierung setzt also auf einen harten Einschnitt statt auf viele kleinere Baustellen im laufenden Betrieb. Ob sich dieser Aufwand für die Fahrgäste am Ende auszahlt, wird sich erst zeigen. Sicher ist nur: 14 Monate sind lang, besonders dann, wenn die Reise ohnehin knapp geplant war.
Mehr Takt auf den Baustellen
Parallel arbeitet die Deutsche Bahn an festen Abläufen für künftige Bauarbeiten. Das Programm SB² – Bauen im Takt entwickelt standardisierte Sperrzeiten-Container für Instandhaltungsmaßnahmen und Investitionsmaßnahmen. Die Einplanung der Investitions-Container in den Netzfahrplan gilt dabei als wesentlicher Hebel.
Ziel ist, die Baubetroffenheit von Zügen bis 2027 gegenüber 2023 um 30 Prozent zu reduzieren. Instandhaltungs-Container werden seit Juni 2024 umgesetzt. Mehr als 80 Prozent der Instandhaltungsarbeiten an Strecken, Knoten und S-Bahnen sowie der präventiven Instandhaltung werden bereits getaktet durchgeführt.
Im ersten Halbjahr 2025 stieg der Anteil taktkonform durchgeführter Instandhaltungsmaßnahmen auf 85 Prozent. Durch die Bündelung der Arbeiten in den Containern wurde deren Belegungsgrad auf stabil 70 Prozent erhöht. Für das zweite Halbjahr 2025 war vorgesehen, die Container-Taktung in Abschnitten mit gutem Netzzustand auf acht Wochen anzupassen. So sollte der Belegungsgrad weiter steigen – Zielwert sind 80 Prozent.
Planung für die nächsten Jahre
Für Ende 2025 erwartete die Bahn, dass die Baubetroffenheit der Zugverkehre von Eisenbahnverkehrsunternehmen gegenüber dem Vorjahr um 15 Prozent sinkt. Die Vorbereitungen für die Investitions-Container im Netzfahrplan 2027 sind abgeschlossen, die Sperrzeiten wurden in den Netzfahrplan aufgenommen.
Auf der gesperrten Verbindung zwischen Berlin und Hannover zeigt sich nun, wie schwer der Spagat bleibt: Das Netz muss dringend erneuert werden, doch jede Baustelle legt Teile des ohnehin empfindlichen Fahrplans lahm. Am Bahnsteig ist davon zunächst nur das Warten zu spüren. Vielleicht ein voller Zug, vielleicht der Blick auf die Umleitung – und irgendwo das leise Geräusch einer Ansage, die wieder eine Änderung ankündigt.
