Blindgänger an Rosenheims Bahnstrecke entschärft: 1500 Menschen mussten ihre Häuser verlassen
Bei Bauarbeiten an der Bahnstrecke nach Tirol ist in Rosenheim am Dienstag, 29. September 2026, ein Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg entdeckt worden. Bauarbeiter der Deutschen Bahn stießen nahe der Happinger-Au-Straße auf die Fliegerbombe.
Nach ersten Erkenntnissen handelte es sich um eine 250-Kilogramm-Bombe. Der Fundort wurde sofort abgesperrt, Polizei, Stadtverwaltung, Bahn, Kampfmittelräumdienst und weitere Einsatzkräfte rückten an. Auch der städtische Krisenstab wurde einberufen.
1500 Menschen mussten ihre Häuser verlassen
Für die Entschärfung legten die Behörden einen Evakuierungsradius von 500 Metern fest. Rund 1500 Anwohner mussten ihre Wohnungen und Häuser verlassen. Die Stadt informierte über Warn-Apps, Lautsprecherwagen und Einsatzkräfte, die an den Haustüren klingelten.
Als Sammelstelle wurde ab etwa 15.45 Uhr die Turnhalle der Grundschule Happing in der Eichenholzstraße 1 eingerichtet. Für Fragen schaltete die Stadt ein Bürgertelefon unter 08031 – 365 83 65. Gegen 17 Uhr warteten dort etwa 80 Menschen. Das Kriseninterventionsteam versorgte sie mit Wasser; einige hatten auch ihre Haustiere mitgebracht.
Die Zeit drängte. Gegen 14 Uhr teilte die Stadt mit, dass die Evakuierung bis spätestens 17 Uhr abgeschlossen sein müsse. Zustand und Funktionsfähigkeit des Zünders waren zunächst unklar. Möglich waren ein Abtransport oder eine Sprengung vor Ort. Das Bombenloch war mit Grundwasser gefüllt, zudem überflogen Einsatzkräfte das Fundgebiet unter anderem mit einer Drohne.
Entschärfung am frühen Abend
Um 18.14 Uhr wurde die Entschärfung vorbereitet. Einsatzleiter Ralph Bernatzky erklärte, die Bombe liege etwa 1500 Meter von der Sammelstelle entfernt; wie lange die Arbeiten dauern würden, war zunächst offen. Um 18.34 Uhr meldete die Stadt, der Beginn stehe unmittelbar bevor.
Um 19.35 Uhr war die Bombe erfolgreich entschärft. Kurz vor 19.30 Uhr hatte die Stadt bereits Entwarnung gegeben. Die Anwohner durften anschließend in ihre Wohnungen und Häuser zurückkehren, Straßen und Bahnstrecke sollten zeitnah wieder freigegeben werden.
Oberbürgermeister Abuzar Erdogan dankte den Einsatzkräften und allen Beteiligten. Nach seinen Angaben wurde niemand verletzt oder gefährdet. Ein langer Tag, viel Absperrband, viele bange Blicke – und am Ende ging es gut aus.
Ausfälle auf der Strecke nach Kufstein
Wegen der Sperrungen waren Straßen und die Bahnstrecke im Umfeld nicht passierbar. Das führte zu Verkehrsbehinderungen. Die Bayerische Regiobahn meldete auf der Strecke Rosenheim–Kufstein in beiden Richtungen Zugausfälle und Verzögerungen; zwei Ersatzbusse wurden eingesetzt. Laut Bayerischer Regionalbahn fielen Regionalzüge von und nach Kufstein aus.
Dass in Rosenheim ein solcher Fund auftaucht, ist historisch nicht überraschend. Die Stadt war im Zweiten Weltkrieg wegen ihrer Bedeutung als Logistikdrehscheibe Ziel alliierter Luftangriffe. Beim schwersten Angriff auf den Bahnhof Rosenheim am 18. April 1945 warfen rund 200 Flugzeuge etwa 1300 Sprengbomben ab. 53 Menschen starben, 36 wurden verletzt, mehr als 800 Menschen verloren ihr Zuhause.
Blindgänger bleiben eine Gefahr
Fliegerbomben aus dem Zweiten Weltkrieg stellen in deutschen Städten weiterhin eine Gefahr dar. Jährlich werden in Deutschland rund 5.500 Blindgänger entschärft. Besonders viele liegen in industriellen Ballungsräumen wie dem Ruhrgebiet, Köln und Berlin – Regionen, die im Krieg vorrangige Ziele alliierter Luftangriffe waren.
Wie heikel solche Einsätze sein können, zeigte sich im August 2012 im Münchner Stadtteil Schwabing. Dort wurde ein Blindgänger kontrolliert gesprengt. Verletzt wurde niemand, doch es entstand ein Schaden in Millionenhöhe. In Rosenheim blieb es am 29. September 2026 bei Evakuierung, Sperren und einem nervösen Warten in der Turnhalle.
