Gesperrte Ruhrstrecke macht Essen–Duisburg zum täglichen Geduldsspiel
Zwischen Essen und Duisburg geht derzeit auf der Hauptstrecke nichts: Die Verbindung ist vollständig gesperrt, und das schon seit mehreren Wochen. Für Regionalbahn-Fahrgäste im Ruhrgebiet bedeutet das vor allem eines – Verspätungen, die sich kaum planen lassen.
Betroffen sind unter anderem die Linien RB 32 und RB 35. Wer morgens einen Anschluss erwischen muss, schaut deshalb nicht selten zweimal auf die Anzeige. Und dann noch einmal. Die Regionalbahnen halten an jedem Bahnhof entlang der Strecke, was die Fahrt zusätzlich ausbremst.
Fernzüge nehmen den Umweg
ICE und IC werden derzeit nicht über die direkte Strecke Essen–Mülheim–Duisburg geleitet. Stattdessen fahren sie über die nördliche Route: Dortmund, Herne, Gelsenkirchen, Altenessen und Duisburg. Auf dieser Ausweichstrecke fehlt wegen der zusätzlichen Fernzüge die Kapazität, um die Regionalbahnen pünktlich abzuwickeln.
Der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr nennt neben RB 32 und RB 35 weitere betroffene Linien: RE 1 (RRX), RE 2, RE 3, RE 6 (RRX), RE 11 (RRX), RE 42, RE 44, RE 49, RB 33, S 1 und S 3. Je nach Verbindung gibt es Teilausfälle und Umleitungen; einzelne Halte entfallen.
Busse zwischen Duisburg, Essen und Oberhausen
Für RE 1 (RRX), RE 2 und RE 6 (RRX) fahren Ersatzbusse zwischen Duisburg Hbf und Essen Hbf. Sie halten in Mülheim (Ruhr) Hbf und verkehren im 5-Minuten-Takt. In den Nächten werden diese Busse bis Dortmund Hbf verlängert und bedienen die Halte der ausfallenden Züge.
Auch bei den S-Bahn-Linien gibt es Ersatzverkehr: Die Busse der S 1 und S 3 fahren zwischen Oberhausen Hbf beziehungsweise Duisburg Hbf und Essen West, mit allen Unterwegshalten. Für den RE 49 geht es per Bus zwischen Oberhausen Hbf und Essen Hbf – ohne Zwischenhalt. Das kann flott gehen, sofern die Straßen mitspielen. Im Ruhrgebiet ist das bekanntlich manchmal eine eigene kleine Lotterie.
Fahrgäste sollen ihre Verbindung vor Reiseantritt in der Fahrplanauskunft und auf zuginfo.nrw prüfen. Zusätzliche Reisezeit sollte eingeplant werden. Die Änderungen werden außerdem in den Auskunftsmedien und durch Aushänge an den Bahnsteigen bekannt gegeben.
Eine Baustelle, viele Umleitungen
Wie empfindlich stark genutzte Bahnstrecken auf Sperrungen reagieren, zeigt sich auch weiter nördlich. Ab Freitag wird die Bahnstrecke zwischen Berlin und Hannover wegen Sanierungsarbeiten für 14 Monate gesperrt. Fernzüge werden über Braunschweig und Magdeburg umgeleitet und brauchen dadurch etwa 80 Minuten länger.
Das trifft auch ICE-Verbindungen zwischen Berlin und Nordrhein-Westfalen: Für die Strecke Berlin–Düsseldorf sind mindestens fünfeinhalb Stunden vorgesehen. Der Regionalverkehr bleibt teilweise bestehen. Zwischen Nauen und Stendal fahren weiterhin Züge über Wittenberge; für die Weiterfahrt von Stendal nach Wolfsburg müssen Fahrgäste Ersatzbusse nutzen. Über Linien und Fahrpläne informiert die Bahn online.
Auch der Güterverkehr wird überwiegend über Braunschweig und Magdeburg geführt. Ab Ende Januar des kommenden Jahres soll für Güterzüge zusätzlich eine Umleitung über Halle (Saale)–Eichenberg eingerichtet werden.
Die Einschränkungen dauern länger als ursprünglich geplant. Fernzüge sollten ab Mitte Dezember die parallel verlaufende Stammstrecke zwischen Lehrte und Berlin nutzen. Die Elektrifizierung dieses Korridors verzögert sich jedoch erheblich und soll erst Ende 2027 abgeschlossen sein. Deshalb müssen die Züge auch im gesamten kommenden Jahr lange Umleitungen fahren.
Generalsanierung mit Betonfahrbahn
Hinter der Berliner Sperrung steckt die Generalsanierung der Strecke Berlin–Hannover. Erneuert oder modernisiert werden Gleise und Weichen, die Betonfahrbahn, Oberleitungen, Stellwerke und Bahnhöfe. Die Deutsche Bahn bezeichnet die Strecke als wichtige Verbindung zwischen Berlin und Nordrhein-Westfalen.
Täglich verkehren dort mehr als 400 Züge des Nah- und Fernverkehrs sowie rund 90 Güterzüge. Besonders aufwendig ist die Erneuerung von mehr als 50 Kilometern Betonfahrbahn rund um Stendal. Zehntausende Tonnen Betonplatten müssen entfernt und neu verlegt werden. Bei der „Festen Fahrbahn“ sind die Gleise auf vorgefertigten Betonplatten montiert – nicht auf Schotter, Schwellen und Schienen.
Bis Dezember 2027 sollen außerdem Hunderte Kilometer Gleise, Weichen, Oberleitungen und Lärmschutzwände erneuert werden. Die Deutsche Bahn plant, im Rahmen der Generalsanierung bis weit in die 2030er-Jahre zahlreiche stark befahrene Korridore zu modernisieren. Im Ruhrgebiet zeigt die gesperrte direkte Verbindung zwischen Essen und Duisburg schon jetzt, wie schnell aus Bauarbeiten ein tägliches Geduldsspiel werden kann.
