Am Montag, 10. August 2026, wurde auf dem VGF-Betriebshof Ost die neue Eintracht-U-Bahn offiziell eingeweiht. Moritz Theimann, Vizepräsident und Geschäftsführer von Eintracht Frankfurt, und VGF-Geschäftsführer Thomas Raasch gaben dafür den Startschuss. Danach ging es gleich los: Die Bahn absolvierte ihre Jungfernfahrt vom Betriebshof Ost zur Bockenheimer Warte und zurück.

Auf der Außenhaut fahren Athletinnen und Athleten aus sechs Eintracht-Sportarten mit: Hockey, Handball, Leichtathletik, Turnen, Volleyball und Basketball. Die Bilder sollen die Sportartenvielfalt des Vereins im Frankfurter Stadtbild sichtbarer machen. Eintracht Frankfurt hat mehr als 160.000 Mitglieder und bietet über 50 Sportarten an. Der Verein versteht sich als Mehrspartensportverein mit angeschlossener Profifußballmannschaft.

Ein sichtbares Zeichen im Liniennetz

Mit der neuen Bahn zeigen Eintracht Frankfurt und die VGF ihre langfristige Partnerschaft. Seit 16 Jahren arbeiten beide Seiten zusammen. Die VGF beförderte 2025 mehr als 180 Millionen Fahrgäste in U- und Straßenbahnen – künftig dürfte also eine Menge Frankfurterinnen und Frankfurter an den Eintracht-Motiven vorbeikommen.

Die U-Bahn soll im Frankfurter Netz fahren, vorzugsweise auf den Linien U4 und U7. Beide Linien bedienen an der Haltestelle Schäfflestraße das Sportleistungszentrum am Riederwald und den VGF-Betriebshof Ost. Ein kleiner Kreis im Streckenplan, aber einer mit viel Vereinsgeschichte dahinter.

Vom Riederwald bis auf Europas Bühnen

Die Wurzeln reichen weit zurück. 1899 wurde der Frankfurter Fußball-Klub Victoria gegründet, der älteste Vorgängerverein von Eintracht Frankfurt. Rivalitäten, unter anderem mit den Frankfurter Kickers, bestimmten damals den Kampf um die fußballerische Vormachtstellung in Frankfurt. 1911 schlossen sich mehrere Vereine zum Frankfurter Fußballverein zusammen, ehe der Erste Weltkrieg die weitere Entwicklung unterbrach.

Die Fusion von 1920 legte den Grundstein für Eintracht Frankfurt als größten Sportverein der Stadt. Mit dem Bau der Sportanlage „Am Riederwald“ gewann der Verein sportlich und kulturell festen Boden. Der Spitzname „Schlappekicker“ wurde prägend. 1930 holte die Eintracht die Süddeutsche Meisterschaft, 1932 erreichte sie das Finale um die Deutsche Meisterschaft und festigte ihren Ruf als Spitzenmannschaft.

Zur Vereinsgeschichte gehören allerdings auch die dunklen Jahre. Während der NS-Zeit wurde Eintracht Frankfurt gleichgeschaltet, jüdische Mitglieder wurden ausgeschlossen und das Führerprinzip eingeführt. Heute erinnert der Verein mit dem Projekt „50 Eintrachtler“ und jährlichen Stolpersteinverlegungen an verfolgte Mitglieder und ihre Schicksale.

Erfolge, Krisen und neue Anläufe

Nach der Neugründung 1945 begann der sportliche Wiederaufbau. 1959 gewann Eintracht Frankfurt die Deutsche Meisterschaft, 1960 stand die Mannschaft im Finale des Europapokals der Landesmeister gegen Real Madrid. Auch andere Abteilungen feierten Erfolge. Mit dem Start der Bundesliga 1963 begann eine neue Ära; in den 1970er-Jahren kamen zwei DFB-Pokalsiege hinzu, 1980 der UEFA-Cup. Eine deutsche Fußballmeisterschaft gelang in dieser Zeit nicht.

1988 gewann die Eintracht den DFB-Pokal. Spieler wie Lajos Détári, Anthony Yeboah und Andreas Möller prägten die Mannschaft, die internationale Erfolge feierte, zugleich aber von wirtschaftlichen Krisen und Abstiegsängsten begleitet wurde. Meisterschaftsträume blieben offen. Der erste Bundesliga-Abstieg 1996 beendete diese turbulente Ära.

Es folgten späte 1990er und frühe 2000er voller Abstiege, Wiederaufstiege und dramatischer Klassenerhalte. 1999 gelang gegen den 1. FC Kaiserslautern ein entscheidender Klassenerhalt, 2003 folgte ein emotionaler Aufstieg. Finanzielle Probleme und sportliche Rückschläge belasteten den Verein, der seinen Kampfgeist trotzdem bewahrte.

2006 erreichte Eintracht Frankfurt das DFB-Pokalfinale und trat international im UEFA-Cup an. Abstieg und Wiederaufstieg gehörten ebenfalls zu dieser Phase. 2016 sicherte sich die Eintracht in der Relegation gegen den 1. FC Nürnberg den Klassenerhalt. Daraus entwickelte sich die Grundlage für die spätere sportliche Entwicklung.

2018 gewann Eintracht Frankfurt den DFB-Pokal, 2022 folgte der Gewinn der Europa League. Anschließend zog der Verein in die Champions League ein. Und während diese große Fußballgeschichte weiterläuft, rollt nun eine U-Bahn durch Frankfurt, auf der auch Hockeyschläger, Volleyball, Turnen und Basketball ihren Platz bekommen haben. An der Schäfflestraße trifft Vereinschronik auf Berufsverkehr – manchmal ziemlich laut, manchmal nur im Vorbeifahren.