Im Bahnmuseum Halle wurde der Lokschuppen zum Kinosaal: Bei einem ausverkauften Abend sahen 120 Besucher den Film „Mord im Orientexpress“ zwischen historischen Lokomotiven. Statt Popcornduft lag dort der Geruch frisch aufgeschnittener Grapefruits in der Luft, vermischt mit Öl- und Schottergeruch. Ein Kinoabend, ja – aber einer mit ziemlich eigenwilliger Nase.

Als Kulisse standen eine etwa 120 Jahre alte schwarze Dampflok der Baureihe 89 und die rote Elektrolokomotive E11 aus dem Jahr 1960 bereit. Die Veranstaltung wurde als besonderes Sinneserlebnis und als Experiment beschrieben. Bei Eisenbahnfans weckte der Abend neue Hoffnungen und Interesse an einer bekannten Bahnlegende.

Drei Tage Eisenbahngeschichte

Vom 18. bis 20. September 2026 lädt der Eisenbahnmuseum Halle (Saale) e. V. zum Festwochenende „Eisenbahnmuseum für (H)ALLE“ ein. Schauplatz ist der historische Lokschuppen an der Berliner Straße in Halle. Das Programm richtet sich an Eisenbahnfreunde, Familien, Kinder und weitere Interessierte.

Am Freitag, 18. September, beginnt das Wochenende mit einem Tanzabend im historischen Lokschuppen. Musik und historische Eisenbahnfahrzeuge werden dabei miteinander verbunden – eine Kombination, die vermutlich nicht jeden Tag auf dem Programm steht.

Tickets gibt es im Vorverkauf an der Kasse im DB Museum, am 8. und 9. September 2026 in der Vereinshütte an der Ulrichkirche sowie bei „Bunte Eis.Träumerei“, Lessingstraße 106, 06114 Halle (Saale).

Lokomotiven aus der Nähe

Am Samstag, 19. September, rücken historische Lokomotiven und Eisenbahnfahrzeuge auf der Drehscheibe in den Mittelpunkt. Besucher können die Fahrzeuge aus nächster Nähe und aus verschiedenen Perspektiven besichtigen. Dazu kommen Führerstandsmitfahrten, eine Mitfahreisenbahn, Modellbahnen sowie Vereins- und Händlerstände.

Für Kinder gibt es unter anderem eine Bastelstraße und Kinderschminken. Am Sonntag, 20. September, tritt ein Zauberer mit Tricks und Darbietungen auf. Die Vorstellungen beginnen um 11:00 und 14:00 Uhr. Für die Verpflegung der Besucher ist gesorgt.

Der Museumsverein versteht den Ort als Platz für Bildung, Geschichte, Technik, Kultur und Begegnung. Historische Fahrzeuge, Modellbahnen und Mitmachangebote sollen Eisenbahngeschichte für verschiedene Generationen zugänglich und erlebbar machen. Eingeladen sind Einwohner aus Halle ebenso wie Besucher aus der Region.

Ein Knotenpunkt mit langer Geschichte

Halle ist seit fast 200 Jahren eng mit der Eisenbahn verbunden. Der Eisenbahnknoten prägte die Entwicklung der Stadt und der Region – und erklärt vielleicht auch, warum im Lokschuppen schnell mehr entsteht als eine Ausstellung mit alten Maschinen. Zwischen Stahl, Schotter und Modellgleisen treffen sich Erinnerungen, Technikbegeisterung und Familienausflug.

Das Festwochenende soll nicht nur das historische Erbe zeigen, sondern auch die Zukunft des Museums vorstellen. Nach dem Kinoabend mit „Mord im Orientexpress“ passt das gut: Erst schauen 120 Menschen auf eine Bahnlegende zwischen Dampflok und Elektrolokomotive, dann wird im September selbst gefahren, gebastelt, getanzt und gestaunt. Der Lokschuppen bleibt dabei, wie er ist – ein wenig nach Öl riechend, ein wenig nach Geschichte, und hoffentlich nie ganz still.