Das Verwaltungsgericht Köln hat im Streit um den Zugang zum deutschen Fernverkehr zugunsten der Deutschen Bahn entschieden. Eine von der Bundesnetzagentur beschlossene Wettbewerbsklausel ist rechtswidrig, urteilten die Richter. Die Entscheidung ist nicht anfechtbar.

Auslöser ist der geplante Markteintritt des italienischen Anbieters Italo in Deutschland. Die Bundesnetzagentur hatte angeordnet, dass die Deutsche Bahn auf stark ausgelasteten Strecken mindestens ein Viertel der Kapazitäten für andere Anbieter freihalten muss. Diese Regelung hob das Gericht auf.

Keine Rechtsgrundlage für die Klausel

Weder europäisches noch deutsches Recht sehe vor, dass Betreiber von Schienenwegen eine solche Wettbewerbsklausel in ihre Nutzungsbedingungen aufnehmen müssten, begründete das Verwaltungsgericht. Nach Angaben des Gerichts fehlt der Bundesnetzagentur für die Klausel die notwendige Rechtsgrundlage.

Die Deutsche Bahn erklärte, das Urteil schaffe angesichts der knappen Kapazitäten im deutschen Schienennetz Klarheit. Die Bundesnetzagentur bedauerte die Entscheidung dagegen. Sie hält die Klausel weiterhin für sinnvoll, um den Wettbewerb zugunsten der Fahrgäste zu fördern.

Der Netzfahrplan für 2028 wird nun ohne eine entsprechende Klausel erstellt. Das Infrastrukturunternehmen DB InfraGo stellt die Netzfahrpläne jeweils für ein Jahr auf. Gerade diese kurze Perspektive ist für Anbieter wie Italo ein Problem: Das Unternehmen plant hohe Investitionen für den deutschen Markteintritt und hatte deshalb mehrjährige Rahmenverträge gefordert, um Planungssicherheit zu bekommen.

Die Bundesnetzagentur lehnte solche Verträge ab und führte stattdessen die Wettbewerbsklausel für bestimmte besonders überlastete Strecken ein. Nun ist dieses Modell vom Tisch. Der deutsche Fernverkehr wird bislang von der Deutschen Bahn dominiert. Grundsätzlich können aber auch Unternehmen wie Italo und FlixTrain Fernverkehrsverbindungen in Deutschland anbieten.

Mehr Wettbewerb, wenig Platz

Wie groß der Spielraum für neue Anbieter tatsächlich ist, zeigt ein Blick auf die Marktdaten der Bundesnetzagentur. Im Schienenpersonenfernverkehr stieg der Marktanteil der Wettbewerber im Berichtsjahr 2025 durch erweiterte Verbindungen auf 8 Prozent. Im Schienengüterverkehr kamen Wettbewerber zum Jahresende sogar auf 67 Prozent; bundeseigene Eisenbahnverkehrsunternehmen hielten dort noch ein Drittel.

Der Schienenpersonenverkehr blieb 2025 stabil, während der Schienengüterverkehr zurückging. Wettbewerbsbahnen hielten oder steigerten ihre Marktanteile in Nah-, Fern- und Güterverkehr. Gleichzeitig nahmen auf dem gesamten Netz der DB InfraGO die Verspätungsfälle und Verspätungsmengen über einen Zeitraum von vier Jahren kontinuierlich zu. Auf der nach der Generalsanierung untersuchten Riedbahn sanken die Verspätungen nach einem Jahr in besonders anfälligen Bereichen immerhin um 20 bis 30 Prozent.

Für die Untersuchung befragte die Bundesnetzagentur mehr als 550 Fahrzeughalter und erfasste rund 20.000 in Deutschland zugelassene Fahrzeuge. Ausgewertet wurden Bauarten, Baureihen und Ausstattung. Für die Digitalisierung ist vor allem die ETCS-Ausrüstung relevant. Viele Fahrzeuge haben noch gar kein ETCS, andere besitzen nur eine für das Ausland ausreichende, für Deutschland aber zu niedrige Systemversion.

Mit wenigen First-of-Class-Projekten für große Baureihen könnte ein großer Teil des Marktes abgedeckt und die Umrüstung gebündelt werden. Das klingt nach einem trockenen Technikpunkt, entscheidet aber mit darüber, wie schnell das Netz digitaler und leistungsfähiger wird.

Fernverkehr wächst nicht geradlinig

Die Marktuntersuchung für das Berichtsjahr 2024 zeigt ein gemischtes Bild. Im Schienenpersonennahverkehr stieg die Verkehrsleistung deutlich auf 65 Milliarden Personenkilometer. Im Schienenpersonenfernverkehr ging sie leicht zurück. Der Schienengüterverkehr sank auf 134 Milliarden Tonnenkilometer. Nicht-bundeseigene Eisenbahnverkehrsunternehmen steigerten ihre Marktanteile in allen drei Verkehrsdiensten leicht.

Die netzweite Pünktlichkeit verschlechterte sich weiter, der Anteil vollständig oder teilweise ausgefallener Züge nahm erneut zu. Gleichzeitig erreichten die Beschäftigtenzahlen neue Höchststände – sowohl bei den Triebfahrzeugführenden als auch bei den sonstigen Beschäftigten. Die wirtschaftliche Entwicklung verlief auseinander: Im Nahverkehr verbesserten sich die Ergebnisse leicht, im Fernverkehr verschlechterten sie sich deutlich, und im Schienengüterverkehr blieben sie klar negativ.

Ein Jahr davor, im Berichtsjahr 2023, hatte die Nachfrage im Personenverkehr noch in Nah- und Fernverkehr zugelegt, unter anderem wegen der Einführung des Deutschlandtickets. Der SPNV erreichte rund 59 Milliarden Personenkilometer, der SPFV knapp 48 Milliarden. Beide Werte lagen erstmals über dem Niveau von 2019. Im Güterverkehr sank die Verkehrsleistung dagegen unter anderem wegen konjunkturbedingter Nachfragerückgänge und steigenden Kostendrucks auf 134 Milliarden Tonnenkilometer.

Der Umsatz stieg in allen Verkehrsdiensten. Im Fernverkehr fiel der Anstieg prozentual und nominal am stärksten aus. Nicht-bundeseigene EVU entwickelten sich in allen Verkehrsdiensten besser als der Gesamtmarkt und steigerten ihre Marktanteile leicht.

Der lange Weg der Wettbewerbsbahnen

Die Kurzerhebung für 2023 nennt für Wettbewerbsbahnen steigende Anteile an der Verkehrsleistung in allen Verkehrsdiensten. Im SPNV wuchs ihr Marktanteil um 3 Prozentpunkte auf deutlich mehr als ein Drittel. Nicht-bundeseigene Güterbahnen überschritten mit einem Plus von 2 Prozentpunkten die 60-Prozent-Marke und erreichten 61 Prozent. Im SPFV lag ihr Anteil bei 5 Prozent.

Das Deutschlandticket erhöhte die Nachfrage im SPNV ab Mai 2023 um gut ein Drittel. Besonders stark war der Zuwachs auf langlaufenden RE-Linien und touristischen Verbindungen. Die SPNV-Verkehrsleistung lag mit 59 Milliarden Personenkilometern über dem Niveau von 2019, der SPFV erreichte mit 47 Milliarden Personenkilometern einen neuen Höchstwert.

Im Schienengüterverkehr ging die Verkehrsleistung dagegen auf 127 Milliarden Tonnenkilometer zurück. Als Gründe nannte die Bundesnetzagentur die konjunkturelle Schwäche und geringere Produktion, steigende Energiepreise, Personalengpässe sowie zahlreiche Baustellen im Netz.

Der Blick auf 2022 zeigt, wie stark sich der Markt nach den pandemiebedingten Rückgängen der Jahre 2020 und 2021 zunächst erholte. Der Umsatz stieg in allen Verkehrsdiensten, im Fernverkehr prozentual und nominal am stärksten. Das 9-Euro-Ticket sorgte in den Sommermonaten für einen deutlichen Nachfrageschub im SPNV.

Damals lag die SPNV-Verkehrsleistung bei 53 Milliarden Personenkilometern und damit nahezu auf dem Niveau von 2019. Im SPFV wurden 43 Milliarden Personenkilometer erreicht, ebenfalls fast das Vor-Pandemie-Niveau. Die Verkehrsleistung im Schienengüterverkehr stieg auf 140 Milliarden Tonnenkilometer. Die Wettbewerbsanteile im Personenverkehr blieben gegenüber dem Vorjahr unverändert, im Güterverkehr nahm der Wettbewerbsanteil leicht zu.