Halle–Kassel monatelang abgehängt: Vier Bauphasen bringen Ersatzbusse und Umwege
Zwischen Halle und Kassel wird die Bahnstrecke grundlegend modernisiert. Für Reisende bedeutet das ab 14. Juli bis voraussichtlich 12. Dezember 2026 allerdings erneut: Sperrungen, Ersatzbusse, Umwege. Betroffen sind unter anderem Halle, Sangerhausen, Berga-Kelbra, Nordhausen und Leinefelde – und damit eine wichtige Pendlerverbindung zwischen Sachsen-Anhalt, Thüringen und Hessen.
Die Strecke macht vielen Fahrgästen ohnehin seit Jahren zu schaffen. Nicht besetzte Stellwerke, marode Bahnschwellen und eine große Baustelle gehören bereits zum Alltag. Nun stocken zudem Bauarbeiten im Norden Sachsen-Anhalts. Die Folge: Im Süden des Landes drohen massive Zugausfälle. In Eisleben entstehen unter anderem neue Bahnsteige und eine Unterführung.
Vier Bauphasen, viele Ersatzbusse
Die Regionalexpresslinien RE 8 und RE 9 fallen abschnittsweise aus und werden durch Schienenersatzverkehr, kurz SEV, ersetzt. In der letzten Bauphase entfällt zusätzlich die RB 57 zwischen Nordhausen und Leinefelde. Der Fahrplan wird dabei nicht einfach ein bisschen dünner – er wird je nach Abschnitt kräftig umgebaut.
- 14.–21. Juli: Zwischen Berga-Kelbra und Nordhausen fahren keine Züge.
- 24. Juli–27. August: Die Strecke zwischen Halle und Berga-Kelbra ist gesperrt.
- 28. August–8. Oktober: Zwischen Halle und Nordhausen verkehren keine Regionalzüge.
- 9. Oktober–12. Dezember: Halle–Leinefelde wird vollständig gesperrt; zusätzlich fällt die RB 57 aus.
Für Fahrgäste heißt das: Ersatzbusse, zusätzliche Umstiege und längere Fahrzeiten. Nordhausen bleibt dabei ein zentraler Umsteigepunkt zwischen Zügen und Bussen. Ab Oktober wird Leinefelde zum neuralgischen Punkt, weil die direkte Verbindung aus Richtung Halle und Nordhausen unterbrochen ist.
Die Busse stehen allerdings nicht über den Dingen. Staus und andere Baustellen können sie ausbremsen. Manche Ersatzhaltestellen liegen außerdem nicht direkt am Bahnhof; ein Fußweg vom Bahnsteig zur Bushaltestelle gehört dann dazu. Wer ein Fahrrad dabeihat, sollte genau hinschauen: In den Ersatzbussen ist die Mitnahme häufig eingeschränkt oder ausgeschlossen.
Warum die Strecke so lange gesperrt wird
Die Deutsche Bahn und Abellio modernisieren die Verbindung gemeinsam. Geplant sind insgesamt 14 elektronische Stellwerke, die Modernisierung von 44 Bahnübergängen sowie neue Warte- und Überholgleise für längere Güterzüge. Die Strecke ist schließlich nicht nur für Pendler wichtig, sondern auch für den Güterverkehr zwischen Sachsen-Anhalt, Thüringen und Hessen.
Die Arbeiten laufen bereits seit Sommer 2024. Auch 2025 und im ersten Halbjahr 2026 gab es Ausfälle und Ersatzverkehr. Mit den Vollsperrungen sollen mehrere Arbeiten gleichzeitig und schneller erledigt werden. Außerdem sollen sie die Sicherheit der Bauarbeiter erhöhen. Für die Menschen am Bahnsteig fühlt sich das trotzdem erst einmal nach einer langen Durststrecke an.
Vom Ausfall der RB 57 sind lokale Verbindungen im Eichsfeld und in Nordthüringen betroffen. Das trifft Schüler, Auszubildende und Berufspendler ebenso wie Reisende, die nur ein kurzes Stück fahren wollen. Auch Touristen und Unternehmen müssen ihre Wege neu planen.
Vor jeder Fahrt sollten Fahrgäste die digitale Verbindungsauskunft prüfen – inklusive Abfahrtszeiten, Ersatzhaltestellen, Umstiegszeiten und der letzten Abendverbindung. Ebenso wichtig: vorher nachsehen, ob Fahrrad und Gepäck überhaupt mitkommen. Bei verspäteten oder ausgefallenen Ersatzbussen können je nach Einzelfall Fahrgastrechte greifen. Fahrkarten, Belege und Screenshots daher besser aufheben, statt sie gleich verschwinden zu lassen.
Eine Baustelle unter vielen
Die Schwierigkeiten zwischen Halle und Kassel sind kein Sonderfall. Die Deutsche Bahn modernisiert bundesweit das Schienennetz. Großbaustellen, Streckensperrungen und Fahrplanänderungen gehören deshalb auch 2026 vielerorts zum Bild. Bis 2036 sollen mehr als 40 wichtige Teilstrecken monatelang gesperrt und grundlegend saniert werden. Die Generalsanierung dauert voraussichtlich mindestens fünf Jahre länger als ursprünglich geplant.
Allein 2026 stehen zahlreiche Korridore auf dem Programm. Am Knoten Dresden wird vom 9. Februar bis 6. November 2026 ein neues Kreuzungsbauwerk am Dresdner Hauptbahnhof gebaut. IC-Züge von und nach Chemnitz werden zwischen Dresden-Neustadt und Freiberg umgeleitet; der Halt in Dresden Hauptbahnhof entfällt.
Am Knoten Berlin laufen vom 14. Juni bis 12. Dezember 2026 Instandhaltungsarbeiten in zwei Phasen. Fernzüge halten während des gesamten Zeitraums unterirdisch statt oberirdisch am Berliner Hauptbahnhof, einige ICE-Verbindungen fallen aus. In der ersten Phase vom 14. Juni bis 1. Oktober fahren mindestens stündlich ICE-Züge zwischen Berlin und NRW, allerdings ohne Halt am Ostbahnhof. Die Verbindung Berlin–Frankfurt über Kassel bleibt stündlich bestehen, ebenfalls ohne Ostbahnhof. Züge nach Polen verkehren weiterhin alle zwei Stunden, halten aber in Berlin-Gesundbrunnen statt am Hauptbahnhof und Ostbahnhof.
In der zweiten Berliner Phase vom 2. Oktober bis 12. Dezember fahren ICE-Züge zwischen Berlin und NRW weiterhin mindestens stündlich, werden zwischen Hannover und Berlin aber über Braunschweig umgeleitet. Die Fahrzeit verlängert sich um 60 bis 80 Minuten. Berlin-Spandau und der Ostbahnhof entfallen als Halte. Direkte Verbindungen Berlin–Frankfurt über Kassel gibt es dann nicht; mindestens stündliche ICE-Züge fahren stattdessen über Erfurt. Die Polen-Verbindungen bleiben zweistündlich und nutzen Berlin-Gesundbrunnen.
Auf der Strecke Regensburg–Passau fallen vom 14. Juni bis 13. Dezember 2026 wegen einer Generalsanierung monatelang die Fernverkehrszüge zwischen Regensburg, Passau und Wels aus. Die Fernverkehrshalte Passau, Plattling und Straubing entfallen vollständig, in Regensburg gibt es nur ein eingeschränktes Angebot. Umleitungen führen über Salzburg, Simbach am Inn und Mühldorf. Zahlreiche Züge zwischen Nürnberg beziehungsweise Regensburg und Wien fallen aus, direkte Verbindungen über Passau entfallen. Reservierungspflichtige Ersatzbusse fahren zwischen Passau und Nürnberg bis 31. Juli sowie zwischen Passau und Regensburg ab 1. August. Das Angebot zwischen München und Wien über Salzburg und Simbach am Inn wird ausgeweitet; ICE-, RJ- und EC-Züge zwischen München und Nürnberg beziehungsweise Wien benötigen bis zu 15 Minuten länger.
Zwischen Köln und Wiesbaden werden vom 10. Juli bis 12. Dezember 2026 zwischen Troisdorf und Wiesbaden Gleise, Weichen, Oberleitungen, Brücken und mehrere Bahnhöfe erneuert. Güterzüge werden unter anderem über die linke Rheinstrecke umgeleitet. Zwischen Köln, Bonn, Koblenz und Mainz fährt nur noch ein ICE je Richtung und Stunde. Fernzüge fallen teilweise aus, Remagen und Andernach werden nur noch vereinzelt angefahren.
Am Knoten Erfurt reduzieren Brückenarbeiten vom 31. Juli bis 30. September 2026 das Fernverkehrsangebot zwischen Berlin, Erfurt, Nürnberg, Augsburg und München. Auf der Strecke Berlin–Erfurt–Nürnberg–München fahren etwa drei Viertel der regulären Züge; pro Richtung verkehren drei Züge innerhalb von zwei Stunden. Die ICE-Linie 18 fährt nur zwischen Hamburg-Altona und Berlin. Büchen, Ludwigslust und Wittenberge werden ersatzweise alle zwei Stunden von anderen Fernzügen bedient. Zwischen Nürnberg und München verkehren ICE-Ersatzzüge mit Halten in Donauwörth, Augsburg und München-Pasing. Wer von oder nach Berlin fährt, muss eventuell in Nürnberg zusätzlich umsteigen.
Auch Magdeburg–Berlin ist vom 4. bis 30. September 2026 betroffen. Arbeiten an der Leit- und Sicherungstechnik führen zu Umleitungen und Teilausfällen. Bei mehreren ICE- und IC-Verbindungen entfallen Halte in Brandenburg, Potsdam und Berlin-Wannsee, teilweise sind auch Magdeburg, Braunschweig und Berlin-Charlottenburg betroffen. IC-Züge von und nach Norddeich Mole werden zunächst über Stendal und Berlin-Spandau umgeleitet; die Fahrzeit verlängert sich um etwa 25 Minuten. Ab 19. beziehungsweise 20. September beginnen oder enden einzelne IC-Züge bereits in Magdeburg. Das ICE-Zugpaar Berlin–Köln wird überwiegend zwischen Potsdam und Braunschweig
