Zwölf Regionalzüge zwischen Augsburg und München könnten ab 2028 entfallen – ausgerechnet morgens und nachmittags, wenn Pendler die Strecke am dringendsten brauchen. Die DB-Infrastruktursparte DB InfraGO hält nach Angaben aus der Eisenbahnbranche vorerst an diesen Plänen fest. In den Hauptverkehrszeiten würde der Regionalverkehr damit von derzeit drei bis vier Verbindungen pro Stunde und Richtung auf höchstens zwei sinken.

Mehr als 4.500 Menschen haben eine Online-Petition unterschrieben, die Bianca Asam aus Kissing gestartet hat. In den Kommentaren machen viele Fahrgäste ihrem Ärger Luft. Asam pendelt regelmäßig zu ihrer Arbeitsstelle beim Bayerischen Brauerbund nach München und kennt die Züge, die schon heute zu den Stoßzeiten häufig überfüllt sind. Auf unverbindliche Aussagen will sie sich deshalb nicht verlassen und ihren Protest fortsetzen.

Widerspruch aus Bayern

Die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG), die den bayerischen Schienenpersonennahverkehr finanziert und organisiert, legte Einspruch gegen die Pläne ein. Auch Arverio, das im Auftrag der BEG zahlreiche Linien in Schwaben betreibt, widersprach der geplanten Zugverteilung.

InfraGO reagierte im üblichen Verfahren zunächst mit dem Vermerk „Keine Berücksichtigung“ und kündigte eine spätere „Anpassung“ der Vorgaben für die Zugzahlen an. Bei dieser Anpassung sollen die Einsprüche berücksichtigt werden. Nicht genutzte Kapazitäten für Fern-, Güter- und andere Züge könnten dann dem Regionalverkehr zugutekommen. Arverio erklärte allerdings, der eigene Widerspruch sei von InfraGO „nicht berücksichtigt, also abgelehnt“ worden. Aus Bahnkreisen heißt es dagegen, das bedeute möglicherweise keine endgültige Ablehnung. InfraGO bezeichnet das Verfahren als laufend; Entscheidungen seien noch nicht getroffen.

Nach Angaben von InfraGO ist der Abschnitt zwischen Olching und München überlastet. Deshalb müsse der Zugverkehr dort neu organisiert werden. Gleichzeitig sollen ab 2028 weniger Regionalzüge, aber genügend zusätzliche Fernzüge auf diesem Abschnitt fahren können. Auf der gesamten Strecke sind nach den Planungen 19 zusätzliche Fernverkehrsfahrten vorgesehen.

Die Bundesnetzagentur hat bei Streitigkeiten über die Vergabe der Trassen das letzte Wort. Das Verfahren bei der Netzagentur könnte bis ins kommende Jahr dauern. Zwei Hoffnungen der Fahrgäste richten sich daher auf eine Anweisung der Bundesnetzagentur, ausreichend Regionalzüge fahren zu lassen, und auf politischen Druck, der die Pläne noch verändert. CSU, SPD, Grüne, Freie Wähler und FDP unterstützen inzwischen den Protest.

Kommunen verlangen Ausbau statt Kürzung

Landrat Dr. Marc Sturm, die Landräte von Augsburg und Dillingen sowie der Oberbürgermeister der Stadt Augsburg wandten sich gemeinsam an den Vorstand der DB InfraGO. Sie verwiesen auf die bereits hohe Auslastung der Regionalzüge. Eine Ausdünnung des Angebots sei unter diesen Bedingungen nicht möglich.

Die Kommunalvertreter fordern die Rücknahme der geplanten Streichungen, vor allem zu den für Pendler relevanten Hauptverkehrszeiten. Vorrangig geprüft werden sollen ihrer Ansicht nach Infrastrukturmaßnahmen – darunter eine Kapazitätserweiterung im Knoten München und der Ausbau der Zulaufstrecken – statt einer kurzfristigen Angebotsreduzierung.

Zudem verlangen die Unterzeichner Unterstützung gegenüber Bund und Politik für eine ausreichende Finanzierung des Schienenverkehrs. Infrastruktur und Fahrpläne müssten so gestaltet werden, dass das bestehende Regionalverkehrsangebot mindestens gesichert werde. Fern- und Nahverkehrsplanung sollten abgestimmt werden, damit der Ausbau des Fernverkehrs nicht zulasten des Regionalverkehrs geht.

Vor Entscheidungen über das Zugangebot sollen außerdem der Freistaat Bayern, die Aufgabenträger, Fahrgastverbände und die betroffenen Gebietskörperschaften eingebunden werden. Das klingt nach vielen Beteiligten und langen Tischen – genau an so einem Tisch soll nun gearbeitet werden.

Runder Tisch noch im Oktober

Der CSU-Landtagsabgeordnete und Fraktionschef Klaus Holetschek fordert eine schnelle Lösung. Monatelang auf das Verfahren zu warten, kommt für ihn nicht infrage. Gemeinsam mit seinem CSU-Parteikollegen Ulrich Lange, Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, plant Holetschek einen runden Tisch zum Regionalverkehr zwischen Augsburg und München.

Möglichst noch im Oktober sollen das Bayerische Verkehrsministerium, die BEG, die Bundesnetzagentur, DB InfraGO, die DB-Fernverkehrssparte und regionale Abgeordnete teilnehmen. Holetschek strebt eine möglichst umfassende Lösung zugunsten der Fahrgäste an. Bianca Asam begrüßt den geplanten runden Tisch – und jede weitere Unterstützung.

Netz unter Druck, Wettbewerb in Bewegung

Wie angespannt die Lage im Eisenbahnsektor ist, zeigt auch der Zwischenbericht der Bundesnetzagentur zur Entwicklung des Eisenbahnmarktes im Jahr 2025, den die Behörde am 1. Juli 2026 veröffentlichte. Der Schienenpersonenverkehr blieb stabil, während der Schienengüterverkehr zurückging. Nicht-bundeseigene Eisenbahnverkehrsunternehmen hielten oder steigerten ihre Marktanteile im Nah-, Fern- und Güterverkehr.

Im Fernverkehr stieg der Marktanteil der Wettbewerber durch ausgeweitete Verbindungen um einen Prozentpunkt auf 8 Prozent. Im Güterverkehr wuchs ihr Anteil bis Jahresende auf 67 Prozent, nach 60 Prozent im Jahr 2024. Bundeseigene Eisenbahnverkehrsunternehmen erbrachten dort nur noch rund ein Drittel der Verkehrsleistungen.

Für die generalsanierte Riedbahn lagen erstmals Daten für vollständige Vergleichszeiträume vor. In den zwölf Monaten nach Abschluss der Bauarbeiten im Januar 2025 gingen Verspätungen wegen fehlerhafter Leit- und Sicherungstechnik um 25 Prozent zurück, wegen kurzfristig notwendiger Bauarbeiten um 35 Prozent und wegen fehlerhafter Weichen um 22 Prozent.

Auch bei der Fahrzeugausrüstung erhob die Bundesnetzagentur im vierten Quartal 2025 erstmals Daten bei Fahrzeughaltern. Deutsche Halter setzten rund 14.000 Triebfahrzeuge und Steuerwagen aus mehr als 300 Baureihen ein. Davon waren 1.860 Fahrzeuge beziehungsweise 13 Prozent mit dem europäischen Zugsteuerungssystem ETCS ausgerüstet.

Der vollständige Bericht ist auf der Website der Bundesnetzagentur unter www.bundesnetzagentur.de/eisenbahn-marktuntersuchung verfügbar. Auf der Strecke Augsburg–München geht der Streit derweil weiter – zwischen überfüllten Zügen, geplanten Fernverkehrsfahrten und der Hoffnung, dass am Ende nicht ausgerechnet die Pendler den kürzeren Weg fahren müssen.