Hamburgs Bahnhofszukunft hängt am S-Bahn-Tunnel
Hamburg wartet weiter auf Klarheit beim geplanten Umzug des Fernbahnhofs Altona. Die SPD-Fraktion in der Hamburgischen Bürgerschaft drängt die Deutsche Bahn auf einen verbindlichen Termin und auf Informationen zu einem möglichen neuen S-Bahn-Tunnel. Heute, am 6.10.2026, ist der Zeitplan damit weiterhin ein politischer Streitpunkt.
SPD-Fraktionschef Dirk Kienscherf will von der Bahn wissen, welche Infrastruktur den Reisenden im Jahr 2029 tatsächlich zur Verfügung stehen wird. Dann soll der neue Fernbahnhof am Diebsteich in Betrieb gehen. Hinweise auf noch offene Tunnelplanungen reichen ihm nach eigener Einschätzung nicht aus. Verständlich, denn an diesem Projekt hängt weit mehr als nur ein neuer Bahnsteig.
Ein Bahnhof, mehrere Folgeprojekte
Die Deutsche Bahn will den heutigen Fern- und Regionalbahnhof Altona zum Standort Diebsteich verlegen. Vorgesehen ist dort ein Durchgangsbahnhof mit insgesamt vier Bahnsteigen. Der neue S-Bahnsteig am Diebsteich wurde bereits Anfang 2025 in Betrieb genommen.
Auf dieser Grundlage plant die Senatskommission für Stadtentwicklung ein neues Quartier am Diebsteich – mit Büros, einem Fußballstadion und einer Musikhalle. Auf dem Gelände des bisherigen Bahnhofs Altona sollen rund 1.900 Wohnungen entstehen. Mindestens jede dritte dieser Wohnungen wird öffentlich gefördert.
Der Knackpunkt liegt unter beziehungsweise entlang der künftigen Strecke: Im Mittelpunkt steht die mögliche Planung eines S-Bahn-Tunnels vom Hauptbahnhof über den Bereich Dammtor bis zum Diebsteich. Sollte dieser Tunnel gebaut werden, könnte das ursprünglich geplante Bahnhofsgebäude am Diebsteich im Weg stehen. Ob die Deutsche Bahn auf Kienscherfs Forderungen reagiert, ist unklar.
Altona bleibt im Netz – und wird grüner
Am heutigen Bahnhof Hamburg-Altona sollen S-Bahnen und Busse weiterhin einen zentralen Knotenpunkt bilden. Regional- und Fernverkehr würden dagegen künftig am neuen Standort abgewickelt; am heutigen Kopfbahnhof entfielen diese Zugverkehre. Für die Umgebung bedeutet das eine geringere Lärmbelastung durch den Schienenverkehr. Schallschutzwände sowie passive Schallschutzmaßnahmen sind im Zuge der Verlegung vorgesehen.
Rund um den Diebsteich leben im Umkreis von zwei Kilometern etwa 15 Prozent mehr Menschen als im Umfeld des bisherigen Bahnhofsstandorts. Der neue Bahnhof soll dem Gebiet zusätzliche Zentralität geben. Für Anwohner:innen und Fahrgäste sind neue Einkaufs- und Gastronomieangebote geplant – praktisch, wenn der Zug weg ist und der Hunger bleibt.
Zwischen dem Quartier Mitte Altona und der Elbe soll außerdem eine fünf Hektar große Grünverbindung entstehen. Der neue Grünzug soll die Aufenthaltsmöglichkeiten im Zentrum Altonas verbessern. Der Bahnhof selbst wird auf den Fahrradverkehr ausgerichtet und erhält ein Fahrradparkhaus mit rund 600 Stellplätzen.
Vier Buslinien sollen den neuen Standort von Beginn an in das bestehende Verkehrsnetz einbinden. Ein weiterer Ausbau der Busanbindung ist geplant. Ob das im Alltag immer so geschmeidig läuft wie auf dem Papier, wird sich zeigen.
Mehr Druck auf dem Hamburger Bahnknoten
Der Umbau in Altona steht nicht für sich allein. Die Deutsche Bahn, der Bund und die Stadt Hamburg erweitern und modernisieren gemeinsam die Bahninfrastruktur im und um den Hamburger Hauptbahnhof. Zusätzliche Kapazitäten sollen entstehen, damit das Schienennetz für steigende Fahrgastzahlen gerüstet ist.
Schon heute sind täglich rund 550.000 Reisende und Passant:innen am Hamburger Hauptbahnhof unterwegs – damit zählt er zu den meistfrequentierten Eisenbahnknoten Europas. Durch den Deutschlandtakt, den geplanten Fehmarnbelttunnel nach Dänemark sowie neue Nahverkehrsangebote in Hamburg und den benachbarten Bundesländern wird mit mehr Zügen und Fahrgästen gerechnet. Bis 2040 könnten täglich rund 750.000 Menschen am Hauptbahnhof unterwegs sein.
Geplant sind eine Neugestaltung des Hamburger Hauptbahnhofs und zusätzliche Bahnsteige, damit sich die Personenströme besser verteilen. Eine neue Abstellanlage in Wandsbek soll Rangierfahrten im Hauptbahnhof verringern. Zusätzliche Weichenverbindungen sollen flexiblere Zugfahrten ermöglichen, außerdem ist der Ausbau des derzeit eingleisigen Streckenabschnitts in Richtung Berlin vorgesehen.
Auch die Verbindungsbahn zwischen dem Hauptbahnhof und Altona soll für den Fern- und Regionalverkehr viergleisig umgebaut werden. Dieser Umbau gilt als Voraussetzung für die Umsetzung des Deutschlandtakts. Die Maßnahmen sollen eine schnellere und reibungslosere Abwicklung des Zugverkehrs im Knoten Hamburg ermöglichen. Für Reisende stehen pünktlichere Züge, bessere Verbindungen, kürzere Fahrzeiten und mehr Platz im Bahnhof auf der Wunschliste.
Informationen und Beteiligung im Jahr 2026
Am 18. September 2026 fanden anlässlich des Tags der Schiene Führungen am Hamburger Hauptbahnhof statt. Zwischen dem 20. April und dem 17. Mai 2026 konnten Bürger:innen Hinweise zum geplanten zweigleisigen Ausbau zwischen Hamburg-Rothenburgsort und dem Anckelmannsplatz einreichen. Die Ergebnisse dieser frühen Öffentlichkeitsbeteiligung wurden am 20. Juli 2026 veröffentlicht.
Bereits am 5. Mai 2026 gab es eine Online-Informationsveranstaltung zum Ausbauprojekt. Eine interaktive Karte auf der Website „Masterplan Hamburg“ bietet außerdem einen Überblick über weitere Bahnprojekte im Hamburger Raum. Barrierefrei darstellen lässt sich diese Karte allerdings nicht.
