Wer in Hamburg abends nicht direkt an einer Schnellbahnstation wohnt, kennt das kleine Problem: Der Zug ist da, nur der Weg nach Hause zieht sich noch. Ab kommendem Dienstag soll sich das ändern. Für sechs Euro können HVV-Fahrgäste dann per Taxi zwischen ihrer Wohnadresse und einer von 20 teilnehmenden U- oder S-Bahn-Stationen fahren.

Der Zubringerdienst heißt „Na Huus, to de Bahn“, kurz HUUS, und wird zunächst ein Jahr lang getestet. Das Hamburger Pilotprojekt richtet sich an Hamburgerinnen und Hamburger in den festgelegten Bediengebieten. Gerade in Randzeiten und Stadtteilen mit bislang begrenzter Anbindung soll der Weg zur Bahn leichter werden – ohne eigenes Auto und auch mit kleinem Budget.

20 Stationen, drei Hamburger Gebiete

Zum Start gilt HUUS in ausgewählten Bereichen im Westen, Nordosten und Südosten der Stadt. Im Hamburger Westen liegen die Stationen an den S-Bahn-Linien S1 und S11: Hochkamp, Blankenese, Iserbrook, Sülldorf und Rissen.

Im Nordosten fährt der Dienst an den U1-Stationen Langenhorn Markt, Ochsenzoll, Kiwittsmoor, Langenhorn Nord, Meiendorfer Weg, Buchenkamp, Volksdorf, Buckhorn und Ohlstedt. Dazu kommt die S-Bahn-Station Poppenbüttel.

Im Südosten sind an der S-Bahn-Linie S2 Billwerder-Moorfleet, Mittlerer Landweg, Allermöhe, Nettelnburg und Bergedorf dabei. Die Gebiete wurden wegen eines erkennbaren Bedarfs und der bislang begrenzten Anbindung ausgewählt. Blankenese, Rissen, Poppenbüttel und Bergedorf gehören damit zu den bekannten HUUS-Stationen.

So funktioniert die Fahrt

Bestellt werden die HUUS-Fahrzeuge innerhalb des Bediengebiets über Hansa-Taxi oder über die App „Freenow by Lyft“. Die Taxis stehen an Bushaltestellen ausgewählter Bahnhöfe und sind mit HUUS-Schildern gekennzeichnet. Gefahren wird zwischen einer festen Privatadresse im Bediengebiet und der teilnehmenden U- oder S-Bahn-Station – jeweils in einem Radius von drei Kilometern.

Der Festpreis von sechs Euro gilt, wenn die Fahrt an einer teilnehmenden Station beginnt oder endet und die Wohnadresse im jeweiligen Bediengebiet liegt. Zwischenstopps sind nicht möglich. Bei Freenow ist ausschließlich digitale Zahlung vorgesehen. Wer über Hansa-Taxi bucht, kann bar, per App oder mit Karte bezahlen.

Rechtlich ist HUUS als Linienbedarfsverkehr eingestuft. Dafür werden bestehende Taxi-Fahrzeuge genutzt; zusätzliche Autos kommen also nicht auf die Straße. Stattdessen soll die vorhandene Taxiflotte besser ausgelastet werden. Der Fahrpreis wird nicht aus öffentlichen Mitteln bezuschusst, sondern eigenwirtschaftlich von den Projektpartnern finanziert.

Spät unterwegs, früh wieder da

Sonntag bis Donnerstag läuft der Service in der Regel von 21:00 bis 00:30 Uhr. Freitag, Samstag und vor Feiertagen fahren die Taxis von 21:00 bis 05:00 Uhr. Das ist die Zeit, in der Busverbindungen dünner werden und der Heimweg schon einmal länger dauert als geplant.

HUUS soll die Verbindung zwischen verschiedenen Verkehrsmitteln verbessern und den Zugang zum öffentlichen Nahverkehr erleichtern. Für die Fahrgäste bleibt dabei die letzte Strecke zur Haustür oder der erste Weg zur Bahn – je nachdem, wo die Fahrt beginnt.

Während des zunächst einjährigen Pilotprojekts werden Nutzung und Akzeptanz ausgewertet. Danach soll entschieden werden, ob HUUS auf weitere Stadtteile ausgeweitet wird. Erst einmal heißt es also: App öffnen, Station auswählen, sechs Euro bereithalten – und schauen, wie gut der kurze Abstecher vom Bahnsteig nach Hause im Hamburger Alltag funktioniert.