Ein Zug, der einfach weiterfährt: Der ICE 75 von Hamburg nach Basel rauschte am Montagnachmittag ohne Halt am Bahnhof Uelzen vorbei. Der planmäßige Halt wäre um 15:08 Uhr gewesen. Stattdessen blieb der Hundertwasser-Bahnhof draußen vor den Fenstern liegen, während bei den Fahrgästen langsam die Irritation um sich griff.

Per Durchsage erklärte der Zugchef, dass Lokführer mit einem eigenen digitalen Fahrplan arbeiten. Uelzen sei aus unbekannten Gründen nicht in diesen digitalen Fahrplan eingetragen gewesen. Der Triebfahrzeugführer sei dafür nicht verantwortlich, betonte der Zugchef – irgendwo sei ein menschlicher Fehler passiert. Ein ziemlich folgenreicher, wenn man gerade aussteigen oder in Uelzen umsteigen wollte.

Weiterfahrt bis Celle

Die Deutsche Bahn bezeichnete den konkreten Vorfall als menschliches Versagen. Zugleich verwies ein Bahnsprecher darauf, dass solche Fälle angesichts von täglich mehr als 300.000 Zughalten in Deutschland sehr selten seien. Für die betroffenen Reisenden half das in diesem Moment vermutlich nur bedingt.

Sie sollten in Celle aussteigen und mit dem Metronom zurück nach Uelzen fahren. Als Entschädigung konnten sie sich zuvor in Wagen 10 ein Freigetränk ihrer Wahl abholen. Kaffee, Wasser oder etwas Kaltes gegen den Ärger – immerhin.

Oberleitungsstörung legte Strecke lahm

Uelzen war auch am 22. September 2025 Schauplatz einer deutlich größeren Bahnbehinderung. Eine schwerwiegende Oberleitungsstörung führte damals zu erheblichen Einschränkungen im norddeutschen Bahnverkehr. Alle ICE-Verbindungen zwischen Hamburg und Berlin fielen in beiden Richtungen aus. Betroffen waren außerdem der Fern- und Regionalverkehr zwischen Hamburg und Hannover.

Fernverkehrszüge wurden umgeleitet, wodurch Verspätungen von etwa 30 bis 50 Minuten entstanden. Die Halte in Celle, Uelzen und Lüneburg entfielen ersatzlos. Um die Ausweichstrecken zu entlasten, strich die Deutsche Bahn zusätzlich einzelne Zugverbindungen; eine genaue Zahl wurde zunächst nicht genannt.

Reisende zwischen Hamburg und Berlin sollten über Hannover ausweichen. Auf dieser Strecke wurde mit hoher Auslastung gerechnet. Mehr Zeit einzuplanen und sich vor Reisebeginn über die Verbindungen zu informieren, war deshalb ausdrücklich ratsam – sonst wurde es schnell eng, nicht nur im Fahrplan.

Für den Regionalverkehr richtete die Metronom Eisenbahngesellschaft einen Schienenersatzverkehr mit Bussen zwischen Hamburg und Hannover ein. Die Ursache des Oberleitungsschadens war zunächst unklar. Techniker der DB-Infrastrukturgesellschaft InfraGo arbeiteten an der Reparatur; nach ersten Einschätzungen sollten die Arbeiten bis zum Nachmittag desselben Tages dauern.

Brisant war der Zeitpunkt auch deshalb, weil die betroffene Strecke bereits wegen der Sanierung der regulären ICE-Strecke Hamburg–Berlin vom Fernverkehr genutzt wurde. Informationen zu Verspätungen und Zugausfällen gab es auf der DB-Website und in der DB-Navigator-App.

Mehr Takt für Bauarbeiten

Wie stark Bauarbeiten den Zugverkehr treffen, hängt nicht nur von einzelnen Störungen ab, sondern auch davon, wie Sperrzeiten geplant und gebündelt werden. Das Programm „SB² – Bauen im Takt“ entwickelt dafür standardisierte Sperrzeiten-Container für Instandhaltungs- und Investitionsmaßnahmen. Bis 2027 soll die Baubetroffenheit der Züge gegenüber 2023 um 30 Prozent sinken.

Als wesentlicher Hebel gilt die Ausregelung der Investitions-Container im Netzfahrplan. Instandhaltungs-Container werden seit Juni 2024 umgesetzt. Mehr als 80 Prozent der Instandhaltungsarbeiten an Strecken, Knoten, S-Bahn-Anlagen und zur präventiven Instandhaltung werden bereits getaktet durchgeführt. Im ersten Halbjahr 2025 stieg der Anteil taktkonform durchgeführter Instandhaltungsmaßnahmen auf 85 Prozent.

Durch die Bündelung der Arbeiten in den Containern erhöhte sich deren Belegungsgrad stabil auf 70 Prozent. Im zweiten Halbjahr 2025 sollte die Container-Taktung in Abschnitten mit gutem Netzzustand auf acht Wochen angepasst werden. Der Belegungsgrad soll dadurch weiter steigen, Zielwert sind 80 Prozent.

Für Ende 2025 wurde erwartet, dass die Baubetroffenheit der Zugverkehre von Eisenbahnverkehrsunternehmen, kurz EVU, 15 Prozent unter dem Vorjahreswert liegt. Die Vorbereitungen für die Investitions-Container im Netzfahrplan 2027 sind abgeschlossen, die Sperrzeiten dafür wurden in den Netzfahrplan aufgenommen. Wenn der digitale Fahrplan dann auch den richtigen Halt kennt, wäre schon viel gewonnen.