Infraplan für NRW: Bahnprojekte zwischen Köln, Bonn und der Eifel sollen schneller fertig werden
Heute, am 6. Oktober 2026, geht es beim Bahnbau in Nordrhein-Westfalen um mehr als einzelne Baustellen: Das Bundesverkehrsministerium will mehrere Schienenbauprojekte verbindlich beschleunigen. Dafür legt es erstmals einen sogenannten Infraplan vor, der an diesem Tag an die für die Schiene zuständige DB-Tochter InfraGO übergeben werden soll.
Das 83-seitige Dokument beschreibt, welche Sanierungen und Ausbauten des Bahnnetzes in den kommenden fünf Jahren umgesetzt werden sollen. Bislang waren solche Vorhaben überwiegend auf viele Einzelprojekte verteilt und finanziell meist nur jeweils für ein Haushaltsjahr zugesagt. Nun soll klarer sein, was zuerst kommt – und was tatsächlich fertig werden muss.
Mehr Tempo zwischen Köln, Aachen und Bonn
Im Raum Köln steht der noch fehlende zweite Bauabschnitt der Ausbaustrecke zwischen Köln und Aachen im Mittelpunkt. Er soll bis 2029 fertiggestellt werden. Auch die S-Bahn-Linie S13 ist Teil der Planung: Sie soll unter anderem durch neue Haltestellen von Troisdorf bis Bonn verlängert werden.
Der erste Bauabschnitt zwischen Troisdorf und Bonn-Beuel soll laut Infraplan noch 2026 vollständig fertig werden. Das ist knapp getaktet. Auf den Baustellen dürfte es also weiter rattern, rangieren und gelegentlich auch ordentlich stauben.
Elektrifizierung für die Eifelstrecken
Vorgesehen ist außerdem die Elektrifizierung der Eifelstrecke zwischen Hürth und Nettersheim. Genannt werden ebenso die Erfttalbahn zwischen Euskirchen und Bad Münstereifel sowie die Voreifelbahn zwischen Bonn und Euskirchen.
Elektrifizierte Strecken ermöglichen laut dem zugrunde liegenden Bericht meist kürzere Fahrzeiten und eine bessere Pünktlichkeit. Für Fahrgäste klingt das erst einmal unspektakulär, ist im Alltag aber der Unterschied zwischen einem knappen Anschluss und einer langen Wartezeit am Bahnsteig.
Zum Infraplan gehören darüber hinaus Korridorsanierungen zwischen Hagen und Köln sowie zwischen Troisdorf und Wiesbaden. Verbesserungen beim Lärmschutz sind unter anderem in Bielefeld und Gütersloh vorgesehen. In Minden soll ein zusätzlicher Bahnsteig entstehen.
Verbindliche Ziele statt Einzelzusagen
Mit dem Infraplan setzt das Ministerium Prioritäten für die Infrastruktur. Die darin aufgeführten Maßnahmen sollen von DB InfraGO innerhalb von höchstens fünf Jahren verbindlich umgesetzt werden. Der Plan soll nicht nur Priorisierung und Verbindlichkeit schaffen, sondern auch Kontrolle und Transparenz ermöglichen.
Nach Angaben des Verkehrsministeriums bündelt das Dokument erstmals öffentlich, leicht zugänglich und einheitlich Maßnahmen, Kennzahlen und Einordnungen zur Entwicklung der Eisenbahninfrastruktur. Das klingt trocken, ist aber politisch nicht ganz unwichtig: Wer Ziele, Fristen und Kennzahlen nebeneinanderlegt, kann später leichter nachsehen, was aus den Ankündigungen geworden ist.
Wie die Infrastruktur finanziert wird
Der Blick auf die Finanzierung führt über Nordrhein-Westfalen hinaus. Die Infrastrukturinvestitionen des DB-Konzerns werden hauptsächlich durch Eigenkapitalmaßnahmen des Bundes sowie durch Zuschüsse von Bund, Ländern und Gemeinden finanziert. Die 2025 erhaltenen Investitionszuschüsse flossen überwiegend in die Infrastruktur.
Wesentliche Grundlagen bilden die Leistungs- und Finanzierungsvereinbarung, kurz LuFV, und das Bundesschienenwegeausbaugesetz, BSWAG. Weitere Zuschüsse gibt es unter anderem für Investitionen nach dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz, für Lärmsanierungsmaßnahmen des Bundes und für die Ausstattung der Infrastruktur mit dem Europäischen Eisenbahnverkehrsleitsystem ERTMS.
Hinzu kommen Mittel zur Beseitigung hochwasserbedingter Infrastrukturschäden aus dem Fonds „Aufbauhilfe 2021“ sowie EU-Förderungen für Investitionen in transeuropäische Netze über die Connecting Europe Facility, kurz CEF. Neben den Investitionszuschüssen erhält der DB-Konzern ertragswirksame Zuschüsse, die ebenfalls größtenteils der Infrastruktur zugutekommen.
Seit 2024 können aufgrund von Änderungen des BSWAG und der LuFV auch Instandhaltungsaufwendungen für die Schieneninfrastruktur vom Bund bezuschusst werden. Weil die Instandhaltungsmaßnahmen ausgeweitet wurden, stiegen die ertragswirksamen Zuschüsse 2025 deutlich.
In der Bilanz werden Investitionszuschüsse direkt von den Anschaffungs- und Herstellungskosten der geförderten Vermögenswerte abgezogen. Zuschüsse und Eigenkapitalmaßnahmen werden so erfasst, dass die zuständigen Behörden ihre zweckgerechte und rechtskonforme Verwendung umfassend prüfen können. Als Eigenkapital gewährte Zuschüsse finanzieren zwar die bezuschussten Vermögenswerte, verändern aber nicht deren Anschaffungs- und Herstellungskosten.
Jetzt liegt der Plan bei InfraGO. Auf den Strecken zwischen Köln und Aachen, im Raum Bonn und hinein in die Eifel soll sich in den nächsten Jahren zeigen, ob aus den festgelegten Prioritäten auch pünktlich fertige Bahnprojekte werden.
