Lampertswalde macht den Bahnhof stufenfrei und zum grünen Mobilitätsort
Am Bahnhof Lampertswalde ist der Baustellenstaub Geschichte. Die Deutsche Bahn hat die umfassende Modernisierung abgeschlossen. Rund 3,5 Millionen Euro investierten Bund, Zweckverband Verkehrsverbund Ostsachsen (ZVVO) und DB gemeinsam in den Standort – damit Reisende künftig bequemer, besser informiert und ohne Stufen zum Zug kommen.
Das Projekt lief in mehreren Etappen. Von September 2024 bis 2025 wurde der 170 Meter lange Bahnsteig neu gebaut und erhöht. Auch die Zugänge wurden erneuert und angehoben, sodass ein stufenfreier Zugang möglich ist. Energieeffiziente LED-Leuchten sorgen für Licht, ein neues Wetterschutzhaus für Schutz bei Regen und Wind. Dazu kamen ein größerer digitaler Monitor mit Abfahrts- und Reiseinformationen, ein taktiles Leitsystem für blinde und sehschwache Menschen, neue Aushangvitrinen und eine neue Sitzbank.
Vom Bahnhof zum Mobilitätsstandort
Zwischen Februar und August 2026 ging es am Bahnhof weiter. Neue Gehwegmarkierungen und die Erweiterung des taktilen Leitsystems im Zugangsbereich sowie auf dem Bahnhofsvorplatz verbessern die Orientierung. Gleichzeitig wurde die Anbindung an das öffentliche Wegenetz verbessert.
Vor Ort gibt es nun zusätzliche Sitzgelegenheiten, vorhandene Sitzbänke wurden ausgetauscht. Auch Elemente des Wetterschutzhauses erhielten eine Erneuerung. Für Fahrräder stehen sechs neue Fahrradbügel bereit. Aufenthaltsbereiche mit Betonhockern und einer Informationsstele laden zum kurzen Warten oder längeren Verweilen ein; eine neu gepflanzte Hecke fasst diese Flächen ein.
Zwischen Bahnsteig und Zaun ist es außerdem grüner geworden: Eine Blühwiese, Sträucher und Frühblüher werten die Fläche ökologisch auf. Ein Insektenhotel gehört ebenfalls dazu. Und damit niemand rätseln muss, wo er eigentlich ausgestiegen ist, wurde das Namensschild „Lampertswalde“ angebracht.
Auch das Umfeld wurde angefasst
Die Arbeiten endeten nicht an der Bahnsteigkante. Am Empfangsgebäude wurden Sichtblenden an Fenstern und Türen angebracht, die Fassade gereinigt sowie Fenster und Türen neu gestaltet. Graffitischutzfolien sollen die überarbeiteten Flächen künftig besser schützen.
Das Trafohäuschen erhielt eine künstlerische Gestaltung. Entlang des Bahnsteigs entstand zudem ein Stabmattenzaun, der unerlaubte Zugänge über angrenzende Grundstücke verhindern soll. Ein Waren- und Leistungsautomat eines lokalen Anbieters ergänzt das Angebot – praktisch, wenn vor der Fahrt noch schnell etwas gebraucht wird.
Die DB verbindet mit der Modernisierung mehrere Ziele: Barrierefreiheit, mehr Aufenthaltsqualität, Nachhaltigkeit und eine stärkere regionale Identität am Bahnhof. Als Ansprechpartner wird Jörg Bönisch, Sprecher für Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, genannt.
Barrierefreiheit endet nicht am Bahnsteig
Der Umbau in Lampertswalde passt in einen größeren Zusammenhang. Barrierefreiheit im öffentlichen Personennahverkehr ist Bestandteil der ÖPNV-Strategie 2030. Gemeint ist nicht nur die Station selbst, sondern die gesamte Reisekette – von der Wohnung über den Zugang und den Bahnsteig bis zum Fahrzeug und zum Zielort. Mobilitätsangebote sollen allen Menschen offenstehen; der ÖPNV erfüllt dabei eine gesetzliche Rolle als Teil der Daseinsvorsorge.
Dazu gehören barrierefreie Haltestellen und Stationen, geeignete Zuwege und die direkte Zugänglichkeit für den Fußverkehr. Auch Fahrzeuge sollen möglichst barrierefrei sein. Für vom Land geförderte Regiobusse gelten bereits ein niederfluriger Einstieg, mindestens nach dem „Low-Entry“-Standard, sowie eine Klapprampe. Vorgeschrieben ist außerdem eine Mehrzweckfläche für Rollstühle, Fahrräder und Kinderwagen.
In Fahrzeugen zählen neben dem Einstieg auch die Details des Alltags: Stellplätze für Kinderwagen, Rollstühle, Rollatoren, Fahrräder, Pedelecs und Elektrokleinfahrzeuge, ausreichend viele und saubere Toiletten, Steckdosen, Monitore für Fahrgastinformationen, WLAN, Kameraüberwachung und Sicherungstechnik sowie eine hochwertige und komfortable Innenraumgestaltung. Für Pendler- und Schülerverkehr braucht es in den Hauptverkehrszeiten ausreichend große Fahrzeugflotten. Längere Züge und/oder mehr Doppelstockzüge können dabei helfen. Die Kapazitätsrichtlinien für den Schienenpersonennahverkehr sollen kontinuierlich weiterentwickelt werden – zwischen Komfort, Wirtschaftlichkeit und Barrierefreiheit bleibt also einiges abzuwägen.
Informationen müssen ebenfalls durchgängig zugänglich sein: in Apps, auf Haltestellenanzeigen, durch Durchsagen in Fahrzeugen und an Bahnhöfen sowie bei der Bedienung von Fahrkartenautomaten. Die Herstellung möglichst umfassender Barrierefreiheit ist deshalb keine einmalige Baustelle, sondern eine kontinuierliche Aufgabe.
Förderung und Verantwortung
Das Land fördert den barrierefreien Ausbau des ÖPNV vor allem über das Landesgemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (LGVFG). Antragsberechtigt sind insbesondere Kommunen und Verkehrsunternehmen. Unterstützt werden der Umbau und die Nachrüstung bestehender, verkehrswichtiger ÖPNV-Anlagen und -Einrichtungen zur vollständigen Barrierefreiheit. Der Fördersatz beträgt 75 Prozent der zuwendungsfähigen Investitionskosten; zusätzlich gibt es eine Planungskostenpauschale von 10 Prozent dieser Kosten.
Nach dem LGVFG und der Richtlinie Busförderung fördert das Land außerdem die Beschaffung von Linienbussen für den Erhalt, die Einrichtung und die Verbesserung von Linienverkehren sowie bedarfsgesteuerten Linienverkehren nach den genannten Vorschriften des Personenbeförderungsgesetzes. Auch Bürgerbusse für lokal organisierte, ehrenamtliche Verkehrsangebote können bezuschusst werden. Das Verkehrsministerium legt dafür jährlich ein Förderprogramm mit den förderfähigen Vorhaben auf, die Abwicklung übernimmt die L-Bank.
Ein eigenes Förderprogramm „Digitalisierung von Haltestellen“ lief von 2020 bis 2023. In diesem Rahmen wurde die Barrierefreiheit von ÖPNV-Haltestellen in Baden-Württemberg für die elektronische Fahrplanauskunft erfasst. Ziel war, verlässlich anzeigen zu können, welche Routen Menschen mit spezifischen Mobilitätsanforderungen nutzen können. Die Antragsfrist endete am 31. Oktober 2022, gebunden wurden dafür Fördermittel von rund 900.000 Euro.
Die Mehrheit der Bahnstationen in Baden-Württemberg gehört der Deutschen Bahn AG. Bei ihren Stationen ist die DB auch für die Umsetzung der Barrierefreiheit zuständig. Die barrierefreie Modernisierung erfolgt dort über das Bahnhofsmodernisierungsprogramm: BMP I umfasst rund 30 Stationen, BMP II rund 50 Stationen. Lampertswalde liegt zwar nicht in Baden-Württemberg, zeigt aber sehr konkret, wie viele kleine Eingriffe zusammenwirken können – ein höherer Bahnsteig, tastbare Orientierung, gute Wege, Sitzplätze, Licht und ein bisschen Grün. Man merkt es meist erst, wenn etwas davon fehlt.
Quelle: Deutsche Bahn
Weiterführende Informationen: Zukunftsnetzwerk ÖPNV
