Mehr Sprinter, mehr Europa, längere Umwege: Der neue DB-Fahrplan im Baustellencheck
Die Deutsche Bahn hat heute, am 13. Oktober 2026, ihren neuen Fahrplan vorgestellt. Für Reisende klingt das zunächst nach mehr Tempo und mehr Auswahl: Es soll zusätzliche Sprinter-Verbindungen geben, der internationale Verkehr wird ausgebaut, und die Preise bleiben vorerst stabil. Gleichzeitig bleiben Baustellen und Verspätungen die alten Begleiter auf vielen Strecken. Eine ntv-Reporterin erläutert die Änderungen für Fahrgäste.
Ab Mittwoch, 14. Oktober, beginnt der Ticketverkauf für Fahrten nach dem neuen Fahrplan. In Kraft tritt der Fahrplanwechsel am 13. Dezember. Bis Mai 2027 sind im Fernverkehr keine Preiserhöhungen vorgesehen; die Fernverkehrspreise bleiben zunächst unverändert. Wer schon einmal am Bahnsteig mit dem Handy in der Hand auf eine neue Verbindung gewartet hat, weiß allerdings: Der Preis ist nur die halbe Rechnung.
Mehr Sprinter, kürzere Wege
Ab Dezember plant die Bahn deutschlandweit rund 70 tägliche Sprinter-Fahrten auf wichtigen Strecken. Zwischen Hamburg und München startet eine neue ICE-Sprinter-Linie mit drei Verbindungen täglich je Richtung. Die Züge halten nur in Hannover und Nürnberg. Ihre planmäßige Fahrzeit beträgt fünf Stunden und 20 Minuten – rund 20 Minuten weniger als bisher.
Auch Berlin und Stuttgart rücken näher zusammen. Die dortige ICE-Sprinter-Linie wird von einer auf drei tägliche Verbindungen je Richtung ausgebaut. Die Fahrt dauert etwa vier Stunden und 45 Minuten. Damit ist der Sprinter ungefähr eine Stunde schneller als ein ICE mit Halt in Frankfurt.
Daneben sind mehr Fahrten zwischen Berlin und Hamburg angekündigt. Eine direkte Verbindung zwischen Berlin und Jena soll zurückkehren, außerdem ist eine neue Direktverbindung von Saarbrücken nach Hamburg geplant. Auch Ostwestfalen soll eine neue Verbindung nach München erhalten. Das Familienticket, das in den Sommerferien erfolgreich getestet wurde, will die Bahn dauerhaft anbieten.
Mit dem Zug über die Grenze
Beim internationalen Fernverkehr legt die Bahn ebenfalls zu. Ab Dezember soll es täglich mehr als 320 internationale Zugfahrten geben – etwa 20 Prozent mehr als vor fünf Jahren und nach Angaben der Bahn 20 Verbindungen mehr als bisher. Mehr als 200 Städte in 14 Ländern sollen direkt erreichbar sein. Häufiger fahren sollen Züge nach Italien, Frankreich, Österreich und Dänemark.
Auch der DB Navigator wird beim Ticketkauf für ausländische Bahnunternehmen erweitert. Mehr als 10.000 europäische Reiseziele sind buchbar, unter anderem mit Tickets der Österreichischen Bundesbahnen, von Trenitalia und Eurostar. Bis Ende 2026 sollen zusätzlich Tickets der niederländischen Bahn NS und der spanischen Bahn IRYO für Inlandsreisen in den jeweiligen Ländern verfügbar sein.
Auf der Verbindung Hamburg–Kopenhagen steigt die Zahl der Fahrten ab März von fünf auf sieben täglich. Die Züge starten ab 7 Uhr und fahren etwa im Zwei-Stunden-Takt. Zwischen Stuttgart und Paris wächst das Angebot von zehn auf zwölf tägliche Züge, zwischen Frankfurt und Wien von zwölf auf 14.
Ab Sommer ist gemeinsam mit Trenitalia und den Österreichischen Bundesbahnen außerdem eine neue Direktverbindung München–Mailand–Rom geplant. Nach Mailand soll die Fahrt etwa sechs Stunden und 30 Minuten dauern, nach Rom etwa acht Stunden und 30 Minuten. Das klingt nach einer ziemlich brauchbaren Alternative zum Flug – sofern die Baustellen nicht wieder dazwischenfunken.
Baustellen bremsen den Fahrplan
Genau dort liegt der Haken. Wegen umfangreicher Bauarbeiten kommt es weiterhin zu Umleitungen und längeren Fahrzeiten; einzelne Verbindungen fallen weg oder dauern länger. Die rund 230 Kilometer lange Strecke zwischen Lehrte und Berlin wird erneuert und bleibt bis Dezember 2027 vollständig gesperrt.
Für Reisende zwischen Berlin und Hannover bedeutet das eine Verlängerung der Fahrzeit um etwa 80 Minuten auf rund 180 Minuten. Einige Verbindungen auf dieser Strecke entfallen. Die Bahn saniert außerdem die Strecken Hannover–Berlin, Hanau–Fulda sowie Rosenheim–Freilassing/Salzburg. Für 2027 sind unter anderem Sanierungen zwischen Rosenheim und Salzburg sowie zwischen Fulda und Hanau geplant.
Umleitungen und geänderte Fahrzeiten sollen laut Bahn bereits in der Reiseauskunft angezeigt werden. Ob die Anzeige dann auch rechtzeitig entdeckt wird, bevor man mit Koffer, Kaffee und leicht wachsender Ungeduld am falschen Gleis steht, ist freilich eine andere Sache.
Der Fahrplan bleibt in der Fläche insgesamt stabil, während auf den Hauptachsen kräftig umgebaut wird. Zwischen Hannover und Berlin verlängert sich die planmäßige Fahrzeit um etwa 80 Minuten. Dafür gibt es mehr Sprinter, zusätzliche internationale Züge und neue Direktverbindungen. Der neue Fahrplan ist ab 14. Oktober buchbar und gilt ab 13. Dezember.
