Am Herforder Stuckenberg könnten noch in diesem Herbst acht Erkundungsbohrungen beginnen. Die Deutsche Bahn will damit prüfen, ob Tunnel durch den Obernberg für eine mögliche neue ICE-Trasse zwischen Bielefeld und Hannover technisch und geologisch machbar wären. Sechs Bohrpunkte liegen auf Herforder Stadtgebiet, zwei im benachbarten Bad Salzuflen. Die Bohrungen sollen bis zu 125 Meter tief reichen.

Ein Teil der vorgesehenen Standorte liegt in geschützten Bereichen, darunter im Naturschutzgebiet Stuckenberg. Für die Arbeiten braucht die Bahn beim Kreis Herford Befreiungen von den Verboten des Landschaftsplans Herford-Hiddenhausen sowie eine wasserrechtliche Erlaubnis. Die Anträge gingen nach Angaben des Kreises am 17. August ein. Genehmigt ist bislang nichts.

FDP verlangt Stopp der Probebohrungen

Die FDP im Herforder Kreistag fordert, die Bohrungen nicht zu genehmigen. Fraktionschef Stephen Paul verweist auf den Schutzstatus des Stuckenbergs und verlangt, den Landschaftsplan konsequent anzuwenden. Auch die laufende Erstellung eines neuen Landschaftsplans wirft für die Liberalen Fragen auf. Paul argumentiert, der Kreis könne nicht von Eigentümern und Landwirten Naturschutz verlangen und gleichzeitig bei einem Projekt der Deutschen Bahn Ausnahmen zulassen.

Der Naturschutzbeirat hatte Bedenken gegen die Bohrungen geäußert, aber keinen Widerspruch eingelegt. Vertreter des Kreises hatten erklärt, den Anträgen entsprechen zu wollen, sofern das vorgelegte Konzept die Anforderungen erfüllt. Kreissprecher Patrick Albrecht betont zugleich, eine Befreiung könne nur erteilt werden, wenn die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt seien.

Geprüft werden unter anderem eine umweltfachliche Baubegleitung, Bau-Tabuzonen, die möglichst ausschließliche Nutzung vorhandener Wege sowie Vorgaben zum Artenschutz. Dazu kommen weitere Schutz- und Genehmigungsauflagen. Der Kreis bewertet die Bohrungen als zeitlich und räumlich begrenzte Vorerkundung. Ob es vorübergehend zu Eingriffen und Beeinträchtigungen kommt, soll im Genehmigungsverfahren untersucht werden.

Eine politische Ablehnung des Gesamtprojekts reiche nicht aus, um die Probebohrungen zu verweigern, stellt der Kreis klar. Entscheidend sei ausschließlich, ob die gesetzlichen Voraussetzungen für die beantragten Arbeiten erfüllt sind. Seine grundsätzliche Position zur Bahnpolitik beschreibt der Kreis als Zustimmung zu einem wirtschaftlichen Ausbau sowie zur Instandhaltung und Verbesserung der bestehenden Bahnstrecke.

Neue Bahnstrecke soll 31 Minuten Fahrzeit ermöglichen

Hinter den Bohrungen steht das Bahnprojekt Hannover–Bielefeld. Geplant sind zwei zusätzliche Gleise, eine Fahrzeit von 31 Minuten sowie Möglichkeiten für Güterzugverkehr und den Deutschlandtakt. Mehr Nah-, Fern- und Güterzüge sollen unterwegs sein; der Bahnhof Bielefeld soll zusätzliche Gleise erhalten.

Für Pendelnde stellt die Projektseite doppelt so viele Nahverkehrszüge und mehr Halte in Aussicht. Fern- und Geschäftsreisende sollen von mehr und schnelleren Fernzügen profitieren. Unternehmen und Kunden könnten mehr klimaverträglichen Güterverkehr nutzen, außerdem werden zusätzliche Arbeitsplätze im Zusammenhang mit dem Projekt genannt.

Dass die bestehende Strecke allein nicht ausreicht, ist Teil der bisherigen Planungsgeschichte. Das Bundesverkehrsministerium beauftragte die Deutsche Bahn 2020 mit der Planung. Zunächst wurden ein Suchraum festgelegt und die vorhandene Strecke untersucht. Ein Ausbau im Bestand wurde als nicht ausreichend für die Projektziele bewertet.

Bei den Gesprächen von Bahn und Region spielten Raumwiderstände eine Rolle, darunter Heilquellen, die bei der Planung möglichst gemieden werden sollen. Daraus entwickelte die Bahn erste Grob-Korridore. 2022 diskutierten Bahn und Region gemeinsam 196 Kriterien zur Bewertung möglicher Trassen. Im Jahr 2023 entstanden Fahrzeit-Korridore und darin rund 1.000 Meter breite Trassen-Korridore.

Nur noch zwei Korridor-Varianten in der Vorplanung

Ab August 2024 stellte die Bahn die bewerteten Trassen-Korridore online und bei Veranstaltungen vor Ort öffentlich vor. Eingegangene Hinweise und Anregungen wurden geprüft und berücksichtigt. Am 5. Dezember 2025 schrumpfte die Zahl der Trassen-Korridor-Varianten von zwölf auf zwei. In der Vorplanung werden nun V3 und V4 genauer untersucht.

  • V3 führt von der Schaumburger Börde über Nammen nach Bad Salzuflen.
  • V4 verläuft von der Schaumburger Börde über Nammen nach Herford-Nord.

Welche Variante am Ende weiterverfolgt wird, ist damit noch nicht entschieden. Für die Anbindungen bei Hannover im Raum Seelze werden unterschiedliche Segment-Varianten verglichen, um eine Vorzugsvariante zu ermitteln. In einigen Jahren soll eine Baugenehmigung vorliegen.

Über den Fortgang informierte das Projekt unter anderem bei einem Regional-Treffen am 23. September 2025 in Bad Nenndorf. Am 9. April 2026 folgten ein Regional-Treffen und Info-Märkte in der Region. Weitere zukünftige Termine sind derzeit nicht angegeben.

Bohrkerne als Entscheidungshilfe

Für Herford bleibt zunächst die Frage am Boden – genauer gesagt tief darunter. Die Ergebnisse der Erkundungsbohrungen könnten zeigen, ob ein Tunnelbau unter dem Obernberg überhaupt möglich ist. Sollte sich herausstellen, dass ein Tunnel technisch oder geologisch nicht realisierbar ist, könnte die entsprechende ICE-Trassenvariante entfallen.

Bis dahin treffen Naturschutz, Genehmigungsrecht und die überregionale Bahnplanung am Stuckenberg aufeinander. Die FDP drängt auf eine Ablehnung, während der Kreis die Entscheidung an die gesetzlichen Voraussetzungen und an konkrete Schutzmaßnahmen bindet. Die Anträge der Bahn liegen seit dem 17. August vor; eine Genehmigung gibt es am 26.09.2026 weiterhin nicht.