Totalsperrung am Bahnhof Görlitz: Bauarbeiten machen Regionalzüge zu Bussen
Wer heute am Bahnhof Görlitz unterwegs ist, braucht Geduld und am besten einen Blick aufs Handy. Seit Donnerstag, dem 8. Oktober 2026, ist der Bahnhof samt angrenzender Strecken für eine Woche vollständig gesperrt. Die Totalsperrung dauert bis einschließlich Mittwoch, 14. Oktober. Mehrere Regionalbahnlinien fallen aus oder enden vorzeitig, stattdessen fahren Busse – mit längeren Fahrzeiten und zusätzlichen Umstiegen.
Die Deutsche Bahn bündelt Bau- und Instandhaltungsarbeiten im Bahnhof und auf den benachbarten Strecken. Geplant sind unter anderem Instandhaltungs-, Stopf- und Kabeltiefbauarbeiten, Abbrucharbeiten, das Einbringen von Spundwänden sowie der Rückbau von Teilen des Post- und Gepäcktunnels. Gleichzeitig wird die Strecke Richtung polnische Grenze modernisiert und elektrifiziert. Teile der Arbeiten laufen gemeinsam mit dem polnischen Infrastrukturbetreiber PKP PLK.
Regionalverkehr fährt abschnittsweise mit Bussen
Betroffen sind RE1, RB60, RB64 und RB65. Auf der Strecke Dresden–Görlitz–Zgorzelec enden RE1 und RB60 bereits in Reichenbach/Oberlausitz. Zwischen Reichenbach und Görlitz beziehungsweise Zgorzelec übernehmen Ersatzbusse den Verkehr. Für die Verbindung zwischen Zgorzelec/Görlitz und Dresden gilt damit ebenfalls: Zwischen Görlitz und Reichenbach muss umgestiegen werden.
Der Ersatzverkehr hält unter anderem am Bahnhof Reichenbach, am Bahnhof Gersdorf und in Görlitz-Rauschwalde an der Haltestelle Zwei Linden. In Görlitz wechselt der Einstiegspunkt während der Sperrwoche: Am 8. und 9. Oktober fahren die Busse vom Bahnhof-Südausgang an der Sattigstraße ab, vom 10. bis 14. Oktober auf der Seite der Bahnhofstraße. Wer einfach dem gewohnten Weg folgt, steht sonst womöglich am falschen Bordstein.
In der Nacht vom 9. auf den 10. Oktober wird der Ersatzverkehr laut DB bis Bischofswerda ausgeweitet. Die Länderbahn weist zudem darauf hin, dass ihre betrieblichen Ersatzfahrpläne für den Görlitzer Abschnitt bis in den 15. Oktober reichen. Die konkrete Verbindung sollte kurz vor der Abfahrt im DB Navigator oder in der trilex-Auskunft geprüft werden.
Auch die Verbindungen von und nach Polen sind betroffen. Zwischen Görlitz und Zgorzelec besteht bereits vor Beginn der Totalsperrung Ersatzverkehr. Wer von oder nach Wrocław unterwegs ist, muss in Görlitz zusätzlich zwischen Ersatzbussen umsteigen. Die polnische Koleje Dolnośląskie weist für die Strecke D10 Wrocław–Legnica–Zgorzelec–Görlitz ebenfalls auf Busverkehr zwischen Zgorzelec und Görlitz hin.
Die Fahr- und Umsteigezeiten können sich deutlich verlängern. Für Anschlüsse empfiehlt sich ein Zeitpolster oder gleich eine frühere Verbindung. Vorhandene Fahrscheine gelten in den Ersatzbussen weiter, ein Ticketverkauf im Bus ist laut trilex jedoch nicht vorgesehen. Fahrräder können wegen der begrenzten Buskapazitäten nicht garantiert mitgenommen werden.
RB64 und RB65: unterschiedliche Fahrpläne je nach Tag
Auf der ODEG-Linie RB64 zwischen Hoyerswerda und Görlitz beginnen die Änderungen bereits am 7. Oktober um 21.15 Uhr und sind bis 15. Oktober, 8 Uhr, angekündigt. Zwischen Niesky und Görlitz fallen die regulären Züge aus; an einzelnen Tagen sind auch Verbindungen zwischen Hoyerswerda und Niesky betroffen.
Die Ersatzbusse bedienen unter anderem Niesky Bahnhof, Mückenhain Alte Schule als Ersatzhalt für Kodersdorf und den Bahnhof Görlitz. Bei einzelnen Verbindungen von und nach Hoyerswerda ist in Niesky ein Umstieg nötig. Die Busfahrten unterscheiden sich je nach Tag. Als Beispiele nennt der Fahrplan Niesky 7.31 Uhr – Görlitz 8.13 Uhr sowie Görlitz 7.41 Uhr – Niesky 8.23 Uhr.
Auch auf der RB65 zwischen Zittau, Görlitz und Horka fallen die Züge aus. Der betreffende Zeitraum beginnt am 7. Oktober um 22.45 Uhr und endet am 15. Oktober um 5 Uhr. Der Zugverkehr Richtung Cottbus setzt je nach Verbindung in Horka oder Weißwasser wieder ein.
Während der Sperrwoche fahren Ersatzbusse zwischen Horka und Görlitz sowie zwischen Görlitz und Zittau. Angefahren werden unter anderem Zittau Bahnhof, Hirschfelde Markt, Ostritz an der Haltestelle Stadt Dresden als Ersatz für Krzewina Zgorzelecka, Hagenwerder Bahnhof, Görlitz-Weinhübel an der Johannes-R.-Becher-Straße, Görlitz Bahnhof, Mückenhain und Horka. Zwei Beispiele aus dem Fahrplan: Zittau 11.04 Uhr – Görlitz 11.54 Uhr – Horka 12.46 Uhr sowie Horka 14.12 Uhr – Görlitz 14.52 Uhr – Zittau 15.54 Uhr. Auch hier unterscheiden sich die konkreten Fahrten je nach Tag.
Bahnhofstunnel zu, Geschäfte bleiben geöffnet
Der Personentunnel im Bahnhof Görlitz bleibt während der Sperrung für den Durchgangsverkehr geschlossen. Teile des Post- und Gepäcktunnels werden zurückgebaut. Geschäfte und Dienstleistungen im Bahnhofsgebäude sollen dagegen geöffnet bleiben – der Kaffee vor der Busfahrt ist also nicht gestrichen, nur der Weg dorthin kann umständlicher werden.
Für mobilitätseingeschränkte Reisende ist ein kostenloser Bahnhofstransfer vorgesehen. Rollstuhlgerechte Taxis sollen zwischen Löbau, Gersdorf, Cottbus, Zgorzelec und Görlitz eingesetzt werden. Zwischen Görlitz und Zittau kann montags bis freitags tagsüber der barrierefreie Linienbus 12 genutzt werden. Die DB empfiehlt, den Mobilitätsservice mindestens 24 Stunden vor Reisebeginn anzumelden.
Für IC- oder ICE-Züge in Görlitz sind keine gesonderten Ausfälle angekündigt. Die veröffentlichten Einschränkungen betreffen den Regionalverkehr mit RE1, RB60, RB64 und RB65. Wer dort in den Fernverkehr umsteigen möchte, sollte wegen der längeren Busfahrzeiten trotzdem zusätzliche Zeit einplanen.
Großbaustelle mit Ziel Dezember 2027
Die Sperrung ist nur ein konzentrierter Abschnitt eines größeren Vorhabens. Neben der laufenden Instandhaltung geht es um die Modernisierung und Elektrifizierung der Strecke Richtung Polen. Die Deutsche Bahn plant, die Arbeiten bis Ende 2027 abzuschließen; die Inbetriebnahme der modernisierten und elektrifizierten Infrastruktur ist weiterhin für Dezember 2027 vorgesehen.
Bis dahin wird es rund um Görlitz voraussichtlich noch weitere Baustellenfahrpläne geben. Für diese Woche heißt das ganz praktisch: Verbindung prüfen, Ticket vorher kaufen, Umstieg nicht zu knapp kalkulieren – und beim Fahrrad lieber nicht darauf wetten, dass noch irgendwo Platz im Bus ist.
