In Löhne hat der Spatenstich für den endgültigen Anschluss des Gewerbegebiets Großer Kamp beziehungsweise „Am Hellweg“ an die B 611 begonnen. Das Gewerbegebiet bei Gohfeld soll damit direkt an die Bundesstraße angebunden werden. Nach Jahrzehnten des Wartens rollen nun tatsächlich die Bauarbeiten an – ein Moment, bei dem mancher vermutlich zweimal hinschaut.

Die ersten Ideen für diese Verbindung stammen aus den 1960er-Jahren. Damit ist das Vorhaben fast so alt wie die Pläne für die Nordumgehung. 2004 legten Stadt, Bund und Land den Standort für den Anschluss fest. Fünf Jahre später, 2009, einigte sich die Stadt mit allen Grundstückseigentümern über den Kauf der benötigten Flächen.

Viele Anläufe, viele Verzögerungen

Bis 2016 waren nach außen kaum Fortschritte erkennbar. Der Baubeginn wurde wiederholt verschoben. Nach dem Bau eines Provisoriums im Jahr 2016 rechnete man zunächst damit, dass 2017 endgültig losgehen würde. Daraus wurde nichts.

2019 zeigten Untersuchungen, dass der Grundwasserspiegel zeitweise zu hoch war. Die Planung musste geändert werden, und dieser Prozess zog sich bis 2021. Zwischendurch erlosch außerdem eine wichtige Genehmigung, die neu eingeholt werden musste.

Damit war die Geduldsprobe noch nicht vorbei. 2023 machte die neue Ersatzbaustoffverordnung eine weitere Anpassung der Planung erforderlich. Im selben Jahr musste zusätzlich geprüft werden, welche Bedeutung archäologische Funde haben. Danach traten laut dem zugrunde liegenden Bericht keine größeren Hindernisse mehr auf. Nun konnten die Bauarbeiten beginnen.

Der jahrzehntelange Planungs- und Genehmigungsprozess gilt als Beispiel für die bürokratischen Schwierigkeiten, die Infrastrukturprojekte ausbremsen können. Als Kontrast wird die vergleichsweise schnelle Umsetzung des Neubaus der Rahmedetalbrücke und anderer Straßenbauprojekte genannt. Beim geplanten Radschnellweg in Löhne gibt es dagegen weiterhin keinen vergleichbaren Fortschritt. Wegen Vorschriften und bürokratischer Hürden wird ein Bau laut Bericht zunehmend als unwahrscheinlich eingeschätzt.

Ein Löhner Fall mit europäischem Nachhall

Dass solche Verzögerungen kein lokales Kuriosum sind, zeigte sich 2026 beim Side Event „Fast Track Europe“ des International Transport Forum in Leipzig. Politik, Wirtschaft und Verbände diskutierten dort über schnellere Planungs- und Genehmigungsverfahren sowie weniger Bürokratie im Verkehrssektor. Es geht um Europas Wettbewerbsfähigkeit, eine zügigere Umsetzung von Infrastrukturprojekten und darum, Investitionen zu erleichtern.

Leistungsfähige Verkehrssysteme, so die Teilnehmer, sind wichtig für wirtschaftliches Wachstum, gesellschaftliche Mobilität und die strategische Resilienz Europas. Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder forderte mehr Tempo bei Planung, Genehmigung und Umsetzung von Infrastrukturprojekten sowie einen Abbau nationaler und europäischer Bürokratie.

Das Bundesverkehrsministerium hat nach Angaben Schnieders bereits nationale Reformen eingeleitet: ein Bürokratieentlastungsgesetz für den Verkehrsbereich und ein Infrastruktur-Zukunftsgesetz. Verfahren sollen vereinfacht, Zuständigkeiten gebündelt und wichtige Projekte schneller umgesetzt werden. Nationale Maßnahmen allein reichen nach Einschätzung der Diskussionsteilnehmer allerdings nicht aus, weil ein erheblicher Teil der administrativen Belastungen auf EU-Regelungen zurückgeht.

Deshalb wurde ein EU-weites Vereinfachungs- und Beschleunigungspaket für den Verkehrssektor gefordert. Die ersten Omnibus-Vorschläge der Europäischen Kommission und die Überprüfung bestehender Regelwerke wurden als positive Signale bewertet. Begrüßt wurde auch, dass die bürokratischen Lasten bei der Erhebung und Übermittlung von Daten zur städtischen Mobilität verringert werden sollen.

Digital statt doppelt und dreifach

Zu den zentralen Forderungen gehören stärker digitalisierte Planungs- und Genehmigungsverfahren, der Abbau von Doppelstrukturen und effizientere Verwaltungsabläufe. Hinzu kommt der „Once-only“-Grundsatz: Daten von Bürgern und Unternehmen sollen nur einmal erhoben werden, statt sie bei mehreren Stellen immer wieder abzufragen.

Seán Canney, irischer Staatsminister im Verkehrsministerium, verwies auf einen irischen Bericht und Aktionsplan zur Beschleunigung des Infrastrukturausbaus. Irland plant demnach gesetzliche Anpassungen, die Genehmigungen vereinfachen und beschleunigen, eine bessere Abstimmung von Rechten und Pflichten, ressortübergreifende Koordinierung und eine stärkere Bürgerbeteiligung.

Der schnellere Ausbau soll in Irland Wohnraum, Verkehrsnetze und Energiesysteme voranbringen. Zugleich soll er Investitionen, Wettbewerbsfähigkeit, nachhaltiges Wachstum und Klimaschutz unterstützen. Ein ziemlich großes Paket für etwas, das auf dem Papier oft mit einem neuen Absatz in einem Gesetz beginnt.

Der tschechische Verkehrsminister Ivan Bednárik bezeichnete moderne Verkehrsinfrastruktur als zentrale Priorität Tschechiens und der EU. Für geplante Hochgeschwindigkeitsstrecken forderte er geeignete EU-Finanzinstrumente und eine systematische Verringerung des Verwaltungsaufwands bei Genehmigungen. Die tschechische Regierung begrüßt europäische Vereinfachungsinitiativen und will sich daran beteiligen.

Was das Baugewerbe verlangt

Felix Pakleppa vom Zentralverband Deutsches Baugewerbe erklärte, schnellere Verfahren seien für die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit Deutschlands und Europas entscheidend. Er verlangte klarere und besser koordinierte Abläufe, gesetzliche Stichtagsregelungen, die Einführung der materiellen Präklusion, weniger Berichtspflichten und eine ausreichende personelle Ausstattung der Behörden.

Umfangreiche Berichtspflichten und langwierige Genehmigungen bremsen nach seiner Darstellung derzeit die Bauwirtschaft und erhöhen die Kosten. Beim Anschluss des Gewerbegebiets Großer Kamp beziehungsweise „Am Hellweg“ lässt sich die lange Vorgeschichte jedenfalls nicht übersehen: Ideen aus den 1960er-Jahren, ein festgelegter Standort seit 2004, Grundstückskäufe 2009, ein Provisorium 2016, neue Grundwasserplanung bis 2021 und weitere Anpassungen 2023.

Beim Leipziger Treffen bestand zum Abschluss Einigkeit, dass Europas Verkehrsnetze nur durch vereinfachte und beschleunigte Verfahren, gebündelte Zuständigkeiten und schnellere Investitionen rechtzeitig modernisiert und ausgebaut werden können. Der Bürokratieabbau soll dabei nicht auf Kosten der Vorhersehbarkeit, der EU-Ziele, hoher Standards oder der Integrität des Binnenmarkts gehen.

In Löhne steht der Bagger nun trotzdem dort, wo er seit Langem erwartet wurde. Der Anschluss an die B 611 nimmt Form an. Beim Radschnellweg bleibt der Blick dagegen weiter auf Plänen, Vorschriften und Aktenordnern hängen.