Im Warener Stadtwald ging es am 2.10.2026 nicht nur um Bäume. Junge Forst- und Naturschutz-Trainees des Bundesforstes waren während ihrer „Reisezeitphase“ zu Gast, schauten sich die Arbeit vor Ort an und stellten viele Fragen. Bundesweit besuchen sie unterschiedliche Forstbetriebe und Bewirtschaftungsformen – zuvor war die Gruppe in Berchtesgaden, nun führte die Reise in den Norden Deutschlands.

Rund 2700 Hektar umfasst der Warener Stadtwald. Etwa 800 Hektar davon liegen im Müritz-Nationalpark und werden nicht bewirtschaftet. Andere Bereiche dienen der Erholung, dem Wirtschaftsbetrieb oder dem Naturschutz. Dazu kommt die unmittelbare Nachbarschaft zur touristisch geprägten Stadt Waren: Spaziergänger, Sportler, Naturfreunde und wirtschaftliche Interessen treffen hier auf engem Raum aufeinander.

Ein Wald, viele Aufgaben

Stadtförster Arne Strasen und Leon Creutzburg erläuterten den Gästen die Besonderheiten des Waldes und der umliegenden Landschaft. Max Blumenraht hatte Waren gerade wegen dieser unterschiedlichen Nutzungen als Ziel ausgewählt. Julia Geitner aus Sachsen-Anhalt erkannte darin Parallelen zu möglichen späteren Aufgaben beim Bundesforst – etwa bei der Besucherlenkung und beim Ausgleich verschiedener Interessen.

„Wir machen alles und müssen uns entsprechend mit allem auseinandersetzen“, sagte Strasen über die Anforderungen an einen Kommunalwald. Für den Warener Stadtwald wurde bereits Mitte der 1990er-Jahre ein Bewirtschaftungskonzept entwickelt. Darin erhielten einzelne Gebiete unterschiedliche Gewichtungen: einmal stärker für die Erholung, anderswo für Schutz oder Nutzung.

Auch die Trainees sollten nicht bloß zuhören. Strasen forderte die jungen Fachleute auf, Auffälligkeiten im Warener Wald anzusprechen. Die Exkursion sei als gegenseitiger Austausch gedacht; auch die Stadtförster wollten von den Besuchern profitieren. Ein bisschen frischer Blick von außen kann schließlich nicht schaden.

Wasser im Wald halten

Ein aktuelles Vorhaben beschäftigt sich mit dem Wasserrückhalt. Die Stadt untersucht gemeinsam mit einem Planungsbüro, wie Wasser länger im Wald gehalten werden kann. Der gelieferte Text aus einer Veröffentlichung der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg enthält dazu ausschließlich komprimierte beziehungsweise binäre PDF-Daten und keinen auswertbaren Nachrichtenartikel.

In der Vergangenheit wurden im Warener Stadtwald rund 100 Hektar neue Waldflächen angelegt. Nun wird außerdem erneut geprüft, ob ein Bestattungswald beziehungsweise Ruheforst eingerichtet werden kann. Nach Angaben des Stadtförsters gibt es diesmal ernsthafte Bestrebungen, das Vorhaben umzusetzen. Wo genau und wann, ist allerdings noch offen.

Kommunalwald zwischen Kasse und Naturschutz

Der Blick auf Waren passt zu einer größeren Debatte. Nach Angaben des NABU werden Kommunalwälder für Spaziergänge, Sport, Erholung und die Gewinnung von Brennholz genutzt. Städte und Gemeinden besitzen rund ein Fünftel der deutschen Waldflächen. Zugleich drohen dem Kommunalwald wegen der hohen Verschuldung vieler Kommunen Einschnitte.

Die NABU-Broschüre „Zukunft gestalten im Kommunalwald“ zeigt Modelle, wie sich wirtschaftliche Interessen und Naturschutz verbinden lassen. Kommunale Waldbewirtschaftung sichert lokale Arbeitsplätze, erzielt Einnahmen für kommunale Haushalte und ermöglicht der Bevölkerung Erholung, Sport und Brennholzgewinnung. Als öffentliche Waldbewirtschaftung trägt sie außerdem zum Schutz der biologischen Vielfalt bei. Nach Ansicht des NABU sollen die Wälder weiterhin im Interesse der Bürger sowie des Umwelt- und Naturschutzes bewirtschaftet werden.

Sechs Beispiele aus Städten und Gemeinden stellt die Broschüre vor. In Heilbronn fördert das Kreisforstamt grundsätzlich Laubholz und lässt Bäume älter beziehungsweise dicker werden als bisher. Stärkere Buchen und Eichen erhöhen dort die Vielfalt des Waldes und schaffen zusätzliche Vermarktungsmöglichkeiten. In Remscheid sollen Bürger künftig Genossenschaftsanteile am gemeinsamen Wald erwerben können, um zu dessen Erhalt beizutragen.

Das zweijährige Projekt „Zukunft gestalten im Kommunalwald“ entwickelte gemeinsame Thesen und Ansätze für die Zukunft des Kommunalwaldes. Beteiligt waren Akteure aus der Politik, forstliche Verbände auf Landes- und Bundesebene, kommunale Waldbewirtschafter und Naturschutzexperten. Besonders eng arbeitete das Projekt mit dem gemeinsamen Forstausschuss der Bundesvereinigung der kommunalen Spitzenverbände und der Bundesvereinigung „Deutscher Kommunalwald“ zusammen. Gefördert wurde es vom Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit.

Ob im Warener Wald am Ende ein Ruheforst entsteht, bleibt vorerst offen. Ebenso die Frage, wie das Wasser künftig länger zwischen den Bäumen gehalten werden kann. Die Trainees zogen weiter – mit Eindrücken aus einem Wald, in dem Nationalparkschutz, Stadtleben, Erholung, Wirtschaft und Naturschutz gleich nebeneinanderliegen.