Semicentenar: Neues 12-Meter-Denkmal würdigt die Erbauer der Transfogarascher Hochstraße
Seit dem 1. Oktober 2026 steht an der Transfogarascher Hochstraße ein neues Denkmal. Bei Kilometer 111 der DN7C, im Kreis Argeș nahe der Gemeinde Arefu, ragt es auf etwa 1.800 Metern Höhe in die Bergluft. Zwölf Meter misst das Monument, sein Name: „Semicentenar“.
Gewidmet ist es den Soldaten, Ingenieuren und zivilen Arbeitern, die diese Straße durch das Făgăraș-Gebirge gebaut haben. Entworfen wurde das Denkmal vom Architekten Pompiliu Soare und dem Bildhauer Adrian Ilfoveanu. Die zentrale Figur ist acht Meter hoch, eine aufgerichtete menschliche Gestalt. An ihrer Basis ist eine Darstellung Rumäniens angebracht. Oben pfeift vermutlich der Wind durch die Konstruktion, während unten Reisebusse, Motorräder und Autos anhalten.
Ein neuer Halt an der „Straße in den Wolken“
Der Gedenkort liegt an jener spektakulären Verbindung zwischen der historischen Region Muntenien und Transsilvanien. Der Transfăgărășan, wie die DN7C auf Rumänisch heißt, führt über das Făgăraș-Gebirge in den Karpaten. Er verbindet das Argeș-Tal in der Großen Walachei mit dem Olt-Tal in Siebenbürgen und verläuft – je nach Abgrenzung – auf rund 149,82 bis 151 Kilometern von Bascov bei Pitești nach Cârțișoara. Die eigentliche Hochgebirgsstrecke beginnt in Căpățânenii Ungureni und endet vier Kilometer hinter Cârțișoara an der DN 1 beziehungsweise Europastraße E 68.
Von Curtea de Argeș geht es zunächst über Căpățânenii Ungureni zum Wasserkraftwerk der Vidraru-Talsperre. Danach windet sich die Straße durch das Tal Valea lui Stan, über Viadukte und durch vier Tunnel zur 307 Meter langen Vidraru-Staumauer. Am Ostufer des Vidraru-Stausees bleibt sie etwa 18 Kilometer lang, anschließend steigt sie rund 23 Kilometer durch das Capra-Tal bergauf.
Der höchste Punkt liegt am Bâlea-Pass auf 2042 Metern. Dort unterquert der 887 Meter lange Bâlea-Tunnel den 2398 Meter hohen Paltinu-Grat. Der Tunnel ist sechs Meter breit, vier Meter hoch und besitzt einen ein Meter breiten Gehweg. Er gilt als höchstgelegener und längster Tunnel Rumäniens; mit 884 Metern wird er außerdem als längster Straßentunnel des Landes bezeichnet. Hinter dem dunklen Durchstich liegt der Bâlea-See mit der Cabana Bâlea Lac. Dann geht es in Serpentinen durch das Bâlea-Naturschutzgebiet hinunter nach Siebenbürgen.
Am Felsendurchbruch „Poarta Întâlnirii“ trafen sich 1974 die Baukolonnen von Nord- und Südseite. Weiter unten liegt die „Poarta Geniștilor“, danach führt die Straße am Bâlea-Wasserfall vorbei nach Cârțișoara. Wegen der oft tiefhängenden Wolken im Bâlea-Tal trägt die Route den Beinamen „Straße in den Wolken“. Sehr poetisch – und bei Nebel manchmal auch eine ziemlich praktische Warnung.
Vier Jahre, viel Dynamit und ein hoher Preis
Vor dem Bau war die Strecke auf beiden Seiten überwiegend Forstweg oder Gebirgspfad. Arbeiten an der Südseite nahe dem Vidraru-Staudamm begannen 1969, der offizielle Baubeginn war am 10. März 1970. Unter Staatschef Nicolae Ceaușescu sollte die Straße militärische Truppenbewegungen ermöglichen und zugleich touristische Zwecke erfüllen. Hintergrund war das angespannte Verhältnis zur Sowjetunion nach dem Prager Frühling und der sowjetischen Invasion der Tschechoslowakei 1968. Bestehende Pässe verliefen überwiegend durch Flusstäler und galten als leichter zu blockieren und anzugreifen. Der neue Verkehrsweg wurde deshalb über das Făgăraș-Gebirge gelegt, das den Nordwesten und Süden Rumäniens trennt.
Mehr als 25.000 Soldaten, Ingenieure und zivile Arbeiter waren laut einem Bericht von Antena 3 beteiligt. Zum Einsatz kamen Bergleute, Bauarbeiter, Techniker und überwiegend Soldaten der Regimenter 1 aus Râmnicu Vâlcea und 52 aus Alba Iulia. In alpinem Gelände auf bis zu 2.000 Metern Höhe wurden etwa sechs Millionen Kilogramm Dynamit eingesetzt. Viele Soldaten waren im Umgang mit Sprengstoff nicht ausgebildet – ein Umstand, der die Arbeit noch gefährlicher machte.
Die Straße wurde in den 1970er-Jahren innerhalb von vier Jahren gebaut und im September 1974 eröffnet. Das offizielle Eröffnungsdatum ist der 20. September 1974; insbesondere die Fahrbahnbefestigung wurde bis 1980 weitergeführt. Bei der Zahl der Todesopfer gehen die Angaben auseinander: Offiziell werden 40 Tote genannt, Zeitzeugen sprechen von 400 Toten am Vidraru-Staudamm beziehungsweise am Bâlea-Tunnel. Auch an den Stellen „Poarta Întâlnirii“ und „Poarta Geniștilor“ erinnern Gedenktafeln an ums Leben gekommene Arbeiter. Sie werden wiederholt beschädigt.
Je nach Quelle besitzt die Nationalstraße 830 oder 833 Brücken sowie 27 oder 28 Viadukte. Mit insgesamt fünf Tunneln und mehreren Viadukten hat sie mehr Tunnel und Viadukte als jede andere Straße Rumäniens. Lange Zeit galt sie als höchstgelegene Nationalstraße Rumäniens und der Karpaten. Überholt wurde sie später von der 148 Kilometer langen Transalpina (DN 67C), deren höchster Punkt am Urdele-Pass 2145 Meter erreicht.
Zwischen Staumauer, Burg und Eishotel
Für Reisende liegt das neue „Semicentenar“-Monument praktisch an der Strecke von Curtea de Argeș ins Hochgebirge. An der Bergstation wurde zusätzlich ein spezieller Fotobereich eingerichtet. Wer dort aussteigt, bekommt nicht nur eine Aussicht, sondern auch ein Stück Infrastrukturgeschichte serviert. Die Amtssprache in Rumänien ist Rumänisch, bezahlt wird mit dem rumänischen Leu.
Rund 200 Meter oberhalb der Straße liegen nahe dem Vidraru-Wasserkraftwerk die Ruinen der Burg Poenari, die als Residenz von Vlad Țepeș („Vlad dem Pfähler“) gilt. Der Name wird oft mit Bram Stokers Dracula verbunden. Stoker erklärte allerdings nie, von Vlad Țepeș inspiriert worden zu sein, und besuchte Rumänien nicht. Für die Darstellung in seinem Roman verwendete er das Schloss Bran – das einzige Schloss der Region, das vollständig erhalten ist.
Der Vidraru-Staudamm und der See sind regionale Ausflugsziele. Angeboten werden Schifffahrten und Angeln, teils mit Mietbooten. Bungeesprünge von der 166 Meter hohen Staumauer gibt es dagegen nicht mehr. Oberhalb der Talsperre steht eine 1965 von Constantin Popovici geschaffene, denkmalgeschützte Prometheus-Statue: erhobene Hände, von Blitzen umgeben.
Auf der Nordseite verläuft die Straße durch den Naturpark Făgăraș sowie die Naturreservate Bâlea und Arpășel. Jährlich findet dort das Bergrennen „Sibiu-Transfăgărășan Motorsport Festival“ statt. Im Winter wird am Bâlea-See ein Eishotel mit Iglu-Schlafzimmern errichtet. Während der Wintersperre reisen Besucher von der Sibiuer Seite per Seilbahn zum See an. Nicht ganz dasselbe wie eine freie Fahrt über den Pass – aber vermutlich wärmer an den Zehen.
Kurven, Rennen und eine berühmte Fernsehstraße
Die asphaltierte Nationalstraße wird von Wanderern, Radfahrern, Autofahrern und Motorradfahrern genutzt. Sie dient als Ausgangspunkt für Wanderungen zu Gipfeln des Făgăraș-Gebirges und führt zum Bâlea-See sowie zum Bâlea-Wasserfall. Enge Haarnadelkurven, lange S-Kurven und steile Abfahrten bestimmen den Verlauf; wegen der Topografie liegt die durchschnittliche Fahrgeschwindigkeit bei etwa 40 km/h.
Unfälle hat es wiederholt gegeben. Als Ursachen gelten die kurvenreiche Streckenführung, zeitweise schlechter Fahrbahnbelag und riskantes Fahrverhalten. Auch sportlich verlangt die Route einiges ab: Der nördliche Abschnitt wird jährlich für
