Baugenehmigungen steigen, doch der Weg zur fertigen Wohnung bleibt lang
Die Zahl der Baugenehmigungen in Deutschland zieht an: Von Januar bis August 2026 wurden 169.400 Wohnungen genehmigt. Das sind 12,1 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Für Bauunternehmen und Handwerksbetriebe klingt das erst einmal nach mehr Arbeit am Horizont – wobei aus einer Genehmigung noch lange kein voller Auftragsordner wird.
Ob ein Projekt tatsächlich startet, hängt von konkreten Vergaben, gesicherten Finanzierungen und vereinbarten Baustarts ab. Die Statistik sagt außerdem nichts über das Auftragsvolumen einzelner Gewerke oder die regionale Verteilung der Geschäftsmöglichkeiten aus. Eine Baugenehmigung garantiert weder die Finanzierung noch die Umsetzung.
Mehr Wohnungen im Neubau, mehr Umbauten im Bestand
In neu zu errichtenden Wohngebäuden wurden bis August 137.500 Wohnungen genehmigt. Den größten Anteil stellten Mehrfamilienhäuser mit 90.600 Wohnungen – 11.500 mehr als im Vorjahreszeitraum. Dazu kamen 31.500 Wohnungen in Einfamilienhäusern, 7,8 Prozent mehr, sowie 10.000 Wohnungen in Zweifamilienhäusern, ein Plus von 21,7 Prozent. Bei Wohnheimen ging die Zahl dagegen um 2,0 Prozent auf 5.300 Wohnungen zurück.
Auch im Bestand bewegt sich etwas: Durch Umbauten in bestehenden Wohn- und Nichtwohngebäuden sollen 29.100 Wohnungen entstehen, 10,1 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Allein im August stieg die Zahl der durch Umbauten ermöglichten Wohnungen um 18,2 Prozent auf 4.200. Gerade dort, wo Grundstücke knapp und Baustellen teuer sind, kann der Umbau vorhandener Gebäude ein praktisch wichtiger Hebel sein.
Der Monatswert hat allerdings eine kleine statistische Fußnote. Verspätete Meldungen von Baubehörden können die Zahlen beeinflussen; im August sind deshalb auch nachträglich erfasste Genehmigungen enthalten.
Der Blick auf Juli und die ersten sieben Monate
Für Juli 2026 meldeten die Statistischen Ämter Baugenehmigungen für 22.500 Wohnungen. Das waren 1,9 Prozent beziehungsweise 400 Wohnungen mehr als im Juli 2025. Auf Neubauwohnungen entfielen 18.400 Genehmigungen, ein Anstieg um 0,8 Prozent beziehungsweise 100 Wohnungen. Durch Umbauten bestehender Gebäude sollten 4.100 Wohnungen entstehen, 7,0 Prozent beziehungsweise 300 mehr als ein Jahr zuvor.
Von Januar bis Juli summierte sich die Zahl auf 148.800 genehmigte Wohnungen in neuen und bestehenden Gebäuden. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht das einem Plus von 12,9 Prozent beziehungsweise 17.000 Wohnungen.
In neu zu errichtenden Wohngebäuden wurden 121.200 Wohnungen genehmigt, 13,5 Prozent beziehungsweise 14.400 mehr als von Januar bis Juli 2025. Aufgeschlüsselt waren es 27.900 Wohnungen in Einfamilienhäusern (+9,7 Prozent beziehungsweise 2.500), 8.900 in Zweifamilienhäusern (+25,0 Prozent beziehungsweise 1.800) und 79.700 in Mehrfamilienhäusern (+15,1 Prozent beziehungsweise 10.500). Für Wohnheime wurden 4.700 Wohnungen genehmigt, 6,2 Prozent beziehungsweise 300 weniger.
Auch neue Nichtwohngebäude tauchen in der Statistik auf: Dort wurden 2.700 Wohnungen genehmigt, 25,0 Prozent beziehungsweise 500 mehr als im Vorjahreszeitraum. Gemeint sind beispielsweise Hausmeisterwohnungen in Schulen oder Wohnungen über Gewerbeflächen. Für Umbaumaßnahmen in bestehenden Wohn- und Nichtwohngebäuden kamen von Januar bis Juli 24.900 Wohnungen hinzu – 8,9 Prozent beziehungsweise 2.000 mehr.
Erholung auf niedrigem Niveau
Der längerfristige Blick bleibt zwiespältig. 2025 wurde in Deutschland der Neubau von rund 238.063 Wohnungen in Wohn- und Nichtwohngebäuden genehmigt, etwa 10,8 Prozent mehr als 2024. Erstmals seit 2021 nahmen die Baugenehmigungen für Wohnungen damit wieder zu. 2024 war die Zahl allerdings auf den niedrigsten Stand der vergangenen zehn Jahre gefallen.
Die meisten Wohnungen wurden weiterhin in Bayern genehmigt, gefolgt von Nordrhein-Westfalen. Gleichzeitig ist der Wohnungsbau in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen. Vor allem in Großstädten fehlt Wohnraum seit geraumer Zeit. 2024 wurden rund 8.000 Wohnungen weniger fertiggestellt als im Vorjahr – Genehmigungen und bezugsfertige Wohnungen sind eben zwei verschiedene Paar Schuhe.
Das Ziel der Bundesregierung, jährlich 400.000 neue Wohnungen zu bauen, wurde in den vergangenen Jahren nicht erreicht. Wirtschaftskrise und Inflation brachten die Baubranche mit hohen Zinsen und gestiegenen Baukosten unter Druck. Lieferengpässe und teures Baumaterial ließen viele Vorhaben schrumpfen oder ganz verschwinden. Im europäischen Vergleich zählen die Kosten für den Wohnungsneubau in Deutschland zu den höchsten.
Die aktuellen Zahlen beruhen auf den bis August bei den Statistischen Ämtern der Länder eingegangenen Meldungen. Nachmeldungen können auch in einem späteren Berichtsmonat einfließen. Detaillierte Ergebnisse und Zeitreihen stehen in den GENESIS-Online-Tabellen 31111 und 31131 zur Verfügung. Herausgeber der August-Zahlen ist das Statistische Bundesamt, Pressemitteilung Nr. 370 vom 16. Oktober 2026.
Für Betriebe bleibt deshalb der Blick in den eigenen Kalender entscheidend: Welche Vergabe ist unterschrieben, welche Finanzierung steht, wann rückt tatsächlich jemand mit Helm und Werkzeug an? Zwischen Papier, Baustellenschild und fertiger Wohnung liegt manchmal noch ein ziemlich langer Weg.
