In Deutschland werden wieder mehr Wohnungen genehmigt. Im August waren es 20.600 – 6,8 Prozent mehr als im August des Vorjahres. Von Januar bis August stieg die Zahl der Genehmigungen um 12,1 Prozent. Nach dem kurzen Dämpfer im Juli zog der Aufwärtstrend damit wieder an.

Das klingt zunächst nach einer guten Nachricht. Baugenehmigungen gelten schließlich als Frühindikator für die künftige Bautätigkeit und die Entwicklung des Wohnungsangebots. Nur: Zwischen Papier, Baustart und fertigem Schlüsselbund liegen oft Jahre. Und manchmal bleibt es beim Papier.

Mehr Genehmigungen, aber noch weit unter früherem Niveau

Im ersten Halbjahr hatte der Zuwachs noch gut 15 Prozent betragen – der stärkste Anstieg seit 2016. Von Januar bis August wurden 169.400 Wohnungen genehmigt. Das sind allerdings weiterhin rund ein Drittel weniger als 2021: Damals waren im gleichen Zeitraum mehr als 250.000 Wohnungen genehmigt worden.

Besonders kräftig legten die Zweifamilienhäuser zu. Auf sie entfielen 10.000 genehmigte Wohnungen, ein Plus von 21,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Bei Mehrfamilienhäusern wurden 90.600 Wohnungen genehmigt, 14,5 Prozent mehr. Die Zahl der genehmigten Wohnungen in Einfamilienhäusern stieg um 7,8 Prozent auf 31.500.

Auch der Blick auf das gesamte Jahr 2025 zeigt eine Belebung: In Deutschland wurden insgesamt 238.500 neue Wohnungen und Häuser genehmigt. Das waren 10,8 Prozent mehr als 2024, dem niedrigsten Stand seit 2010. Erstmals seit 2021 nahm damit die Zahl der Genehmigungen für Neubau und Umbau von Wohnraum wieder zu. Der Schub kam laut Statistik vor allem in der zweiten Jahreshälfte, in der die Genehmigungen 17,8 Prozent über dem Vorjahreszeitraum lagen.

Bei Einfamilienhäusern wurden 44.500 Genehmigungen gezählt, 17,2 Prozent mehr als 2024. Zweifamilienhäuser blieben mit 12.600 Genehmigungen dagegen auf dem niedrigen Niveau des Vorjahres. Für Wohnungen in Mehrfamilienhäusern gab es 13.900 Genehmigungen, ein Plus von 12,1 Prozent.

Bundesbauministerin Verena Hubertz (SPD) wertete die Entwicklung als Beginn einer Trendwende und verwies auf eine verbesserte Branchenstimmung sowie steigende Investitionen. Der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes sagte, Bauherren und Investoren fassten wieder etwas Vertrauen; der Negativtrend sei gebrochen.

Der Baustart lässt trotzdem auf sich warten

Das ifo-Wohnungsbau-Barometer sank im September allerdings auf minus 25,1 Punkte, nach minus 22,5 Punkten im August. Die Einschätzung der aktuellen Lage blieb nahezu unverändert. Deutlich schlechter fielen die Erwartungen der Unternehmen für die kommenden Monate aus. Da passt etwas nicht zusammen – und genau darin liegt der Haken.

Höhere Finanzierungskosten infolge der EZB-Zinserhöhung belasten die Kalkulationen. Ende 2025 waren rund 450.000 genehmigte Wohnungen noch nicht begonnen worden, weil sich der Bau für viele Projekte wirtschaftlich nicht rechnete. Die Baubranche kritisiert deshalb die fehlende Planungssicherheit.

Mehr Baugenehmigungen führen eben nicht automatisch zu mehr fertigen Wohnungen. Nach Einschätzung des Baugewerbes wurden 2025 rund 225.000 Wohnungen fertiggestellt. Eine andere Angabe nennt für dasselbe Jahr 206.600 fertiggestellte Wohnungen – 18 Prozent weniger als im Vorjahr und der niedrigste Stand seit 2012. Für 2024 werden rund 216.000 neue Wohnungen genannt, knapp 14 Prozent weniger als 2023. Die Zahlen stammen aus unterschiedlichen Einordnungen, die Richtung ist aber ziemlich klar: Der Bau hinkt hinterher.

Jährlich würden mindestens 100.000 Wohnungen mehr benötigt. Wegen des hohen Wohnungsdefizits bleibt der Druck besonders in den Städten groß. Der GdW warnt, vor allem in Großstädten bleibe der Wohnungsmarkt angespannt. Der Immobilienverband Deutschland bezeichnet die Lage als Dauerkrise.

Für 2026 werden weiter sinkende Fertigstellungszahlen erwartet, weil zwischen Genehmigung und Fertigstellung meist zwei bis drei Jahre liegen. Die Immobilienbranche rechnet mit etwa 215.000 fertigen Wohnungen – rund 20.000 weniger als 2025 und deutlich weniger, als gebraucht werden. Bezahlbarer Wohnraum ist seit Jahren vor allem in Ballungsräumen knapp; hohe Wohnkosten belasten viele Menschen etwa in München, Frankfurt und Berlin.

Bau-Turbo trifft auf Förderkürzungen

Die Bundesregierung plant einen „Bau-Turbo“, der Genehmigungen beschleunigen und den Wohnungsbau ankurbeln soll. Die neue Bundesregierung will damit auch bezahlbaren Wohnraum schaffen sowie den Bau von Miet- und Sozialwohnungen fördern. Die meisten Hochbauunternehmen erwarten spürbare Auswirkungen dieses Vorhabens allerdings erst 2027 und 2028.

Geplant ist außerdem, die Förderung für den EH-55-Neubau aufzustocken. Gleichzeitig soll der Neubau-Etat 2027 nach Regierungsangaben um mehr als 40 Prozent sinken. Steigende Genehmigungszahlen stehen damit einer schwachen Branchenstimmung, hohen Finanzierungskosten, verzögerten Baubeginnen und geplanten Kürzungen bei der Neubauförderung gegenüber.

Das Baugewerbe fordert langfristig verlässliche Förderungen, schnellere Genehmigungsverfahren, einfachere bauliche Mindeststandards sowie Entlastungen bei Steuern und Abgaben. Vieles davon klingt nach Stellschrauben, die in Ministerien gern gedreht werden. Auf der Baustelle zählt am Ende aber, ob der Kran kommt und die Rechnung aufgeht.

Wohnungsnot trotz großer Investitionen

In Deutschland sind Wohnungen knapp, besonders in Großstädten besteht seit mehreren Jahren Wohnungsnot. Das Ziel der Ampel-Koalition von jährlich 400.000 neuen Wohnungen wurde verfehlt. Schätzungen zufolge fehlen mehr als eine Million Wohnungen.

Die Ursachen für die rückläufige Bautätigkeit sind bekannt: gestiegene Baupreise, höhere Energiepreise, Inflation, Lieferengpässe und teureres Baumaterial. Die Baugenehmigungen für neue Wohngebäude sanken zuletzt auf den niedrigsten Stand der vergangenen 30 Jahre. Seit Mitte der 1990er-Jahre ist die Zahl der Baugenehmigungen stark zurückgegangen. Mehr als zwei Drittel davon entfielen auf private Haushalte.

Besonders stark schrumpfte die Zahl der Einfamilienhäuser. 2024 wurden nur noch knapp halb so viele Einfamilienhäuser gebaut wie zwei Jahre zuvor. Steigende Baukosten führten in den vergangenen Jahren zu einem geringeren Genehmigungsvolumen – und weniger Genehmigungen bedeuten später auch weniger Aufträge im Wohnungsbau.

Gemessen am Umsatz ist der Wohnungsbau eine wichtige Sparte des deutschen Bauhauptgewerbes. Zuletzt entfiel knapp ein Drittel des Gesamtumsatzes auf diesen Bereich. Der Umsatz sank 2024 auf rund 51 Milliarden Euro. Bis 2022 war er kontinuierlich gestiegen, seitdem geht er jährlich zurück. Auch die Auftragseingänge gingen in den vergangenen zwei Jahren stark zurück; als Hauptgrund gelten die hohen Neubaupreise für Wohngebäude.

Die Neubaupreise lagen zuletzt knapp 3 Prozent über dem Vorjahresniveau. 2022 hatte die Preissteigerung mit bis zu 16 Prozent ihren Höchststand erreicht. Gleichzeitig stiegen die Investitionen in den Wohnungsbau in den vergangenen Jahren weiter an und lagen 2024 bei rund 281 Milliarden Euro. Damit entfielen mehr als 60 Prozent der Bauinvestitionen auf den Wohnungsbau.

2023 wurden insgesamt etwa 216.000 neue Wohnungen genehmigt. Baugenehmigungen bleiben damit ein wichtiger Indikator für die Entwicklung des Wohnungsmangels – nicht nur eine Zahl in einer Statistik. Der Beitrag von René Muschter auf Statista wurde am 17. Dezember 2025 veröffentlicht.

Wenn heute, am 16.10.2026, die Genehmigungszahlen steigen, ist das also ein vorsichtiges Signal. Noch stehen vielerorts leere Grundstücke, während in den Städten die Wohnungssuche weiter an den Nerven zehrt. Und bis aus einem genehmigten Plan tatsächlich ein bewohnbares Haus wird, kann noch einiges dazwischenkommen.