Mehr Baugenehmigungen, aber keine Entwarnung auf Deutschlands Wohnungsmarkt
Die Zahl der Baugenehmigungen für Wohnungen zieht in Deutschland weiter an. Im August 2026 erteilten die Behörden Genehmigungen für 20.600 Wohnungen in neuen und bestehenden Gebäuden. Das waren 6,8 Prozent beziehungsweise 1.300 Wohnungen mehr als im August 2025.
Der Zuwachs verteilt sich auf Neubau und Umbau. Für neue Wohnungen gingen 16.500 Genehmigungen ein – 4,2 Prozent oder 700 Wohnungen mehr als ein Jahr zuvor. Bei Umbaumaßnahmen an bestehenden Gebäuden wurden 4.200 Wohnungen genehmigt. Das entspricht einem Plus von 18,2 Prozent beziehungsweise 600 Wohnungen. Destatis weist allerdings darauf hin, dass Nachmeldungen der Baubehörden dazu führen können, dass einzelne Genehmigungen erst in einem späteren Berichtsmonat in der Statistik auftauchen.
Mehr Genehmigungen in den ersten acht Monaten
Von Januar bis August 2026 wurden nach den vorliegenden Angaben 169.400 Wohnungen in neuen und bestehenden Gebäuden genehmigt. Eine weitere Quellenangabe nennt 169.480 Wohnungen. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum bedeutet das in beiden Fällen einen Anstieg von 12,1 Prozent beziehungsweise 18.300 Wohnungen.
In neu zu errichtenden Wohngebäuden summierten sich die Genehmigungen auf 137.500 Wohnungen. Das waren 12,7 Prozent oder 15.400 Wohnungen mehr als von Januar bis August 2025. Beim Blick auf die Gebäudearten zeigt sich ein gemischtes, aber überwiegend positives Bild: Auf Einfamilienhäuser entfielen 31.500 Wohnungen, ein Plus von 7,8 Prozent beziehungsweise 2.300 Wohnungen.
Bei Zweifamilienhäusern wurden 10.000 Wohnungen genehmigt. Hier lag der Zuwachs bei 21,7 Prozent oder 1.800 Wohnungen. Mehrfamilienhäuser kamen auf 90.600 Wohnungen – 14,5 Prozent beziehungsweise 11.500 mehr. Nur bei den Wohnheimen gab es einen kleinen Rückgang: 5.300 Wohnungen entsprechen 2,0 Prozent oder 100 Wohnungen weniger als im Vorjahreszeitraum.
Auch Sonderfälle und Umbauten legen zu
In neuen Nichtwohngebäuden wurden von Januar bis August 2.900 Wohnungen genehmigt. Dazu zählen etwa Hausmeisterwohnungen in Schulen oder Wohnungen über Gewerbeflächen. Die Zahl stieg um 5,9 Prozent beziehungsweise 200 Wohnungen.
Für Umbauten in bestehenden Wohn- und Nichtwohngebäuden kamen 29.100 Genehmigungen zusammen. Das waren 10,1 Prozent oder 2.700 Wohnungen mehr als im gleichen Zeitraum 2025. Gerade bei bereits vorhandenen Gebäuden bewegt sich also etwas – nicht spektakulär auf dem Papier, aber für Städte mit wenig freien Flächen durchaus relevant.
Wohnraummangel trifft auf hohe Baukosten
Die Zahlen kommen in eine angespannte Lage hinein. In Deutschland herrscht Wohnungsknappheit, vor allem in Großstädten; eine weitere Verschärfung wird erwartet. Das Ziel der Ampel-Koalition, jährlich 400.000 neue Wohnungen zu schaffen, wurde verfehlt. 2024 wurden rund 216.000 Wohnungen fertiggestellt, knapp 14 Prozent weniger als im Vorjahr.
Als Gründe gelten gestiegene Baupreise, höhere Energiepreise, Inflation, Lieferengpässe und teureres Baumaterial. Die Baugenehmigungen für neue Wohngebäude sanken auf den niedrigsten Stand der vergangenen 30 Jahre. Seit Mitte der 1990er-Jahre ist die Zahl der Genehmigungen in Deutschland stark zurückgegangen. Mehr als zwei Drittel davon entfielen auf private Haushalte.
2023 wurden insgesamt etwa 216.000 neue Wohnungen genehmigt. Baugenehmigungen gelten als wichtiger Indikator für die Entwicklung des Wohnungsmangels: Weniger Genehmigungen bedeuten meist auch weniger Aufträge im Wohnungsbau. Besonders kräftig ging die Zahl der Einfamilienhäuser zurück. 2024 wurden nur noch knapp halb so viele Einfamilienhäuser gebaut wie 2022.
Große Sparte, schwieriges Geschäft
Gemessen am Umsatz ist der Wohnungsbau eine bedeutende Sparte des deutschen Bauhauptgewerbes. Zuletzt entfiel knapp ein Drittel des Gesamtumsatzes auf diesen Bereich. 2024 lag der Umsatz bei rund 51 Milliarden Euro und damit unter dem Vorjahreswert. Bis 2022 war er kontinuierlich gestiegen, seitdem ging er Jahr für Jahr zurück. Auch der Auftragseingang nahm in den vergangenen zwei Jahren deutlich ab.
Als Hauptgrund für den Nachfrageeinbruch gelten die hohen Neubaupreise für Wohngebäude. 2024 lagen sie knapp 3 Prozent über dem Vorjahresniveau. Den Höchststand gab es 2022 mit einem Anstieg von bis zu 16 Prozent. Das ist für Bauwillige kein kleiner Schluck aus der Pulle, sondern eine Rechnung, die viele Projekte kippen lässt.
Die Investitionen in den Wohnungsbau stiegen dennoch weiter. 2024 beliefen sie sich auf rund 281 Milliarden Euro; damit flossen mehr als 60 Prozent der Bauinvestitionen in den Wohnungsbau. Gleichzeitig führen steigende Baukosten seit Jahren zum Rückgang des Genehmigungsvolumens – ein ziemlich widersprüchliches Bild.
Die neue Bundesregierung plant, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen und den Bau von Miet- und Sozialwohnungen voranzutreiben. Kürzere Genehmigungsfristen durch den sogenannten „Bau-Turbo“ sollen den Wohnungsbau erleichtern und der Wohnungsknappheit entgegenwirken. Ob daraus auf den Baustellen tatsächlich schneller Beton, Holz und Ziegel werden, zeigt sich nicht in den Pressemitteilungen, sondern erst, wenn die Kräne laufen.
Die ergänzenden Angaben zur Wohnungsmarktlage stammen aus einem am 17. Dezember 2025 von René Muschter veröffentlichten Artikel.
