Die Möbelbranche steckt tief in der Flaute – und der Blick nach China verschärft die Unruhe. Mehr als 60 Prozent der in Deutschland verkauften Möbel stammen inzwischen aus dem Ausland, sagt der Verband der Deutschen Möbelindustrie (VDM). Für heimische Hersteller wird der Markt damit enger, während viele Kundinnen und Kunden größere Anschaffungen weiter vor sich herschieben.

Im ersten Halbjahr 2026 lag der Branchenumsatz in Deutschland bei rund 7,7 Milliarden Euro. Nominal waren das 2,7 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Das Auslandsgeschäft blieb stabil, im Inland sanken die Erlöse dagegen um mehr als 4 Prozent, genauer um 4,1 Prozent. Seit 2023 hat die Branche rund 20 Prozent ihres Umsatzes verloren. 2025 gingen die Erlöse bereits zum dritten Mal in Folge zurück und erreichten den niedrigsten Stand seit 2009.

China rückt an die Spitze

China ist inzwischen der wichtigste Möbelimporteur Deutschlands. In den ersten sechs Monaten des Jahres wurden Möbel im Wert von knapp 1,7 Milliarden Euro aus der Volksrepublik eingeführt. Zwischen 2017 und 2025 stiegen die chinesischen Möbelverkäufe in Deutschland um 81 Prozent.

Die Ware landet vor allem bei großen Möbelhäusern, Versandhändlern und Discountern. Von dort geht manches Stück weiter in andere europäische Länder. Polen folgt als Importland mit gut 1,5 Milliarden Euro im ersten Halbjahr 2026 – wobei dort auch deutsche Möbelhersteller produzieren.

VDM-Hauptgeschäftsführer Jan Kurth sieht hinter der Entwicklung mehr als normalen Wettbewerb. China verlagere Produktion nach Europa, nachdem der US-Markt wegen Zöllen weitgehend verschlossen sei. Produktion und Exporte würden in China staatlich gelenkt und subventioniert, außerdem sei die chinesische Währung massiv unterbewertet. „Die Importzunahme ist daher kein Zufall“, lautet Kurths Argumentation.

Der Verband fordert allgemeine Schutzzölle auf EU-Ebene. Mit Politikern gebe es bereits konkrete Gespräche. Offen ist allerdings, ob solche Zölle auf fertige Möbel, auf Vorprodukte oder auf beides erhoben würden – und wie hoch sie ausfallen könnten. Die bisherigen Anti-Dumping-Verfahren seien laut Kurth zu langsam und nicht ausreichend wirksam. Geschützt werden solle der industrielle Kern Deutschlands und anderer europäischer Länder mit bedeutender Möbelproduktion.

Weniger Nachfrage, weniger Wohnungen

Die Gründe für die schwache Nachfrage liegen nicht nur im internationalen Handel. Viele Haushalte zahlen mehr für Lebensmittel, Energie und Gesundheit, zugleich wachsen die Ausgaben für Reisen und Freizeit. Dazu kommen Sorgen vor weiteren Preissteigerungen und geopolitische Unsicherheit. Möbelkäufe werden verschoben, manchmal auf unbestimmte Zeit. Philipp Hoog von der Handelsberatung BBE beobachtet, dass Verbraucher seltener Möbel kaufen und größere Anschaffungen hinausschieben.

Auch der Wohnungsbau liefert kaum Rückenwind. Zwar steigt die Zahl der Baugenehmigungen wieder, die Fertigstellungen bleiben aber niedrig. Das Ifo-Institut erwartet für 2026 rund 185.000 fertiggestellte Wohnungen. Der Bedarf liegt laut Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung bei etwa 320.000 neuen Wohnungen jährlich. Wo keine neue Wohnung bezogen wird, braucht es eben oft auch keine neue Küche, kein Sofa und keinen Kleiderschrank.

Nahezu alle Segmente verzeichnen Rückgänge: Wohn- und Polstermöbel, Büroeinrichtungen und Matratzen. Bei Polstermöbeln sanken die Umsätze um 10 Prozent; die Auftragseingänge lagen zwischen Januar und Juni sogar 10,5 Prozent unter dem Vorjahreszeitraum. Der Küchenbereich hielt sich dagegen. Die Erlöse stiegen um 1 Prozent, bei den Auftragseingängen waren es 0,9 Prozent. Fast jede zweite in Deutschland produzierte Küche wird exportiert.

Kurth erwartet für das laufende Jahr keine spürbare Belebung. Der VDM rechnet für 2026 mit einem Umsatzrückgang der Möbelindustrie von rund 3 Prozent. Noch zählt der Verband 374 Möbelbetriebe. Für einzelne Unternehmen ist die Lage bereits existenzbedrohend: 40 Prozent der befragten Verbandsmitglieder planen im dritten Quartal Kurzarbeit, knapp 30 Prozent erwägen Stellenabbau.

Handel sortiert sich neu

Die Hersteller kämpfen nicht allein. Auch der Möbelhandel befindet sich in einer Konsolidierungsphase. XXXLutz plant die Übernahme des Konkurrenten Porta. Angekündigt wurde der Plan im Januar 2025, seitdem läuft eine kartellrechtliche Vorprüfung. Nach Informationen der Zeitung will XXXLutz die Übernahme am 7. September bei der EU-Kommission anmelden.

Danach hätte die Kommission zunächst 25 Arbeitstage für die Prüfung. Bei erheblichen Wettbewerbsbedenken könnte eine zweite Prüfphase mit weiteren 90 Arbeitstagen folgen; bei komplexen Fällen wäre eine Verlängerung möglich. XXXLutz und Porta rechnen nach eigenen Angaben nicht mit größeren Problemen.

Der VDM lehnt die Übernahme ab. Aus Sicht des Verbands würde sie das bestehende Machtungleichgewicht zwischen mittelständischen Herstellern und großen Handelsunternehmen weiter verstärken. Für viele Produzenten klingt das vermutlich weniger nach theoretischer Marktordnung als nach der Frage, wer am Ende die Preise diktiert.

Rabatte hier, Zölle dort

Beim Einkauf zeigt sich derweil ein gemischtes Bild. Möbel und Leuchten waren im Juli 0,5 Prozent günstiger als ein Jahr zuvor. Ikea kündigte Preissenkungen für mehr als 1.500 Produkte in seinen europäischen Einrichtungshäusern an, darunter Billy- und Kallax-Regale sowie Küchenutensilien. Die Inter Ikea Group will dafür 1,2 Milliarden Euro aufwenden.

Für die deutsche Möbelindustrie bleibt das ein schwieriger Spagat: Die Kundschaft schaut genauer auf den Preis, während Material-, Energie- und Lohnkosten steigen. Gleichzeitig wächst der internationale Wettbewerb. Schon während der Pandemie vorgezogene Käufe haben den Bedarf in vielen Haushalten gedeckt; jetzt ist der Einkaufswagen leerer, und die großen Stücke bleiben im Möbelhaus stehen.

Für die Branche wird es im Herbst trotzdem Gelegenheiten geben, neue Produkte und Geschäftskontakte zu zeigen. Ende Oktober finden in Köln die Möbelmessen Orgatec und IDD Cologne statt, im Januar folgt die B2B-Messe IMM Cologne. Bis dahin dürfte die Debatte über Schutzzölle weiterlaufen – ebenso wie der Streit darüber, ob ein Schutzwall aus Brüssel tatsächlich Luft verschafft oder nur den nächsten Preisschub vorbereitet.