Mehr Wohnungen genehmigt, doch Energiepreise und Zinsen bremsen den Bauaufschwung
Heute, am 16.10.2026, richtet sich der Blick auf die Baugenehmigungen: Im August wurden in Deutschland 20.600 Wohnungen genehmigt. Das waren 1.300 Wohnungen oder 6,8 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Für die Bauwirtschaft ist das ein vorsichtiges Lebenszeichen – noch kein Grund, die Sektkorken knallen zu lassen, aber immerhin Bewegung.
Gleichzeitig bleibt das Umfeld unruhig. In der Eurozone stiegen die Verbraucherpreise im September binnen Jahresfrist um 3,8 Prozent. Eine erste Schätzung wurde damit bestätigt. Die Teuerungsrate erreichte den höchsten Stand seit September 2023; im August hatte sie bei 3,2 Prozent gelegen, während Experten für September 3,6 Prozent erwartet hatten.
Energie treibt die Preise
Haupttreiber waren die Energiepreise. Energie verteuerte sich im Jahresvergleich um 18,8 Prozent, nach 14,3 Prozent im August. Nach Einschätzung von Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer gibt es Anzeichen dafür, dass Unternehmen ihre höheren Energiekosten an Kunden weitergeben. Das landet dann früher oder später auch auf Baustellen – bei Transport, Heizung, Material und Betrieb.
Dienstleistungen kosteten 3,2 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, nach 3,0 Prozent im August. Lebensmittel, Alkohol und Tabak verteuerten sich um 1,4 Prozent; das waren 0,3 Prozentpunkte mehr als im August. Die Kerninflation ohne Energie und Nahrungsmittel stieg von 2,4 auf 2,5 Prozent. Auf das Jahr hochgerechnet legten die Verbraucherpreise ohne Energie und Nahrungsmittel in den vergangenen drei Monaten schätzungsweise um 3 Prozent zu.
In Deutschland kletterte die Inflationsrate im September wegen rekordhoher Spritpreise auf 3,3 Prozent – den höchsten Stand seit Ende 2023. Die hohen, durch den Iran-Krieg verstärkten Energiekosten erhöhen den Druck auf die Europäische Zentralbank (EZB). Sie befürchtet, dass steigende Energiepreise höhere Löhne und weitere Preissteigerungen auslösen könnten und sich die Inflation dadurch verfestigt.
Zinssignale aus Frankfurt
EZB-Direktorin Isabel Schnabel erklärte, die Zentralbank müsse beurteilen, wie sich externe Preisschocks auf die zugrunde liegende Inflation auswirken, und ihre Geldpolitik entsprechend ausrichten. Bethmann-Hal-Chefvolkswirt Alexander Krüger wertet die Entwicklung als Argument für weitere Leitzinserhöhungen und warnt vor sogenannten Zweitrundeneffekten. An den Finanzmärkten wird bis Jahresende mit einer weiteren Zinserhöhung der EZB gerechnet.
Die EZB hatte bereits im Juni und September auf den Inflationsanstieg reagiert und den Leitzins auf 2,5 Prozent angehoben. Bundesbankpräsident Joachim Nagel sieht dennoch Chancen für ein länger anhaltendes Wachstum in Deutschland. Weitere EZB-Leitzinserhöhungen zur Inflationsbekämpfung schließt er nicht aus. Die EZB werde alles Notwendige tun, um mittelfristig zum Inflationsziel von zwei Prozent zurückzukehren; zuletzt waren die Leitzinsen zweimal angehoben worden.
Auch in Italien zog die nach europäischem Standard gemessene Inflationsrate an: Die Verbraucherpreise stiegen im September um 4,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das war ebenfalls der höchste Stand seit September 2023. Die erste Schätzung wurde um 0,1 Prozentpunkte angehoben, erwartet worden war eine Bestätigung von 4,1 Prozent.
Wachstum, Handel und neue Regeln
Aus den USA kam dagegen ein stärkeres Signal aus der Industrie: Die Produktion nahm im September gegenüber dem Vormonat um 0,7 Prozent zu. Volkswirte hatten mit einem Plus von 0,4 Prozent gerechnet.
Bundesfinanzminister Lars Klingbeil verwies beim IWF auf deutlich angehobene Wachstumsprognosen für Deutschland. Ein Anlass zum Zurücklehnen sei das nicht, betonte er. Zur Stabilisierung des Aufschwungs wolle er unter anderem private Investitionen fördern – für den Wohnungsbau ist das keine Nebensache.
Auf europäischer Ebene forderten die EU-Staats- und Regierungschefs die Kommission auf, dringend neue Instrumente gegen unfaire Handelspraktiken und wirtschaftliche Ungleichgewichte zu entwickeln, insbesondere im Verhältnis zu China. Bestehende Instrumente sollen wirksam genutzt und der Dialog fortgesetzt werden.
Der Bundestag beschloss außerdem die Einführung einer staatlichen Frühstartrente. Kinder und Jugendliche zwischen sechs und 18 Jahren sollen monatlich zehn Euro als Startkapital für die private Altersvorsorge erhalten. Der Bundesrat muss noch zustimmen.
Nach dem Bundestag stimmte auch der Bundesrat einer Reform der Tabaksteuer zu. Von 2027 bis 2030 sollen die Steuersätze auf Zigaretten und andere Tabakprodukte deutlich steigen. Die höheren Kosten sollen an die Kunden weitergegeben werden.
Personal und Banken im Blick
Klingbeil will bald einen deutschen Personalvorschlag für die künftige EZB-Spitze klären. Deutschland werde weiterhin im EZB-Direktorium vertreten sein. Den konkreten Namen und die Position stimme er mit dem Bundeskanzler ab.
Bei den Banken genehmigte die EZB-Bankenaufsicht Unicredit die Aufstockung ihrer Beteiligung an der Commerzbank. Damit darf die italienische Bank Commerzbank-Aktien aus einem Tauschangebot gegen Unicredit-Aktien eintauschen. Weitere Genehmigungen werden bis Jahresende erwartet. Anschließend will Unicredit die Kontrolle über die Commerzbank übernehmen.
Für die genehmigten Wohnungen in Deutschland bedeutet das: Die Zahl ist gestiegen, doch gleichzeitig verteuern Energie, Dienstleistungen und Material das Bauen, während mögliche weitere Zinsschritte die Finanzierung belasten könnten. Auf den Baustellen wird man deshalb nicht nur auf neue Pläne schauen, sondern ebenso auf den Spritpreis, den Kreditzins und die nächste Rechnung.
