BAU 2027: Warum der Gebäudebestand zum Schutzschild gegen Hitze und Starkregen wird
Am 6. Oktober 2026 richtet sich der Blick bereits auf die nächste BAU: Vom 11. bis 15. Jänner 2027 findet die Messe in München statt. Ein Leitthema zieht sich dabei durch Sanierung und Umbau, das Weiterbauen und den Neubau: Klimaschutz und Klimaanpassung sollen gemeinsam gedacht werden – nicht irgendwann, sondern möglichst früh im Bauprojekt.
Der Gebäudebestand rückt dabei ins Zentrum. Gebäude müssen künftig nicht nur Treibhausgase reduzieren, sondern auch mit häufigeren Hitzeperioden und Starkregen umgehen können. Laut einer Prognos-Studie sind dafür in Deutschland bis 2035 Investitionen von 137 Milliarden Euro bei moderatem Klimawandel und bis zu 237 Milliarden Euro bei starkem Klimawandel erforderlich. Im moderaten Szenario entfallen 86 Prozent dieser Investitionen auf bestehende Gebäude.
Bestand anpassen statt nur neu bauen
Der Handlungsdruck zeigt sich schon bei der Wärmeversorgung: Mehr als drei Viertel der Wohngebäude und Wohnungen in Deutschland werden derzeit mit Öl oder Gas beheizt. Energetische Sanierungen und die Umstellung auf erneuerbare Wärme sollen deshalb zunehmend mit Maßnahmen gegen Hitze und Starkregen verbunden werden. Ein neues Heizsystem allein greift zu kurz, wenn sich Räume im Sommer trotzdem aufheizen oder Wasser beim nächsten Unwetter in den Keller läuft.
Für den sommerlichen Wärmeschutz zählen nicht nur steigende Außentemperaturen. Auch Gebäudegeometrie, Verschattung, Wind, solare Einstrahlung und Oberflächenmaterialien beeinflussen, wie warm es drinnen wird. Bauliche Maßnahmen können den technischen Kühlbedarf verringern: Verschattung, Speichermasse, natürliche Belüftung und Nachtkühlung gehören dazu.
Dächer und Fassaden übernehmen dabei zusätzliche Aufgaben. Sie können Schatten spenden, begrünt werden und Wasser zurückhalten. Auf dicht bebauten Grundstücken gewinnt die Mehrfachnutzung vorhandener Flächen an Bedeutung – gerade dort, wo jeder Quadratmeter zählt und die Suche nach Platz schnell mühsam wird.
Wenn der Regen plötzlich nicht mehr abfließt
Bei Starkregen entscheidet sich vieles an drei Fragen: Wo fällt das Wasser an? Wie fließt es ab? Und wo kann es zurückgehalten werden? Besonders gefährdet sind Keller, Tiefgaragen und tieferliegende Gebäudebereiche. Ein kurzer, heftiger Regenguss kann dort mehr anrichten als stundenlanger Landregen.
Dächer werden deshalb zunehmend Teil einer klimaangepassten Infrastruktur. Auf begrenzten Dachflächen sollen Photovoltaik, Begrünung, Gebäudetechnik und Regenwasserrückhalt miteinander kombiniert werden. Retentionsdächer, Begrünung und Photovoltaik verbinden Klimaanpassung und Klimaschutz – vorausgesetzt, die Planung stimmt.
Eine frühzeitige Abstimmung von Tragwerk, Dachaufbau, Abdichtung und Entwässerung kann diese unterschiedlichen Funktionen zusammenbringen. Das klingt nach viel Koordination, spart später aber oft Ärger. In frühen Planungsphasen können außerdem Stadtklimaanalysen, Starkregengefahrenkarten und digitale Modelle zeigen, wo Verschattung, Vegetation, Versickerung oder Rückhaltung besonders wirksam sind.
Neue Aufgaben für das Bauhandwerk
Dafür müssen Architektur, Freiraumplanung, Wasserwirtschaft und technische Fachplanung frühzeitig zusammenarbeiten. Für das Bauhandwerk entstehen dadurch neue Aufgabenfelder. Gefragt sind Lösungen, die nicht nur montiert oder eingebaut werden, sondern mehrere Anforderungen zugleich erfüllen.
Auf der BAU 2027 werden unter anderem Entwicklungen für Gebäudehüllen, Sonnenschutz, Gebäudetechnik, Dach- und Fassadensysteme, Regenwassermanagement und digitale Planungswerkzeuge vorgestellt. Für Bauprojekte im Bestand ist das durchaus relevant: Zwischen Hitzeschutz, erneuerbarer Wärme, Begrünung und sicherer Entwässerung liegen in der Praxis oft nur wenige Zentimeter – oder ein schlecht abgestimmtes Detail.
Die Messe in München kommt damit zu einem Zeitpunkt, an dem Klimaanpassung vom Zusatzthema zur alltäglichen Bauaufgabe wird. Gerade bei Sanierungen entscheidet sich vor Ort, was machbar ist: am Dach, an der Fassade, im Innenhof und manchmal auch dort, wo bisher einfach nur eine versiegelte Fläche war. Die Angaben zu den Investitionen stammen aus der genannten Prognos-Studie; die zusätzlich angeführte PDF-Quelle des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe enthält im gelieferten Material ausschließlich komprimierte beziehungsweise binäre PDF-Daten und keinen lesbaren Nachrichtenartikel.
