Berlins Enteignungspläne bringen Vonovias Neubauinvestitionen ins Wanken
In Berlin wird der Ton zwischen Vonovia und der Landespolitik rauer. Vorstandschef Luka Mucic erwägt, neue Investitionen in der Hauptstadt grundsätzlich infrage zu stellen. Auslöser sind der Wahlsieg der Linken in Berlin und deren erneute Forderung, große Wohnungsunternehmen zu vergesellschaften.
Vonovia prüft deshalb, welche Folgen die Enteignungspläne für geplante Bauprojekte und Investitionen haben könnten. Ein vertrauliches Gespräch zwischen Mucic und dem Linken-Politiker Luigi Pantisano platzte kurzfristig. Die Partei sagte den Termin ab, nachdem Vonovia einer journalistischen Begleitung nicht zugestimmt hatte.
Berlin wird zum Risiko für neue Projekte
Die Vonovia-Aktie steht unter Druck und notiert bei 16,75 Euro – nahe ihren Tiefstständen. Seit Jahresbeginn hat das Papier 32 Prozent verloren. Der Berliner Streit rückt damit ein regulatorisches Risiko wieder in den Mittelpunkt, das für den Bochumer Konzern nicht nebensächlich ist: Berlin gehört zu den Kernmärkten des Unternehmens.
Einschränkungen der Geschäftstätigkeit oder eine Vergesellschaftung könnten deshalb die Bewertung des gesamten Konzerns beeinflussen. Für Investoren stellt sich die unangenehme Frage, ob die Berliner Debatte eine reale Bedrohung für das Portfolio darstellt oder vor allem ein politischer Konflikt ist. Beides lässt sich derzeit schwer sauber trennen.
Mucic wies die Enteignungsforderungen zurück und verwies auf alternative Lösungen für den angespannten Wohnungsmarkt. Nach eigenen Angaben könnte Vonovia aus dem bestehenden Bestand rund 20.000 neue Wohnungen errichten – vor allem durch seriellen und bezahlbaren Neubau. Das klingt nach viel Platz für neue Wohnungen, auf den Baustellen entscheidet sich aber erst, ob daraus tatsächlich ein genehmigtes Projekt wird.
Baurechtliche Bürokratie und stark gestiegene Kapitalkosten erschweren oder verhindern derzeit teilweise die Rentabilität neuer Vorhaben. Zusätzliche politische Unsicherheit könnte Investitionen noch unattraktiver machen und das organische Wachstum von Vonovia in Berlin bremsen. Gerade das Nachverdichtungspotenzial von 20.000 Wohnungen könnte bei Vereinbarungen mit Genehmigungsbehörden erheblichen Wert schaffen.
Serieller Neubau und ein Geschäft mit Dienstleistungen
Serielle Bauweisen sollen die Kosten senken und Neubau trotz hoher Zinsen ermöglichen. Gleichzeitig baut Vonovia Dienstleistungen außerhalb des klassischen Vermietungsgeschäfts aus. Unter der Marke Veveus bündelt das Unternehmen Investment-, Asset-, Property- und Facility-Management für Dritte.
Bereits rund 75.000 Wohnungen bewirtschaftet Vonovia im Auftrag institutioneller Eigentümer und Investoren. Dieses Geschäft benötigt wenig eigenes Kapital und bringt wiederkehrende Gebühreneinnahmen. In einer Branche, in der jeder zusätzliche Finanzierungsschritt schwerer wiegt, ist das kein kleiner Nebensatz.
Auch auf Investorenseite gab es Bewegung: JPMorgan Chase & Co. meldete eine Stimmrechtsposition von insgesamt 5,25 Prozent an Vonovia. Jefferies bestätigte trotz gesenkter Kursziele seine Kaufempfehlung für die Aktie.
Hohe Zinsen, mögliche Abwertungen
Längerfristig hohe Zinsen belasten weiterhin die gesamte Immobilienbranche. Jefferies-Analyst Pierre-Emmanuel Clouard hält weitere Abwertungen der Immobilienbestände für möglich. Schwächeres externes Wachstum und sinkende Vermögenswerte setzen die Bilanz des Bochumer Konzerns unter Druck.
Bei einer Umsetzung der Berliner politischen Initiativen könnten wichtige Großprojekte blockiert werden. Hinzu kämen womöglich langwierige Rechtsstreitigkeiten über Bestandsbauten. Verzögerungen dieser Art könnten institutionelle Anleger abschrecken und die Risikoaufschläge erhöhen – also jene Aufschläge, die Kapital für ein als unsicherer wahrgenommenes Geschäft teurer machen.
Damit hängt die Berliner Entscheidungslage an mehreren Fäden zugleich: an der Frage nach Enteignungen, an fehlenden oder verzögerten Genehmigungen, an den Kosten für serielle Bauweisen und an den Zinsen, die längst nicht mehr wie ein vorübergehender Gegenwind wirken. Das geplante Gespräch zwischen Mucic und Pantisano ist zwar ausgefallen. Die Auseinandersetzung ist es nicht.
Setzt sich der Trend fort, dass Banken wie …
Quelle: Börse Express
