In München nimmt ein neues Wohnungsbauprojekt Gestalt an: Baywobau, Rock Capital Group und Domicil Real Estate AG haben das Gemeinschaftsunternehmen Deutsche Wohnvorsorge gegründet. Es bündelt Projektentwicklung, bauliche Realisierung, Vermarktung und die langfristige Verwaltung von Wohnimmobilien.

Als erstes gemeinsames Vorhaben startet der Vertrieb von Wohnungen in den Hofmann-Höfen in München. Das Quartier wird von der Rock Capital Group entwickelt. Der erste Bauabschnitt des Projekts THE ONE mit rund 400 Wohnungen ist bereits gestartet. Insgesamt sind etwa 900 Ein- bis Vier-Zimmer-Wohnungen geplant – dazu Tiefgaragen- und Fahrradstellplätze. Errichtet werden die Gebäude nach KfW-40-Standard.

Drei Partner, ein Wohnungsunternehmen

Die Aufgaben sind klar verteilt. Baywobau bringt mehr als 60 Jahre Erfahrung in der Entwicklung und Realisierung von Wohnimmobilien ein. Die Rock Capital Group ergänzt die Partnerschaft durch ihre Erfahrung mit Wohnbauvorhaben und gemischt genutzten Stadtquartieren. Domicil steuert Vertriebskompetenz, ein etabliertes Netzwerk von Vertriebspartnern sowie Verwaltungs- und Serviceleistungen bei.

Damit reicht die Zusammenarbeit vom ersten Entwurf über den Bau und den Vertrieb bis zur langfristigen Betreuung der Wohnungen. Der Schwerpunkt liegt auf der Schaffung von Wohnraum für den Mietwohnungsmarkt. Nach Angaben des Artikels handelt es sich bei THE ONE um das größte Wohnungsneubauvorhaben der vergangenen Jahre in München.

In den kommenden Jahren sollen rund 4.500 Wohneinheiten realisiert werden. Die Partner wollen weitere Wohnbauprojekte gemeinsam umsetzen und das Unternehmen deutlich ausbauen. Neubaukompetenz, eine gesicherte Grundstückspipeline und der Zugang zum Kapitalanlagemarkt sollen dafür die Grundlage schaffen.

Kapital für weitere Wohnimmobilien

Zur Zusammenarbeit gehörte auch eine Kapitalerhöhung bei Domicil Real Estate über 10 Millionen Euro, die im August 2026 abgeschlossen wurde. 70 Prozent des neuen Kapitals zeichnete eine Gesellschaft der Rock Capital Group. Die übrigen 30 Prozent stammen von bisherigen Aktionären, darunter Baywobau und Roland Berger Industries.

Mit dem zusätzlichen Eigenkapital erweitert Domicil den finanziellen Spielraum für weitere Ankäufe von Wohnimmobilien zur Privatisierung. Weitere Aktionäre sind die Privatbank Donner & Reuschel AG, die Versicherungskammer und Die Bayerische.

Wohnungsdruck bleibt spürbar

Der Bedarf ist gerade in den Ballungsräumen groß. Nach einer KfW-Research-Prognose wurde bis 2020 ein Bevölkerungswachstum durch Zuwanderung um rund 400.000 Menschen auf etwa 83 Millionen erwartet. Die meisten Zuwanderer kamen aus EU-Staaten. Zugleich könnte die Flüchtlingszuwanderung per saldo in Abwanderung umschlagen, weil viele Flüchtlinge in ihre Herkunftsländer zurückkehren.

In den Städten steigt die Wohnungsnachfrage dennoch weiter. Gebaut wird dort zu wenig – mit Wohnungsknappheit, steigenden Mieten und stark steigenden Immobilienpreisen als Folge. Für 2016 wurde geschätzt, dass in Deutschland 80.000 bis 120.000 Wohnungen weniger fertiggestellt wurden, als zur Beseitigung der Engpässe erforderlich gewesen wären.

In den vergangenen Jahren wurden außerdem rund 600.000 Wohnungen mehr genehmigt als fertiggestellt. Der Abbau dieses großen Bestands an genehmigten, aber noch nicht fertiggestellten Wohnungen könnte die angespannten Wohnungsmärkte spürbar entlasten. Deshalb wird mit einem weiteren deutlichen Anstieg des Neubaus gerechnet.

Bis 2030 müssten etwa 4,4 Millionen Wohnungen entstehen, um den Wohnungsbedarf zu decken. Rund die Hälfte davon entfällt auf Ein- und Zweifamilienhäuser. Grundlage sind eine Prognose des Forschungsinstituts empirica für KfW Research und eigene Analysen zur Entwicklung der regionalen Wohnungsmärkte bis 2030. In München ist derweil der erste Bauabschnitt von THE ONE bereits auf der Baustelle angekommen – mit Baggern, Beton und dem ganz normalen Baulärm, der zu einem neuen Quartier eben dazugehört.