Am 7. Oktober 2026 haben kommunale Gremien in mehreren deutschen Städten und Gemeinden Weichen für Wohnungsbau, Gewerbe, Infrastruktur und soziale Einrichtungen gestellt. Die Vorhaben reichen von einem neuen Stadtquartier in Aalen bis zu einem Solarpark in Ostereistedt. Manches ging einstimmig durch, anderes sorgte für Streit – wie so oft, wenn Hochhäuser, Parkplätze oder Brücken ins Spiel kommen.

Besonders viel Bewegung gibt es beim Wohnungsbau: In Unterschleißheim wurden mit dem sogenannten Bau-Turbo Abweichungen für rund 336 Wohnungen genehmigt. In Berlin-Johannisthal startete der Hochbau für 182 Mietwohnungen. Und Waren an der Müritz erhielt mehr als 1,5 Millionen Euro für die Infrastruktur eines neuen Bauabschnitts.

Aalen: Die „Gartenstadt“ nimmt Gestalt an

Nahe Bahnhofstraße, Kocher und Stadtgarten soll in Aalen das neue Quartier „Gartenstadt“ entstehen. Der Gemeinderat billigte einstimmig die Planentwürfe für das 1,82 Hektar große Gebiet zwischen Bahnhofstraße und Eisenstraße. Zuvor hatte der Ausschuss für Umwelt, Stadtentwicklung und Technik den aktuellen Rahmenplan mehrheitlich zustimmend zur Kenntnis genommen.

Vorgesehen ist ein lebendiges, urbanes und gemischt genutztes Viertel auf einem bislang weitgehend versiegelten Privatgelände. Wohnungen, Gewerbe, Gastronomie, Geschäfte, Dienstleistungen und soziale Einrichtungen sollen dort Platz finden. Die Gebäude werden vier, fünf oder sechs Geschosse haben; dazu kommt ein rund 34 Meter hohes Hochhaus mit etwa zehn Geschossen.

Das Bebauungsplanverfahren wurde im Juni 2024 eingeleitet. Liebel Architekten und Planstadt Senner entwickeln das Konzept gemeinsam mit der Verwaltung und den Grundstückseigentümern weiter. Die Planung setzt auf Nachverdichtung und soll damit den Außenbereich schonen. Erdgeschosse mit einer Höhe von etwa 4,50 Metern könnten Cafés, Bäckereien oder Arztpraxen aufnehmen.

Auch das Wasser soll näher an die Menschen rücken. Geplant sind eine Terrassierung des Kocherufers an der Einmündung des verdolten Hirschbachs, ein kocherbegleitender Steg sowie mögliche Balkone und Aufenthaltsbereiche am Wasser. Für das Hochhaus wurde eine öffentlich zugängliche Dachterrasse oder ein Dachcafé vorgeschlagen. Grünhöfe, begrünte Dächer und weitere Freiräume sollen dazu beitragen, die Innenstadt an heißen Tagen zu kühlen.

Einfach wird die Sache nicht: Das Gelände liegt im Überschwemmungsbereich von Kocher und Hirschbach. Deshalb müssen die Erdgeschosse auf Höhe der Bahnhofstraße liegen. Die Gebäude würden dadurch 1,90 Meter höher errichtet als ursprünglich vorgesehen. Die CDU unterstützte die Planung und sprach von einem mutigen, hochwertigen Projekt in Fortsetzung des Stadtovals. Die Grünen befürworteten den aktuellen Stand, verwiesen aber auf die Hochwassergefahr in der Hopfenstraße. Die SPD begrüßte das Quartier, erwartet jedoch Parkdruck – derzeit ist ein Stellplatz pro Wohneinheit vorgesehen. Die Freien Wähler lehnten vor allem die Höhe des Hochhauses und die zusätzlichen 1,90 Meter ab.

Trotz dieser Einwände sprach sich die Mehrheit des Ausschusses für die Pläne aus. Im Rat wurden außerdem Begrünung, Radwege, Feuerwehrzufahrten und Zugänge beraten. Bestehende Gebäude am Kocher sollen erhalten, umgenutzt oder aufgestockt werden. Das Kocherufer muss spätestens bis 31. Dezember 2032 öffentlich zugänglich sein. Der städtebauliche Entwurf soll auf Grundlage des Bebauungsplans bis Herbst weiterentwickelt werden.

Unterschleißheim nutzt den Bau-Turbo

Der Bauausschuss in Unterschleißheim genehmigte Abweichungen von Bebauungsplänen für zwei Projekte mit zusammen rund 336 Wohnungen. Am Grasbrunner Weg plant Fortoon 156 Wohnungen: 75 Seniorenwohnungen und 81 reguläre Wohnungen. Für dieses Vorhaben wurde ein Barrierefreiheitsanteil von 75 Prozent zugelassen, obwohl der Bebauungsplan bislang 100 Prozent vorsah.

An der Feldkirchner Straße will Instone rund 180 Wohnungen in zehn Häusern sowie drei Tiefgaragen errichten. Dafür gab es Abweichungen in elf Punkten. Zwei Gebäude dürfen bis zu 14,50 beziehungsweise 15 Meter hoch werden; ursprünglich waren dort 9 bis 12 Meter vorgesehen. Nach Angaben der Stadtverwaltung erhöhen die Änderungen weder das Bauvolumen noch die Flächenversiegelung.

Weitere Projekte zwischen Mietwohnungen und Gemeindehaus

In Berlin-Johannisthal begann Bauwert mit dem Hochbau der Wohnhäuser Arthur und Thekla. Beide Gebäude sollen zusammen 182 Mietwohnungen umfassen. Auf dem insgesamt 21 Hektar großen Areal des Segelflieger Quartiers sind bis 2030 insgesamt 1.800 Wohnungen geplant.

Bahlingen beschloss den Bebauungsplan „Riegeler Straße Ost“. Damit ist Baurecht für ein neues Gemeindehaus der Liebenzeller Gemeinschaft geschaffen. Das Planverfahren war bereits 2014 eingeleitet worden.

In Friesenheim stellte der Rat den Bebauungsplan für das Mühlenareal beziehungsweise Oberle-Areal auf. Damit soll die Realisierung eines geplanten Demenzzentrums vorangebracht werden. Im Rat stritt man dabei insbesondere über eine Brücke.

Waren an der Müritz erhielt als erste Kommune im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte einen Förderbescheid über mehr als 1,5 Millionen Euro aus einem Bundes-Sondervermögen. Das Geld ist für die Infrastruktur des dritten Bauabschnitts im Wohngebiet Papenberg bestimmt. Vorgesehen sind 46 Grundstücke mit 700 bis 1.400 Quadratmetern für Einfamilienhäuser und mehrgeschossigen Wohnungsbau. Der Verkauf soll Ende 2026 beginnen.

Im zweiten Bauabschnitt hatte die Stadt 47 von 56 Grundstücken verkauft. Der Preis lag bei 135 bis 200 Euro pro Quadratmeter, insgesamt nahm Waren daraus 10,68 Millionen Euro ein. Zusätzlich wurden zwei Erbbaurechte vergeben.

In Besigheim wurde ein Vorhaben auf dem Gelände einer ehemaligen Methodistenkirche deutlich kleiner. Der Gemeinderat lehnte den bisherigen Umfang des vorhabenbezogenen Bebauungsplans ab. Neun Ratsmitglieder stimmten dafür, eines von zwei geplanten Mehrfamilienhäusern zu verkleinern. Statt 23 Wohnungen in drei Vollgeschossen sollen nun insgesamt 19 Wohnungen in zwei Vollgeschossen entstehen.

Projektentwickler Layher bezifferte seine bisherigen Investitionen nach rund zwei Jahren Planung auf etwa 120.000 Euro. Das Unternehmen erklärte, das Vertrauensverhältnis zur Stadt sei beschädigt, und stellte weitere Investitionen infrage. Zuvor hatten Anwohner Bedenken zu Verkehr und Gebäudegrößen geäußert.

In Bayreuth empfahl der Stadtentwicklungsausschuss, ein Verfahren zur Teiländerung des Bebauungsplans im Gewerbegebiet Carl-Kolb-Straße am Oschenberg einzuleiten. Damit soll der Erweiterungsbedarf ansässiger Unternehmen ermöglicht werden. Ostereistedt billigte den Bebauungsplan für die Errichtung eines Solarparks.

Was andere Städte aus Nachverdichtung lernen können

Wie Nachverdichtung und Nutzungsmischung gelingen können, untersucht das Projekt „Dialogues for Urban Change“ (D4UC). Das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen und das US-amerikanische Department of Housing and Urban Development arbeiten darin zusammen. Im Mittelpunkt steht der Austausch zwischen lokalen Akteuren und Verwaltungen, um ganzheitliche und innovative Stadtentwicklungsprojekte zu fördern.

Die beteiligten Städte vergleichen ihre Planungspraxis, suchen nach rechtlichen Hürden und stellen lokale Ansätze, Planungsinstrumente und bewährte Verfahren gegenüber. Die Peer-to-Peer-Zusammenarbeit soll die gemeinsame Entwicklung und Diskussion innovativer Lösungen ermöglichen. Aus Deutschland sind Berlin, München und Frankfurt am Main beteiligt, aus den USA Seattle, Atlanta und St. Louis.

Untersucht werden kommunale Instrumente und Handlungsansätze zur Nachverdichtung und Nutzungsmischung in beiden Ländern. Ergänzt wird die Analyse durch Erkenntnisse aus dem laufenden Austausch des Städtenetzwerks. Die sechs Living Labs beziehungsweise Praxisbeispiele liegen in Berlin mit „Buch – Am Sandhaus“, in Frankfurt am Main mit „Stadtteil der Quartiere“ und „Post-Corona-Innenstadt“, in München mit dem Werksviertel sowie in St. Louis mit dem „Near North Neighborhood“, in Atlanta mit „Thomasville Heights“ und in Seattle mit den „West Seattle und Ballard Link-Erweiterungen“.

Die Publikation behandelt außerdem Projekthintergrund und Einleitung, aktuelle Praxis und Planungsinstrumente, strategische Planungsansätze in Deutschland und den USA sowie die Herausforderungen der deutschen Netzwerkstädte. Weitere Schwerpunkte sind Dichte und Nutzungsmischung, integrierte Stadtentwicklung, bez