Hamburgs Sternbrücke wird zum Verkehrsstresstest für Schiene und Straße
Hamburg steht im Sommer 2026 vor einem Verkehrsstresstest. Zwischen Hauptbahnhof und Altona bündelt die Deutsche Bahn vom 14. Juli bis 20. August vier Großprojekte entlang der Verbindungsbahn. Gleichzeitig plant die Stadt rund sieben Straßenbauprojekte in der Umgebung. Etwa zehn Großbaustellen laufen dann parallel – da wird es eng, auf der Straße ebenso wie auf der Schiene.
Im Mittelpunkt steht der Neubau der mehr als 100 Jahre alten Sternbrücke. Dazu kommen Arbeiten an den Eisenbahnbrücken Schanzenstraße und Holstenstraße, die Inbetriebnahme eines elektronischen Stellwerks am neuen Bahnhof Altona sowie der Rückbau des Kreuzungsbauwerks Langenfelde. DB-InfraGO-Manager Michael Körber begründet die Bündelung damit, die Gesamtdauer der Streckensperrungen zu verkürzen. Die Maßnahmen liegen bewusst in den Sommerferien.
Max-Brauer-Allee wird zur Baustellenroute
Für den Einbau wird die mehr als 3.500 Tonnen schwere neue Sternbrücke auf einem Hubwagen vom Montageplatz am Schulterblatt bis zur Kreuzung Max-Brauer-Allee/Stresemannstraße transportiert. Die Straße muss dafür mit Sand und Stahlplatten befestigt werden. Die Vorbereitungen dauern zehn statt der bislang angekündigten acht Wochen.
Ab dem 26. Juni ist die Max-Brauer-Allee zwischen Stresemannstraße und Schulterblatt für den motorisierten Verkehr gesperrt. Ab 17. Juli, möglicherweise schon ab 16. Juli, kommt der gesamte Kreuzungsbereich Stresemannstraße/Max-Brauer-Allee dazu. Diese Sperrung soll mindestens bis 31. August dauern, eventuell bis Anfang September. Danach können wegen weiterer Arbeiten am Umbau der Nebenflächen bis Anfang November Einschränkungen bleiben.
Verkehrssenator Anjes Tjarks nennt das Konzept ein umfangreich geplantes Maßnahmenpaket. Als Ausweichroute wird die Elbchaussee während der Sperrung von ihrer Baustelle freigehalten und wieder geöffnet. Nördlich soll die Fruchtallee über die Kieler Straße als Alternative dienen. Neun Ampelanlagen an den Umfahrungen bekommen Sonderprogramme, rund um die Sternbrücke werden LED-Countdown-Tafeln aufgestellt. Hinweisschilder sollen schon ab der A7 und dem Deichtorplatz auf großräumige Umfahrungen aufmerksam machen.
Damit die Wohnviertel nicht im Schleichverkehr versinken, wird an den Kreuzungen Eimsbütteler Chaussee/Waterloostraße und Eimsbütteler Chaussee/Bellealliancestraße eine Schranke installiert. Durchgelassen werden nur Busse. In der Oelkersallee und der Eifflerstraße entstehen Einbahnstraßen. Die Buslinien 3 und X3 fahren über den Doormannsweg; nach Angaben von Tjarks nutzen sie täglich rund 41.000 Fahrgäste.
Brücke kommt, Verkehr geht – und Anwohner ins Hotel
Der Transport des neuen Bauwerks zum Einbauort beginnt Ende Juli mit Spezialtransportern. Am 15. August soll die neue Sternbrücke in Betrieb gehen. Für drei Tage müssen Anwohnerinnen und Anwohner in Hotels untergebracht werden. Die Initiative Sternbrücke kritisiert, dass Deutsche Bahn und Senat die Informationen zu den Einschränkungen nur schrittweise veröffentlichen.
Auch beim Bahnverkehr reißen die Unterbrechungen nicht ab. Vom 19. Juli bis 12. August ist der Bahnhof Altona nicht erreichbar. Die Regionalzüge RE6, RE7 und RE70 enden überwiegend in Pinneberg, teilweise in Elmshorn oder Neumünster. Die Nordbahn stellt die Linie RB60 vollständig ein. Vom 17. Juli bis 13. August fährt die S-Bahn nicht zwischen Sternschanze und Altona; dort gibt es Busersatzverkehr. Die Linie S5 wird über den City-Tunnel umgeleitet. Von Mitte Juli bis Mitte August ist die Bahnstrecke zwischen Altona und Sternschanze gesperrt, Fern- und S-Bahn-Züge werden in dieser Zeit umgeleitet.
Pinneberg wird damit zum zentralen Umsteigeknoten. Bei früheren Sperrungen drängten sich dort bereits die Menschen. Die Bahn kündigt zusätzliches Personal für Umstiege und Gepäcktransport an. An Wochenenden soll die S5 im Zehn-Minuten-Takt bis Pinneberg fahren. Trotzdem verlängert sich die Fahrt zum Hamburger Hauptbahnhof laut Bahn um etwa 15 bis 20 Minuten.
Im Fernverkehr fährt die ICE-Verbindung nach München nur noch alle zwei Stunden und beginnt in Hamburg-Harburg statt am Hauptbahnhof. Nach Kiel gibt es nur zwei Züge täglich; am 20. und 21. Juli entfällt die Verbindung vollständig. Die Direktverbindung Prag–Kopenhagen fällt weg, Sprinter nach Nordrhein-Westfalen werden gestrichen. Nach Westerland fahren drei von vier täglichen ICE-Zügen, ebenfalls ab Harburg. Im Fernverkehr verkehren damit weniger ICE als üblich.
Baustellenfolgen reichen bis Schleswig-Holstein
Bis voraussichtlich Mitte September bleibt der Bahnverkehr Richtung Schleswig-Holstein zusätzlich eingeschränkt. Zwischen Hamburg und Eidelstedt steht nur ein Gleis zur Verfügung, die Güterumgehungsbahn ist gesperrt. Mehrere Strecken nördlich der Elbe sind betroffen; Reisende müssen mit Zugausfällen, Umleitungen, Schienenersatzverkehr und längeren Fahrzeiten rechnen. Besonders der abendliche und nächtliche Berufsverkehr ist betroffen.
Die Nordbahn kündigt mehrere nächtliche Zugausfälle an, als Ersatz sollen Busse fahren. Im Kreis Rendsburg-Eckernförde fallen ab Dienstagabend Züge wegen laufender Bauarbeiten aus. Auch Erixx Holstein ist betroffen und veröffentlicht geänderte Fahrpläne online. Auf weiteren Nordbahn-Linien gibt es tageweise einzelne Einschränkungen.
Für die Anreise zum Wacken Open Air 2026 kommen die Sperrungen ebenfalls ungelegen. Bei ausgedünnten Zugverbindungen können Großveranstaltungen zusätzliche Nachfrage auslösen. Mit mehr Fahrgästen für Taxis wird unter anderem in Pinneberg, Neumünster und an den Vorplätzen der Hamburger Hauptbahnhöfe gerechnet. Taxifahrer sollen bei vielen Zugausfällen ihren Standort frühzeitig anpassen und sich bei Veranstaltungen mit der Funktaxizentrale zu Sonderbedingungen und geeigneten Ersatzverkehrshaltepunkten abstimmen.
Vor Schichtbeginn lohnt ein Blick in die Online-Fahrplanübersicht der Nordbahn; die Servicenummer lautet 040 303 977 333. DB Regio Schleswig-Holstein informiert über Verkehrsmeldungen auf bahn.de und in der DB-App, der Kundendialog ist unter 0431 53 44 05 00 erreichbar. Erixx Holstein stellt eine Online-Baustellenübersicht bereit und ist unter 0451 69 33 11 55 zu erreichen.
Monatelange Arbeiten am Hamburger Bahnknoten
Die Bauarbeiten der DB InfraGO AG führen im Sommer 2026 im Regionalverkehr Schleswig-Holsteins zu erheblichen Einschränkungen. Die Gesellschaft begründet die Maßnahmen mit der notwendigen Sanierung eines überlasteten Netzes. Zugleich wird kritisiert, dass Angaben zur Taktung des Ersatzverkehrs und zur langfristigen Planung für Eisenbahnverkehrsunternehmen nicht ausreichend verlässlich seien.
Laut NDR.de lag die Pünktlichkeit im ersten Halbjahr 2026 auf mehr als 70 Prozent der Linien unter dem Niveau des ersten Halbjahres 2025. Die Strecke Hamburg–Berlin ist seit Mitte Juni wieder uneingeschränkt befahrbar, die Strecke Hamburg–Hannover bleibt von Bauarbeiten betroffen. Am Hamburger Bahnknoten wird monatelang gebaut – und wenn der Zug nicht fährt, steigen manche eben ins Auto oder ins Taxi. In Pinneberg, zwischen Absperrgittern, Ersatzbussen und rollenden Koffern, dürfte das ziemlich schnell spürbar werden.
